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OLG Frankfurt: Zweiwochenreise mit fünfjährigem Kind nach Italien
Geschrieben am Montag, 25. September 2006 von DeepThought
Urteile Umgangsrecht  

Zum Umgangsrecht i.S. von § 1684 BGB gehört bei einem knapp fünf Jahre alten Kind auch eine Ferienregelung, die es diesem und dem nicht sorgeberechtigten Elternteil ermöglicht, einen längeren Zeitraum zusammen zu sein.



Die Parteien, die nicht miteinander verheiratet waren, sind die Eltern des jetzt 4œ Jahre alten Kindes A. A lebt bei seiner Mutter, die alleinige Inhaberin des Sorgerechts ist, und wird von ihr betreut. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist die Regelung des Umgangs des Ast. mit dem Kind. Insoweit war es den Eltern möglich, sich einverständig auf regelmäßige Besuchskontakte As mit seinem Vater im vierzehntägigen Rhythmus zu einigen. Über den Wunsch des Ast., mit A einen vierzehntägigen Italienbesuch zu unternehmen, um das Kind in den Kreis seiner väterlichen Verwandten einzuführen, kam jedoch keine Einigung zu Stande. Durch Beschluss vom 29. 8. 2006 ordnete das AG an, dass der Ast. das Recht hat, im Zeitraum 1. 10. 2006 bis 30. 10. 2006 seinen Sohn A für zwei Wochen zu sich zu nehmen und in dieser Zeit mit ihm nach Italien zu reisen.

Gegen diesen Beschluss wandte sich die Ag. mit ihrer Beschwerde ohne Erfolg.

Aus den Gründen:

II. Das AG hat zutreffend ausgeführt, dass zum Umgangsrecht i.S. von § 1684 BGB bei einem Kind im Alter As auch eine Ferienregelung gehört, die ihm und dem nicht sorgeberechtigten Elternteil ermöglicht, einen längeren Zeitraum zusammen zu sein. Dies dient grundsätzlich dem Wohl des Kindes, denn auf diese Weise werden die Beziehungen zu dem nicht betreuenden Elternteil verfestigt und auf eine der Normalität entsprechende Grundlage gestellt. Die Ferienregelung kann auch eine Auslandsreise umfassen, wenn es wie vorliegend darum geht, mit dem Kind nach Italien zu fliegen und es in den Kreis der dort lebenden Verwandten einzuführen.

Die Einwände, die die Ag. dagegen erhoben hat, greifen nicht durch. Zunächst ist festzustellen, dass in der Person des Kindes keine Gründe vorliegen, die gegen eine solche Reise sprechen würden. In einem Alter von 4œ Jahren ist A, der offenbar normal entwickelt ist, für eine solche Reise nicht zu klein. Er ist mit seinem Vater vertraut, der ihn behüten und betreuen kann. Aller Voraussicht nach wird die Reise für ihn ein spannendes Erlebnis werden, das den Horizont des Jungen erweitern wird. Es ist nach dem Vortrag der Parteien auch nicht zu erwarten, dass das Kind am Urlaubsort unerträgliche Verhältnisse vorfinden wird. Da der Bruder des Ast. ebenfalls deutsch spricht, ist nicht zu erwarten, dass das Kind auf Grund mangelnder sprachlicher Kontakte vereinsamen wird. Die vorübergehende Trennung von der Mutter kann ein Kind im Alter As verkraften. Soweit die Ag. eine fehlende Anhörung des Kindes zu diesem Fragenkomplex gerügt hat, ist ihr nicht zu folgen, da von A auf Grund seines Alters noch nicht erwartet werden kann, dass er sich zu dem in der Zukunft liegenden und ihm unbekannten Ferienerlebnis eine entscheidungsrelevante Meinung bilden könnte.

Auch in der Person des Ast. liegen keine Gründe vor, die gegen die beabsichtigte Reise sprächen. Er hat nochmals eine aktuelle ärztliche Bescheinigung vorgelegt, aus der sich ergibt, dass aus ärztlicher Sicht keine Bedenken gegen eine Flugreise nach Italien bestehen.

Soweit schließlich der Verdacht des Kindesmissbrauchs geäußert worden ist, ist dieser derart vage, dass darauf eine die Urlaubsreise ablehnende Entscheidung nicht gestützt werden kann. Dieser Verdacht hatte schließlich ebenfalls keine Bedeutung, soweit es um regelmäßige Besuchskontakte an den Wochenenden ging.

Nach alledem musste die Beschwerde zurückgewiesen werden.

Prozesskostenhilfe konnte der Ag. nicht bewilligt werden, weil ihr Rechtsmittel von Anfang an keine hinreichende Aussicht auf Erfolg versprach.

OLG Frankfurt, Beschluss vom 25.09.2006
2 UF 361/06


OLG Frankfurt: Zweiwochenreise mit fünfjährigem Kind nach Italien

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