Hallo Leute,
normalerweise wäre ich ja heute gar nicht da, weil auf der Arbeit. Aber mit Kindergartenkindern verbringt man als Pendler auch gerne mal die Sonntagnacht (Freitag und Samstag brauchen die Viren, um sich auszubreiten) auf dem Klo und ärgert sich schwarz, dass der Rest der Familie kein Imodium übrig gelassen hat.
Dann musste Mausi heute nach Gelsenkirchen-Innenstadt und fragte mich, ob ich nicht mitkommen könnte, wegen Parkplatz. Mit Imodium versorgt nun kein Problem mehr.
Angekommen musste Papa mit der Kleinsten (noch nicht im Kiga) dann mal warten. Warten scheint irgendwie neben Geldverdienen die Hauptaufgabe eines guten Vaters zu sein. Früher hatte man mal von Sexorgien mit der Ehefrau und stundenlangen Carrerrabahnspielen mit den Kindern geträumt, bis man vom Leben geerdet wurde. Jetzt ist es halt warten und Geld verdienen.
Was macht man da mit ner 1-jährigen in der Innenstadt von GE? Ah, ein Second-hand Buchladen. Also rein.
Meine Kleine stürzte sich auf ein Buch über van Gogh - sie wollte wohl darauf hinweisen, dass sie zum Bildungsbürgertum gehören will. Vielleicht lag es auch nur daran, dass es schön bunt und handlich war.
Ich fand ein paar nette Kinderbücher. Eine Frau gehobenen Alters kam, quatschte mich an und fing an Bücher für mich rauszusuchen. Irgendwann konnte ich ihr klar machen, dass ich über genügend Kompetenz für die Bücherauswahl verfüge (ok, das riesen Wilhelm-Busch-Teil, was ich vor einigen Wochen "für die Kids gekauft hatte", stellte sich im Nachhinein doch als Flop raus. Ich bin aber Buschfan und eigentlich dienten die Kids nur als Alibi. Max und Moritz mit 37 ist halt auch nicht so einfach zu Hause zu vermitteln.)
Ich sinnierte über den armen Herren, der zu Hause auf die Rückkehr dieses Drachens wartete und hoffe irgendwie für ihn, dass ihm die Gnade eines frühen Todes zu Teil wird.
In der Mitte des Raumes, auf dem kleinen Runden Tisch, lag neben den Bücherstapeln dann eine Broschüre. Ich nahm sie in die Hand - ein Fehler wie sich nun herausstellte: Sofort kam Hyäne Nr.2 dazu. Schlanker, gut gekleidet, eine auffällige Brille irgendwo zwischen Bogner und Gelsenkirchener Barock.
Ab nun wurde ich zugetextet: Organisiert ist das Ganze von den Frauenverbänden, das Geld geht irgendwo nach Afrika, wo die armen Frauen so gequält werden. Der Drachen verkündete nun auch noch voller Stolz, dass er ja das auch erste Frauenhaus gegründet hat.
Ich war in die Falle getappt. Aus unserer kurzen Diskussion nahm ich nur Folgendes mit:
- Es gibt tatsächlich Menschen, die glauben, dass nicht primär Kinder und sekundär Erwachsene, sondern eigentlich Frauen am meisten im Krieg leiden (Die Begründung: diese können vergewaltigt werden)
- Frauenrechtlerinnen wundern sich, wenn sie auf jemanden stoßen, der nicht in ihren Phrasendreschchor einstimmt
- Man muss niemanden bekehren. Es reicht, wenn man die Idee zurücklässt, dass es auch noch andere Meinungen gibt.
- Man kann in einem Frauenbuchladen fast neue Bücher von 1€ auf 0,1€ runterhandeln
- Ich habe ne richtig tolle Frau an meiner Seite. Sie brauch kein Feindbild und kann trotzdem alleine gehen.
Den Rest haben wir dann am Auto gewartet. Bücherlesend, bei geöffnetem Kofferraum auf der Ladekante sitzend.
Das Leben ist schon verrückt.
Gruß,
Michael
Na, da bin ich ja doch froh, dass du dich dann dank Immodium nicht noch braun geärgert hast! :undwech2:
Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.
