Ich hab mal eine Frage an euch.
Am Freitag hatten wir ein Gespräch mit einer Psychologin das meinen Sohn betraf. Es ging dabei eigentlich erstmal um eine Bestimmung seine Begabung und darum warum er sich im Unterricht scheinbar langweilt und Unsinn macht.
Was rauskam war, das er zwar im Vergleich zu anderen Kindern seiner Altersklasse druchaus höher begabt ist, das aber nicht so sehr das Problem ist, da er da schon genug Föderung außerhalb der Schule bekommt. Das Problem ist das er Routineaufgaben nicht gerne macht und daher dort sehr langsam arbeitet (warum soll man auch zum 300x ausrechnen wieviel 6+4 ist). Außerdem kennt er zwar die Regeln ist aber nicht bereit sie zu befolgen. Nun soll mit einem belohnungssystem in Zusammenarbeit mit der Lehrerin gearbeitet werden. Auch kein Problem, nur bei den Vorschlägen zu den Belohnungen waren wir erstmal völlig sprachlos.
Z.B. soll es als Belohnung ein Gesellschaftspiel gespielt werden, das er sich aussuchen darf oder er darf sich das Essen aussuchen oder gemeinsam schwimmen gehen, Zeit mit ihm alleine verbringen...
Ich weiß ja nicht, aber das sind bei uns alles Dinge, die zum völlig normalen Famileinalttag gehören und die unsere Kinder bekommen ohne irgendwas leisten zu müssen. Für uns ist es völlig normal, das jedes Kind und auch wir mal das Spiel aussuchen, oder uns ein Essen wünschen, schwimmen gehen gehört sowieso zu unserer Freizeit oder das jeder mal nen Vorschlag für einen Ausflug machen kann.
Ich würde jetzt gerne mal wissen wie das bei euch ist. Ich halte das für völlig normal. Laut der Psychologin scheint das aber in vielen Familien überhaupt nicht normal zu sein.
Wobei ich jetzt festgestellt hab, das dann Belohnungen schon schwerer werden. Bisher gefiel uns vor allem die Idee, das er dann mal etwas länger aufbleiben darf... Habt ihr da noch Ideen?
LG Tina
Ein gebrochenes Versprechen ist ein gesprochenes Verbrechen
Hallo Tina,
am Thema Belohnung habe ich auch lange rumgeknappst.
Beim Lesen fand ich nun gerade, daß ihr mit Dingen belohnen sollt, die bei euch, wie in vielen anderen Familien normal sind bzw. das Familienleben ausmachen.
Wir haben uns dann auf Dinge geeinigt, die halt nicht so ganz zum Alltag gehören.
Z.B. kauft sich mein Sohn das Mickeyhausheft vom Taschengeld, jetzt ist es auch ab und zu die Bravo *grummel.
Wenn es etwas zu belohnen gibt, übernehm ich diese Ausgabe dann. Er freut sich dann, weil er das Geld dann spart.
Wir haben uns mit ihm zusammengesetzt und auch ihn gefragt, was er sich als Belohnung vorstellen könnte. Dabei kamen dann Dinge heraus über die wir schmunzeln mussten, die aber eben bei uns nicht alltäglich sind. Wie z.B. dann zu dritt mal einen Döner essen gehen oder zu dritt ins Kino gehen.
Vielleicht hat dein Kind auch Ideen an die du zur Zeit nicht denkst. Dann könnt ihr gemeinsam die Belohungen absprechen.
Das sind zur Zeit meine Ideen dazu 🙂
LG
Tina
Und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir:"Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen." Und ich lächelte und war froh und es kam schlimmer.
Hallo Tina.
Beim Lesen fand ich nun gerade, daß ihr mit Dingen belohnen sollt, die bei euch, wie in vielen anderen Familien normal sind bzw. das Familienleben ausmachen.
Der meinung war ich bisher auch. ich war schon erstaunt als die Psychologin sagte, das all diese Dinge durchaus nicht mehr üblicherweise zum Familienleben gehören. Ich hab mich da schon gefragt, ob wir so unnormal sind oder warum solche Dinge anscheinend eben nicht mehr normal sind.
Die Idee meinen Sohn selbst zu fragen ist mir noch gar nicht gekommen. Das werd ich auf jeden Fall machen. Das mit dem Übernehmen von Heftpreisen ist bei ihm wohl noch nicht so dran. Er bekommt im Abo den Löwenzahn und sonst kauft er sich noch nix an Heften. Aber ich glaub mal zu McDoof wäre für ihn ne Belohnung und Kino wär natürlich auch ne Idee. Ich hätte aber auch gern ein paar Dinge, die eben nicht mit Geld verbunden sind, aber trotzdem belohnen
LG Tina
Ein gebrochenes Versprechen ist ein gesprochenes Verbrechen
Hallöchen,
hm...verstehe was du meinst.
Mein Sohn durfte sich mal Freunde an einem Wochenendtag zum Übernachten einladen. Einer schläft ja immer mal wieder hier oder Sohni eben dort. Aber zu 4. im Zimmer mit Bettenlager und Pommes aus dem Backofen, das finden die schon toll.
Vielleicht mag er auch mal ein Picknick irgendwo im Grünen, eine organiesierte Schnitzeljagd mit ein paar Kindern. Das haben wir letzten Sommer gemacht. Das hat Kindern wie Erwachsenen viel Spaß gemacht und ist mit allen "Schikanen" mit Papier und Stiften leicht zu organisieren.
Ich denke es kommt drauf an, was dein Sohn gerne macht. Ich würde da auch mal nachhorchen und dann weiter überlegen.
LG und viel Erfolg
Tina
Und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir:"Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen." Und ich lächelte und war froh und es kam schlimmer.
Also wenn das "Problem" eine Hochbegabung ist, scheint mir die vorgeschlagene Strategie in etwa so, als würde man einem Linkshänder das Rechtsschreiben aufzwingen wollen.
Ich würde das abchecken, ob eine Hochbegabung vorliegt, weil dann wäre gezielte Hochbegabtenförderung sicher sinnvoller, solche Kinder können in einer normalen Schule durchaus Schwierigkeiten haben aus den Gründen, die Du beschreibst.
Hallo Tina,
mein Sohn ist auch so ein "Zauberer". Er ist jetzt 12 und lebte bis vor mehr als 2,5 Jahren bei meinem Mann und der wollte ihn auf biegen und brechen zum Musterschüler machen. Jeden Tag hatte der Kurze mindestens 3 Stunden Nachhilfe. Dazu hat er noch ein Institut besucht um seine Legastenie zu heilen. :phantom:
Die Grundschule hat er mit Noten zwischen 4,5 und 6 (Rechtschreibung) hinter sich gebracht. Wie ich leider erst jetzt erfahren habe, ist mein Sohn dort auch gemobbt worden. Originalzitat seiner Mathelehrerin: "Wenn Du mit Nachnamen XX. heisst bist du wahrscheinlich genau so bescheuert wie deine Schwester."
Als er zu mir kam hatte er keinen Bock mehr auf Schule. Ich habe den Kurzen einfach in Ruhe gelassen. Die Lehrerin ist mir auch auf den Nerv gegangen. Für alles was mein Sohn vergessen hatte gab es einen Strich (Sogar für das Geo Dreieck, was unten in der Schultasche vergraben war und erst in der letzten Stunde wieder auftauchte!) Nach 5 Strichen gab es durch die Schule Druck in eine Hausaufgaben Betreuung zu gehen). Wenn er dann Nachmittags um 4 wieder zu Hause war war er fix und fertig. Die Hausaufgaben die in dieser Betreuung gemacht wurden... Qualitativ unter aller Kanone und dazu unvollständig. Geholfen hat ihm diese Betreuung nicht, weil die wenigsten Striche aus nicht gemachten Hausaufgaben resultieren. Gespräche mit der Lehrerin:"Glauben Sie wirklich dass das tägliche Nachsitzen hier, meinem Sohn hilft daran zu denken wo in der Tasche sein Geodreieck ist?" Mit ihr war nicht zu reden.
Ich habe meinen Sohn nach einem Jahr nachdem er zu mir gezogen ist an einer anderen Schule hier in der Nähe angemeldet. Dort waren keine "Altlasten", die Hänseleien hörten auf und er bekam eine neue Chance. Nun ist mein Zwerg ein Musterschüler. Mathe 1, Deutsch2 usw.
Der Kurze war einfach zu gefrustet. Mit Belohnungen konnte ich ihn kaum hinterm Ofen hervorlocken. Er war komplett blockiert. Schimpfen, Belohnen, Hausaufgabenhefte die ich abzeichnen musste, nichts hat geholfen. Erst der Schulwechsel, mit einem Klassenlehrer der ihn mag und akzeptiert wie er ist, hat es geändert.
Schau doch mal in die Richtung, ist Dein Sohn in der richtigen Schule? Was hat er für Lehrer? Wie gehen seine Mitschüler mit ihm um? Mein Sohn hat auch einen IQ von 139. An diesen Psychomist glaube ich beim Thema Schule nicht mehr. Ich hätte meinem Sohn mit keiner Belohnung der Welt locken können. Zum Familienleben gehört es eben auch ein Kind mit allen Eigenarten anzunehmen wie es ist. Er hatte schon genug Frust mit sich selbst, dass er sich nicht organisieren konnte und dann aus lauter Verkrampfung alles nur noch schlimmer machte. Da hilft nur trösten und unterstützen. Zeitweise sind wir für ne 5 in Deutsch ins Kino gegangen. :rofl2:
Versuch auch mal in eine andere Richtung zu denken...
Grüße
Feta
@Feta:
Den Ansatz find ich gut :phantom:
Sowas bringt einem verwirrte Blicke ein. Ging mir mal so, als ich vor einer Bekannten nach einem Supergau mit Zwerg zu Zwerg sagte: "weißte was, jetzt machen wir beide uns einen leckeren Kakao!" statt ihn mit Schimpf und Schande in sein Zimmer zu jagen. Wir beide tranken dann friedlich Kakao :prost: und sie echauffierte sich über meine pädagogisch nicht wertvollen Erziehungsmethoden :fluch01:
*grins*
LG LBM
"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst."
@ papasorglos:
Er wurde auf Hochbegabung gestestet. Er ist sozusagen weit über der Normalbegabung, aber noch nicht im Bereich der Hochbegabung. Die Föderung bekommt er außerhalb der Schule, das ist auch nicht das Problem.
Er braucht eben derzeit in der Schule Hilfe, sich "richtig" zu verhalten. D.h. sich an die allgemeinen Regeln zu halten und nicht ständig zu stören und es fällt ihm schwer Arbeiten schnell genug auszuführen. Da muß ihm alles noch in kleinere Arbeitsschritte eingeteilt werden. Er selbst fühlt sich in seiner Klasse sehr wohl und deshalb will ich ihn da auch nicht unbedingt rausnehmen. Deshalb eben ein System der positiven Verstärkung, in dem wir mit Belohnungen und weniger mit Konsequenzen (die ihm meist eh egal sind)arbeiten. Ich denke das das schon derrichtige Weg zur Zeit ist. Wie es dann weitergeht wird man eh Schritt für Schritt beurteilen müssen, je nachdem wie er sich weiterentwickelt.
@ feta:
Danke für deine Worte. Das hift mir auch schon wieder weiter. Die Schule ist soweit ok für ihn. Er selber fühlt sich sogar mit seiner Lehrerin wohl, wobei da eben derzeit das Problem liegt. Sie bezeichnet ihn als niczht schulreif und ignoriert dann sein, wie sie findet ja noch kindgerechtes Verhalten. Damit tut sie sich und ihm keinen Gefallen und da wird es jetzt noch einige Gespräche geben, damit sich das ändert. Ich hoffe, das sie nun mit dem Gutachten sich endlich damit auseinandersetzt, das er eben etwas andere Anforderungen an sie stellt, als sog. pflegeleichte Schüler. Bei uns werden sicher alle Kids mit ihren Eigenarten angenommen, trotzdem muß er ja lernen ,das man sich an bestimmte Regeln halten muß, damit das Zusammenleben funktioniert. Sonst grenzt er sich ja selber aus. Unterstützen wollen wir ihn halt jetzt erstmal mit einem Belohnungssystem (bei ihm zieht das noch).
@ LBM:
*g* Naja, das gibts bei uns zwar auch ab und zu mal, aber es gibt auch "Strafen", ganz ohne gehts leider nicht.
LG Tina
Ein gebrochenes Versprechen ist ein gesprochenes Verbrechen
