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Autor Thema: Entscheidung in Karlsruhe: Väter sind überflüssig: zwei Mütter tun es auch.  (Gelesen 9084 mal)
Hoffmann
Gast
« am: 19. Februar 2013, 14:26:26 »

Hallo zusammen,

ganz so wie in der Überschrift hat es Karlsruhe natürlich nicht gesagt, aber Fakt ist:
In Zukunft wird die Möglichkeit, dass ein Kind ganz offizielle zwei Mütter und keinen Vater hat (und umgekehrt 2 Väter aber keine Mutter) ausgeweitet.

Vätervereine, die sich gegen die Ausgrenzung der Väter von ihren Kindern wenden und bisher immer argumentiert haben, dass ein Kind Mutter UND Vater braucht, werden sich angesichts dieser Entscheidung entgegenhalten lassen müssen:
Wozu braucht ein Kind Mutter UND Vater?
Es kann auch zwei Mütter haben. Ein Vater ist also entbehrlich und kann ganz offiziell durch "noch mehr Mutter" ersetzt werden. Da kann die "kompetente Alleinerziehende" dann doch ganz beruhigt den Vater ausgrenzen, denn "doppelt so viel Mutter" kann sie dem Kind doch auch bieten.

Das ganze gilt natürlich auch umgekehrt für Kinder mit 2 Vätern, bei denen eine Mutter dann entbehrlich ist. Wenn auch viel seltener gibt es auch ausgegrenzte Mütter. Auch die werden sich anhören können: wozu eine Mutter? Doppelt soviel Vater tut es doch auch.

Warum lassen wir dann eigentlich nicht die Volladoption durch den betreuenden Elternteil zu. Mama adoptiert das Kind vom Papa (oder umgekehrt Papa von der Mama) und wird zur Super-Mama (zum Super-Papa) und ist den lästigen anderen Elternteil endlich los. Das wäre doch eine gute Option, besonders wenn sowieso kein Unterhalt gezahlt wird oder man es sich leisten kann darauf zu verzichten.

Dies ist eine bewusste Polemik, die mal zum Nachdenken anregen soll, was eigentlich Familie ist und wie wir unseren Kindern eigentlich noch ihre Identität (auch Geschlechtsidentität) vermitteln wollen, wenn Familie nur noch ein Ausdruck der Beliebigkeit ist. Oder wie es angeblich Ulla Schmidt mal definiert hat: "Familie ist wenn alle aus demselben Kühlschrank essen".
Ist dann eine Studenten-WG auch schon Familie?

Beste Grüße,
Hoffmann
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Hexesyl
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« Antwort #1 am: 19. Februar 2013, 14:32:17 »

Hat das eventuell auch was mi dem Urteil der **tsts - ID 39** zu tun?

Oder halt  mit der Adoption? Ich hab es immer so verstanden, dass nur Ehepaare Kinder adoptieren dürfen. Da jetzt die gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft wie eine Ehe gewertet wird, sollte auch da eine Gleichberechtigung herrschen.
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A life lived in fear is a life half lived
achhja
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« Antwort #2 am: 19. Februar 2013, 14:34:58 »

Nein, es geht darum, dass ein bereits in die Lebensgemeinschaft adoptiertes Kind vom jeweiligen Lebenspartner "nachadoptiert" werden kann.
Ich finde das gut und richtig. Schon allein wegen der Rechtssicherheit für das Kind.
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Susi64
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« Antwort #3 am: 19. Februar 2013, 16:57:48 »

Hallo,

Darum geht es:
Zitat
Homosexuelle, die in einer eingetragenen Partnerschaft leben, dürfen künftig ein von ihrem Partner zuvor angenommenes Kind ebenfalls adoptieren. Das hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entschieden. Die Regelung, die Schwulen und Lesben eine solche "Sukzessivadoption" verbietet, Ehepaaren aber erlaubt, ist demnach verfassungswidrig.

Darum ging es nicht:
Zitat
Nicht zur Entscheidung stand die Frage der gemeinschaftlichen Adoption. Auch hier gibt es Ungleichbehandlung: Ehepaare können gemeinsam Kinder adoptieren, Lebenspartner nicht.

Sicher beeinflussen diese Gesetzte die Vorstellung von Familie, sie sagen aber eben nicht, wie Familie aussieht noch wie Familie aussehen sollte. Mit dieser Möglichkeit der Adoption wird auch in keiner Weise eine bestehende Elternschaft angegriffen.

VG Susi
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Inselreif
Gast
« Antwort #4 am: 19. Februar 2013, 17:52:09 »

Hi,

ein Sturm im Wasserglas. Wie viele Sukzessivadoptionen haben wir denn jährlich in Deutschland? Das dürfte nach meinem Verständnis praktisch nur Fälle mit Auslandsbezug betreffen.
Wenn Stiefkindadoptionen von Lebenspartnern erlaubt sind (und die Österreicher haben wegen ihrer Verweigerung gerade eins auf den Deckel bekommen), ist das logische Konsequenz und nichts besonderes.

Allerdings regt der Thread bei mir die Frage an, wie denn die Geburtsurkunde eines partnerschaftlich adoptierten Kindes ausschauen mag und ob wir alle demnächst diskriminierungsfreie Geburtsurkunden "Elternteil 1" und "Elternteil 2" (Wer 1 oder 2 ist, wird durch Wurf einer Münze ermittelt) bekommen.

Gruss von der Insel
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Beppo
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KU ist wie Benzingeld für den Autodieb


« Antwort #5 am: 19. Februar 2013, 17:58:24 »

und ob wir alle demnächst diskriminierungsfreie Geburtsurkunden "Elternteil 1" und "Elternteil 2" (Wer 1 oder 2 ist, wird durch Wurf einer Münze ermittelt) bekommen.
Vermutlich beide Elternteil 1 damit auch wirklich niemand benachteiligt ist.
Zumindest keine Frau.

Bei 2 Vätern kann man dann ja bei beiden Elternteil 2 eintragen.


Im Übrigen ist mir das wurscht, solange die Adoption nicht gegen den Willen der bisherigen Eltern durchführen kann.
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Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.
Hoffmann
Gast
« Antwort #6 am: 19. Februar 2013, 18:47:05 »

ein Sturm im Wasserglas. Wie viele Sukzessivadoptionen haben wir denn jährlich in Deutschland? Das dürfte nach meinem Verständnis praktisch nur Fälle mit Auslandsbezug betreffen.
Wenn Stiefkindadoptionen von Lebenspartnern erlaubt sind (und die Österreicher haben wegen ihrer Verweigerung gerade eins auf den Deckel bekommen), ist das logische Konsequenz und nichts besonderes.
Ja, klar ist das die logische Konsequenz. Auch bei der Stiefkindadoption stellt sich diese Frage, auch wenn Sie bereits erlaubt war. Allerdings auch erst ein paar Jahre.

Im Übrigen ist mir das wurscht, solange die Adoption nicht gegen den Willen der bisherigen Eltern durchführen kann.
Natürlich kann man sie gegen den Willen der bisherigen Eltern durchführen. Allerdings nur in denselben engen Grenzen wie bei der hetero-Adoption.

Schade, dass niemand über das eigentliche Thema diskutieren möchte: Nämlich ob ein Kind Mutter und Vater braucht.
Wenn nicht, warum beschweren wir uns über einen verhinderten oder nicht ausgeübten Umgang mit dem anderen Elternteil? Dann dürfte man das doch gar nicht kritisieren, insbesondere dann, wenn der andere Elternteil bereits vor der Geburt oder im Säuglingsalter entsorgt wurde. Dann kennt das Kind ja nichts anderes.
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Susi64
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« Antwort #7 am: 19. Februar 2013, 19:15:24 »

Schade, dass niemand über das eigentliche Thema diskutieren möchte: Nämlich ob ein Kind Mutter und Vater braucht.
Wenn nicht, warum beschweren wir uns über einen verhinderten oder nicht ausgeübten Umgang mit dem anderen Elternteil? Dann dürfte man das doch gar nicht kritisieren, insbesondere dann, wenn der andere Elternteil bereits vor der Geburt oder im Säuglingsalter entsorgt wurde. Dann kennt das Kind ja nichts anderes.

Das will hier keiner diskutieren weil es nicht zum Thema passt. Es geht eben nicht darum jemanden, der Anteil am Leben eines Kindes haben will auszugrenzen, sondern, eben auch in diesem Fall (homosexuelle Partnerschaft) einzubeziehen. DAS ist ja gerade die Aussage des Gesetzes.

VG Susi
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brille007
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« Antwort #8 am: 19. Februar 2013, 19:15:52 »

Moin Hoffmann,

Schade, dass niemand über das eigentliche Thema diskutieren möchte: Nämlich ob ein Kind Mutter und Vater braucht.
eine solche Diskussion wäre akademisch und wenig zielführend. Halbwegs sicher ist nur: Ein Kind braucht männliche und weibliche Bezugspersonen und eine Menge Zuwendung. Die Blutsverwandtschaft oder die Adoptionsurkunde sind dafür ohne Belang; das können auch Verwandte, Freunde, Lehrer, Trainer oder sonstwer leisten. Selbst wenn man Deine Frage mit "Ja" beantworten wollte: Wie soll man im Einzelfall damit umgehen? Müssten Witwen und Witwer oder verlassene Elternteile dann zwangsweise neu heiraten oder zumindest Wohngemeinschaften mit mindestens einem andersgeschlechtlichen Erwachsenen begründen?

Dann dürfte man das doch gar nicht kritisieren, insbesondere dann, wenn der andere Elternteil bereits vor der Geburt oder im Säuglingsalter entsorgt wurde. Dann kennt das Kind ja nichts anderes.
das trifft auf Millionen von Kriegswaisen aus dem letzten Weltkrieg zu; auch da kannten die betroffenen Kinder oft nichts anderes als eine Ein-Eltern-Familie. Trotzdem sind nicht reihenweise Deppen oder Gestörte aus ihnen geworden.

Ob ein Elternteil "entsorgt" wurde oder sich einfach verdrückt hat (ein Umstand, der in einem Forum wie vatersein.de kaum vorstellbar erscheint, aber durchaus häufig vorkommt), macht für das Kind keinen Unterschied: Er/sie ist nicht da. Im Unterschied zu einem Waisenkind wissen die betroffenen Kinder aber irgendwann, dass ein Kontakt möglich wäre, weil der andere Elternteil irgendwo lebt und nicht nur ein Grabstein oder eine Sterbeurkunde ist - und das ist das Verletzende daran, weil es als Ablehnung oder Gleichgültigkeit empfunden wird. Von einem Toten kann man nicht abgelehnt werden; der wurde/wird eher zu jemandem heroisiert, der er im real life möglicherweise gar nie geworden wäre.

Insofern haben Umgangsverfahren zumindest den Sinn, diejenigen, die sich um ihre Kinder kümmern wollen, von denen zu unterscheiden, die das nicht wollen - und ersteren diesen Umgang zu ermöglichen.

Grüssles
Martin
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When a mosquito lands on your testicles you realize that there is always a way to solve problems without using violence.
Dick
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« Antwort #9 am: 20. Februar 2013, 08:30:28 »

Hallo brille007,

so einfach ist es nicht.  ''Männliche und weibliche Bezugsbersonen'' stellen nur den Rollenaspekt von Elternschaften dar. Hier fehlt der Wurzelaspekt, der tief im Selbstbewußtsein der Kinder verankert ist. Kind-Sein heißt auch Abstammen, Herkommen und Eigenschaften-Tragen von bestimmten, wohldefinierten Eltern.

Zu den Weltkriegs-Kindern gibt es eine gute Studie:
http://www.dijg.de/ehe-familie/forschung-kinder/vater-bezug/

Niemand sollte ohne Not Kinder solchen Risiken aussetzen.

Aber natürlich sind zur Adoption freigegebene Kinder ohnehin diesen Risiken ausgesetzt, und Adoption von Kindern ist eben eine Notlösung überforderter/unwilliger Eltern. Von daher sagt erlaubte Adoption nichts über den Wert/Unwert leiblicher Eltern aus!

MfG dick

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Frieda
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Ja.


« Antwort #10 am: 20. Februar 2013, 08:50:34 »

Hallo Dick,

das ist ein sehr interessanter Artikel. Mein Vater gehörte zu dieser Nachkriegsgeneration, der Verbleib seines leiblichen Vaters ist bis heute ungeklärt, letzte Meldung gab es einige Monate vor Kriegsende aus dem Baltikum, danach verliert sich die Spur. Trotz eines Stiefvaters, mit dem er sich obendrein nicht wirklich gut verstand, verlief das Leben meines Vaters aus meiner heutigen Sicht immer unter dem Aspekt der Vaterlosigkeit, haltlos, irgendwie entwurzelt. Viele Ereignisse und Entwicklungen in seinem Leben könnte ein Analytiker mit Sicherheit auf diesen Umstand zurückführen.

Liebe Grüße

Frieda
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Glaub nicht alles was Du denkst.
Hoffmann
Gast
« Antwort #11 am: 20. Februar 2013, 10:02:39 »

eine solche Diskussion wäre akademisch und wenig zielführend. Halbwegs sicher ist nur: Ein Kind braucht männliche und weibliche Bezugspersonen und eine Menge Zuwendung. Die Blutsverwandtschaft oder die Adoptionsurkunde sind dafür ohne Belang; das können auch Verwandte, Freunde, Lehrer, Trainer oder sonstwer leisten. Selbst wenn man Deine Frage mit "Ja" beantworten wollte: Wie soll man im Einzelfall damit umgehen? Müssten Witwen und Witwer oder verlassene Elternteile dann zwangsweise neu heiraten oder zumindest Wohngemeinschaften mit mindestens einem andersgeschlechtlichen Erwachsenen begründen?
Hallo Martin,
Deiner Argumentation kann ich nicht folgen. Im Einzelfall mag für das betreffende Kind die Blutsverwandschaft ohne Belang sein (Menschen sind unterschiedlich). Für viele ist dies jedoch ganz offensichtlich nicht der Fall oder wie wäre es sonst zu verstehen, dass zumindest einige Kinder, die durch anonyme S.amenspende entstanden sind, einiges unternehmen, um ihren "E.rzeuger" zu finden? Weshalb sonst hätte man das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung sogar zu einem Grundrecht erklärt und deshalb jetzt sogar rückwirkend den Schutz der Anonymität des Spenders zu Gunsten des Kindes aufgehoben? Deine Argumentation der Beliebigkeit einer männlichen Bezugsperson überrascht mich. Die Argumentation, dass die Vater-Rolle einfach von irgendwem (Verwandte, Freunde, Lehrer, Trainer) ausgefüllt werden kann, ist im übrigen genau die, mit der ausgrenzende Mütter begründen, dass ihr Kind den von der Mutter gehassten Vater überhaupt nicht braucht. Der Trainer tut es doch auch.
Bevor man sich mit der Frage auseinandersetzen kann, wie man damit umgehen soll, müsste man allerdings erst einmal anerkennen, dass eine Vaterrolle nicht von irgendeiner beliebigen Person männlichen Geschlechts ausgefüllt werden kann. (Das gilt meiner Meinung nach auch für die Mutterrolle. Aber Mutterlosigkeit ist bei uns kein derartiges Massenphänomen wie Vaterlosigkeit).

das trifft auf Millionen von Kriegswaisen aus dem letzten Weltkrieg zu; auch da kannten die betroffenen Kinder oft nichts anderes als eine Ein-Eltern-Familie. Trotzdem sind nicht reihenweise Deppen oder Gestörte aus ihnen geworden.
Nein, Deppen sind aus ihnen nicht geworden. Allerdings hat man inzwischen nachgewiesen, dass vaterlose Kriegskinder im Durchschnitt sehr wohl psychische Beeinträchtigungen haben (z.B. einen signifikant erhöhten Depressivitätsgrad) (siehe z.B. die Quelle im Post von Dick). Die Tatsache, dass sich unsere Gesellschaft für die Folgen von Vaterlosigkeit sehr wenig interessiert hat, heißt nicht, dass es sie nicht gibt.
Heute wissen wir übrigens auch, dass Kriegseinsätze für viele der beteiligten Soldaten erhebliche psychotraumatische Folgen haben. Selbst von dem überschaubaren Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan gibt es Berichte über traumatisierte Soldaten. Wieviel mehr traumatisierte Soldaten wird es wohl im zweiten Weltkrieg gegeben haben? Dennoch hat dies unsere Gesellschaft aus verschiedenen Gründen nicht interessiert. Ein Problem ist nicht dadurch weg, weil es ignoriert wird.

Ob ein Elternteil "entsorgt" wurde oder sich einfach verdrückt hat (ein Umstand, der in einem Forum wie vatersein.de kaum vorstellbar erscheint, aber durchaus häufig vorkommt), macht für das Kind keinen Unterschied: Er/sie ist nicht da. Im Unterschied zu einem Waisenkind wissen die betroffenen Kinder aber irgendwann, dass ein Kontakt möglich wäre, weil der andere Elternteil irgendwo lebt und nicht nur ein Grabstein oder eine Sterbeurkunde ist - und das ist das Verletzende daran, weil es als Ablehnung oder Gleichgültigkeit empfunden wird. Von einem Toten kann man nicht abgelehnt werden; der wurde/wird eher zu jemandem heroisiert, der er im real life möglicherweise gar nie geworden wäre.
Ich denke, dass es für ein Kind schon einen Unterschied machen wird, ob der abwesende Elternteil "entsorgt" wurde oder sich nicht interessiert. Sofern das Kind den tatsächlichen Umstand überhaupt erfährt, wird es sich von einem "entsorgten" Elternteil wohl kaum abgelehnt fühlen können.

Insofern haben Umgangsverfahren zumindest den Sinn, diejenigen, die sich um ihre Kinder kümmern wollen, von denen zu unterscheiden, die das nicht wollen - und ersteren diesen Umgang zu ermöglichen.
Das ist eine überaschende Begründung. Die Umgangspflicht wird im Allgemeinen damit begründet, weil man es für das Kindeswohl (was immer das auch genau ist) förderlich hält, Kontakt mit dem nicht betreuenden Elternteil zu haben. Deshalb überrascht mich deine Begründung, dass der Umgang nur dazu dienen soll, einem umgangswilligen Elternteil zu Umgang zu verhelfen. Genau diese Sichtweise wird von ausgrenzenden Elternteilen gerne angewendet, um zu begründen, dass es dem nicht betreuenden Elternteil doch nur um"seine Rechte" und nicht das Kind gehe. Ich glaube nicht, dass du das mit deinem Post gemeint hast.

Beste Grüße,
Hoffmann
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« Antwort #12 am: 20. Februar 2013, 12:30:03 »


Schade, dass niemand über das eigentliche Thema diskutieren möchte: Nämlich ob ein Kind Mutter und Vater braucht.
Wenn nicht, warum beschweren wir uns über einen verhinderten oder nicht ausgeübten Umgang mit dem anderen Elternteil? Dann dürfte man das doch gar nicht kritisieren, insbesondere dann, wenn der andere Elternteil bereits vor der Geburt oder im Säuglingsalter entsorgt wurde. Dann kennt das Kind ja nichts anderes.
Weils darüber nichts zu diskutieren gibt.
Mit dem gleichen "Argument" könnte man Alleinerziehung verbieten.
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Hoffmann
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« Antwort #13 am: 20. Februar 2013, 12:58:09 »

Weils darüber nichts zu diskutieren gibt.
Mit dem gleichen "Argument" könnte man Alleinerziehung verbieten.
Du hast meinen Eintrag gründlich missverstanden.
Wenn man der Meinung ist, Kinder brauchen nicht Mutter UND Vater, dann kann man Alleinerziehung ohne Kontakt zum anderen Elternteil als vollkommen gleichwertig betrachten. Dann braucht es aber auch keine Gesetzgebung und Rechtssprechung zum Thema Umgang. Wozu wäre die notwendig, wenn es dem Kind doch an nichts fehlt?
Ich bin der Meinung, dass es hier sehr wohl etwas zu diskutieren gibt, denn aus meiner Sicht verlieren Kinder in den meisten Fällen der Alleinerziehung. Sie verlieren einen Elternteil ganz oder teilweise und gewinnen nichts. Und am meisten verlieren sie, wenn sie den nicht betreuenden Elternteil ganz verlieren. Deshalb finde ich es auch sehr bedauerlich, dass in unserem Land Alleinerziehung und Kontaktabbruch durch die Gesetzgebung gefördert wird.
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« Antwort #14 am: 20. Februar 2013, 13:01:42 »

Moin Hoffmann,

Das ist eine überaschende Begründung. Die Umgangspflicht wird im Allgemeinen damit begründet, weil man es für das Kindeswohl (was immer das auch genau ist) förderlich hält, Kontakt mit dem nicht betreuenden Elternteil zu haben. Deshalb überrascht mich deine Begründung, dass der Umgang nur dazu dienen soll, einem umgangswilligen Elternteil zu Umgang zu verhelfen. Genau diese Sichtweise wird von ausgrenzenden Elternteilen gerne angewendet, um zu begründen, dass es dem nicht betreuenden Elternteil doch nur um"seine Rechte" und nicht das Kind gehe.
Meine Begründung überrascht nicht, wenn man mal über den eigenen Tellerrand schaut: Nur einem umgangswilligen Elternteil kann man zum Umgang zu verhelfen; einen umgangsunwilligen kann man jedoch nicht zum Umgang zwingen.

Es ist beileibe nicht so, dass alle (potenziellen) Umgangselternteile wild darauf wären, ihr Umgangsrecht auch wahrzunehmen und am Leben ihrer Kinder teilzuhaben; es gibt genügend, die froh wären oder sind, mit und von ihren Kindern (persönlich und finanziell) nie wieder behelligt zu werden. Das liegt zwar ausserhalb des Erfahrungshorizontes der User eines Forums wie vatersein.de (genauso wie ein Verdurstender in der Wüste sich kaum vorstellen kann, dass es Leute gibt, die überhaupt kein Wasser trinken); ist aber für zahlreiche Kinder durchaus Realität.

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« Antwort #15 am: 20. Februar 2013, 14:38:29 »

Moin Hoffmann,

ich finde Deine Fragestellung "Wozu braucht ein Kind Mutter UND Vater" sehr interessant und halte sie auch praktisch für wichtig, allerdings etwas unglücklich von Dir aufgehängt.

Deine Frage zielt mE weniger auf Ehe oder Familie, sondern darauf, wer sind Mutter und Vater eigentlich?

Dirks Begriff 'Wurzelaspekt' möchte ich aufgreifen.

Ich behaupte: Die Wurzeln eines Kindes liegen primär in der genetischen Anbindung.
Mutter und Vater, die Eltern eines Kindes sind die Menschen, die das Kind gezeugt haben.
Alles andere sind nachrangige Hilfs- ind Ersatzkonstruktionen.


Trifft diese Aussage Dein Anliegen?

W.
« Letzte Änderung: 20. Februar 2013, 14:41:11 von Wildlachs » Gespeichert
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Ein Leben lang!


« Antwort #16 am: 20. Februar 2013, 15:51:51 »

Hallo,

ich denke, dafür gibt es keine pauschal richtige Antwort. Sicher ist für jedes Kind die optimale Situation, dass es in einer glücklichen Familie mit leiblicher Mutter und leiblichem Vater aufwächst. Und das geht nun mal nicht.

Mein Vater gehörte zu dieser Nachkriegsgeneration, der Verbleib seines leiblichen Vaters ist bis heute ungeklärt, letzte Meldung gab es einige Monate vor Kriegsende aus dem Baltikum, danach verliert sich die Spur. Trotz eines Stiefvaters, mit dem er sich obendrein nicht wirklich gut verstand, verlief das Leben meines Vaters aus meiner heutigen Sicht immer unter dem Aspekt der Vaterlosigkeit, haltlos, irgendwie entwurzelt. Viele Ereignisse und Entwicklungen in seinem Leben könnte ein Analytiker mit Sicherheit auf diesen Umstand zurückführen.

Sicher ist hier die Konstellation "ungeklärter Verbleib des leiblichen Elternteils" und "ungeliebter Stiefelternteil" die ungünstigste Konstellation von allen. Sie wäre optimaler gewesen, wenn über den Tod des Vaters gesicherte Erkenntnisse bestanden hätten (Grab, Trauer) und der leibliche Stiefvater eine gute Beziehung zu ihm gehabt hätte, die ihn im Vaterverlust vielleicht begleitet und unterstützt hätte.

Ein Kind braucht männliche und weibliche Bezugspersonen und eine Menge Zuwendung. Die Blutsverwandtschaft oder die Adoptionsurkunde sind dafür ohne Belang; das können auch Verwandte, Freunde, Lehrer, Trainer oder sonstwer leisten.

Das unterschreibe ich. Ich habe selber einen Sohn, der halbseitig entwurzelt ist, allerdings diese Wurzeln "kennt". Er hat aber "Ersatzzuwendungen" anderer männlicher Bezugspersonen, die Aufmerksamkeit und Liebe vermitteln und die in der Hierarchie nun einen viel wichtigeren Platz einnehmen als die eines leiblichen Elternteils, der nicht mehr als genetische Verwandtschaft und einen Eintrag in der Geburtsurkunde ausmacht. Da bleibt dann zwar Wehmut darüber, dass ein "Papa" da ist, der kein Bedürfnis verspürt, sich zu kümmern. Wichtig ist für meinen Sohn die Aufmerksamkeit, die Umarmung, das Bekümmern im Krankheitsfall, die Unternehmungen, einfach "einen Stellenwert" haben. Und dieses Gesamtpaket bekommt er von nicht blutsverwandten männlichen Personen, nämlich Stiefopa und LG von Mama. 

Ob ein Elternteil "entsorgt" wurde oder sich einfach verdrückt hat (ein Umstand, der in einem Forum wie vatersein.de kaum vorstellbar erscheint, aber durchaus häufig vorkommt), macht für das Kind keinen Unterschied: Er/sie ist nicht da. Im Unterschied zu einem Waisenkind wissen die betroffenen Kinder aber irgendwann, dass ein Kontakt möglich wäre, weil der andere Elternteil irgendwo lebt und nicht nur ein Grabstein oder eine Sterbeurkunde ist - und das ist das Verletzende daran, weil es als Ablehnung oder Gleichgültigkeit empfunden wird. Von einem Toten kann man nicht abgelehnt werden; der wurde/wird eher zu jemandem heroisiert, der er im real life möglicherweise gar nie geworden wäre.

Genau so.

Insofern haben Umgangsverfahren zumindest den Sinn, diejenigen, die sich um ihre Kinder kümmern wollen, von denen zu unterscheiden, die das nicht wollen - und ersteren diesen Umgang zu ermöglichen.

Auch richtig.

Ich bin daher davon überzeugt, dass ein Kind, das in einer homosexuellen Beziehung durch eine Stiefkindadoption Kind beider Partner ist, keinen Schaden nimmt, wenn es genau die Aufmerksamkeit und Liebe bekommt, die jedes Kind verdient.

Aus eigener Erfahrung bin ich jedenfalls zu der Erkenntnis gelangt, dass biologische Elternschaft dann ihren Wert verliert, wenn ein Elternteil die Aufgaben, die Elternschaft mit sich bringt, nicht auf sich nehmen will. Dann lieber (einen) Stief- oder Adoptivelternteil(e), die diese Aufgaben FREIWILLIG auf sich nehmen und einem Kind ohne biologische Verknüpfungen bereit sind, auf dem Weg zum Erwachsenwerden zur Seite zu stehen. Besonders auch bei der schwierigen Frage: WARUM will mich mein leiblicher Elternteil nicht?

LG LBM
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‎"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst."
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« Antwort #17 am: 21. Februar 2013, 21:51:38 »

Aus eigener Erfahrung bin ich jedenfalls zu der Erkenntnis gelangt, dass biologische Elternschaft dann ihren Wert verliert, wenn ein Elternteil die Aufgaben, die Elternschaft mit sich bringt, nicht auf sich nehmen will. Dann lieber (einen) Stief- oder Adoptivelternteil(e), die diese Aufgaben FREIWILLIG auf sich nehmen und einem Kind ohne biologische Verknüpfungen bereit sind, auf dem Weg zum Erwachsenwerden zur Seite zu stehen. Besonders auch bei der schwierigen Frage: WARUM will mich mein leiblicher Elternteil nicht?

LG LBM


Hallo LBM, was du hier schreibst, deckt sich mit meiner Erfahrung.

Besonders dein letzter Satz kann für ein Kind bzw. einen Heranwachsenden zu einer schweren seelischen  Hypothek werden. Meine ebenso hilflosen wie gleichbleibenden Antwort an mein verschmähtes Kind waren "Das kann ich dir nicht sagen." (auch wenn ich zu wissen glaube, welche Motive der Abwesende haben könnte), "Da musst du ihn selbst fragen." (auch wenn ich sehe, wie schwierig es für das Kind bzw. die Jugendliche ist, den Abwesenden zu kontaktieren und wie hartnäckig er sich solchen Fragen entzieht) und "Du kannst nichts dafür." (wovon ich zutiefst überzeugt bin).

Verletzt ist das Kind dennoch und es steht weder in meiner Macht als Mutter noch in der Macht des Stiefvaters, die Wunde des ablehnenden, sich verweigernden leiblichen Vaters zu heilen.

Das Recht, seine Wurzeln zu kennen sollte jedes Kind haben.
Das wird von irgendwelchen Adoptionsverfahren i.d.R. auch nicht beeinträchtigt.

Insofern kann ich die larmoyante Polemik des TO nur schwer unter dem Aspekt "Kindeswohl" einordnen - sondern nehme eher eine tiefe Abneigung gegen homosexuelle Paare darin wahr.

Gute N8!  Biggi
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Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden;
es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun.
(J. W. von Goethe)
Hoffmann
Gast
« Antwort #18 am: 23. Februar 2013, 03:10:01 »

Sicher ist für jedes Kind die optimale Situation, dass es in einer glücklichen Familie mit leiblicher Mutter und leiblichem Vater aufwächst.
Aber das ist eben inzwischen offenbar nicht mehr gesellschaftlicher Konsens. Denn wäre es so, dann sollte die Gesellschaft ein Interesse daran haben, dass Kinder möglichst in dieser Konstellation aufwachsen dürfen. Und wenn dies nicht geht, dann sollte die Gesellschaft doch daran interessiert sein, dass Kinder in Familienverhältnissen aufwachsen, die dieser optimalen Situation am nächsten kommen. Das heißt sie sollten wenigstens bei einem leiblichen Elternteil aufwachsen, wenn es nicht bei beiden möglich ist. Und wenn das auch nicht möglich ist, dann sollten sie eben bei (Adoptiv-)Mutter und (Adoptiv-)Vater aufwachsen. Ich kann nicht erkennen weshalb es für Adoptivkinder erstrebenswert sein soll in einer Familienkonstellation aufzuwachsen in der weder ein Elternteil ein leiblicher Elternteil ist noch eine Mutter-Vater Konstellation vorhanden ist an der die Kinder ihre (Geschlechts-)Identität erlernen können.
Die Argumentation warum man dies jetzt gestattet ist ja auch nie eine der Notwendigkeit gewesen, um Adoptivkinder gut unterzubringen, sondern wird immer mit dem Selbstverwirklichungsrecht der beteiligten Erwachsenen begründet.
Das bedaure ich. Hier wird meiner Meinung nach in unzulässiger Weise quasi ein Recht auf ein Kind zelebriert, das sich an den Bedürfnissen der Erwachsenen orientiert und nicht danach, ob das für betroffene Kinder die beste erreichbare Lösung ist.
Das ist in dieser Hinsicht genau dasselbe wie von vornherein geplantes Alleinerziehen:
"Es gibt aber auch durchaus Frauen, die sich ein Kind wünschen und planen, dieses ohne Partner groß zu ziehen." (Alleinerziehend Ausgabe 20, 2012 auf Seite 14, Hrsg. VAMV) Und das wird dann eben durchgezogen, entweder über eine S.amenbank oder durch Betrug eines Mannes.
Das sind in meinen Augen Fehlentwicklungen, die ich bedaure, weil sie sich nicht an den Interessen der betroffenen Kinder orientieren sondern an den gelebten Egoismen der beteiligten Erwachsenen.
Insofern kann ich die larmoyante Polemik des TO nur schwer unter dem Aspekt "Kindeswohl" einordnen - sondern nehme eher eine tiefe Abneigung gegen homosexuelle Paare darin wahr.
Ach weißt du es ist mir vollkommen gleichgültig wie Erwachsene zusammenleben. Meinetwegen können sie auch in Vielehe jeder mit jedem oder sonstwie zusammenleben und dieses Zusammenleben vertraglich regeln. Ich bin nur nicht der Meinung dass dies Lebensformen sind, die besonders geeignet für Kinder sind und deshalb finde ich nicht, dass der Staat solche Lebensformen mit Kindern besonders fördern sollte. Aber wer Familie als einen beliebigen Zusammenschluss von irgendwelchen Erwachsenen mit Kindern unter einem Dach sieht, der darf da natürlich gerne anderer Meinung sein. 

Aus eigener Erfahrung bin ich jedenfalls zu der Erkenntnis gelangt, dass biologische Elternschaft dann ihren Wert verliert, wenn ein Elternteil die Aufgaben, die Elternschaft mit sich bringt, nicht auf sich nehmen will. Dann lieber (einen) Stief- oder Adoptivelternteil(e), die diese Aufgaben FREIWILLIG auf sich nehmen und einem Kind ohne biologische Verknüpfungen bereit sind, auf dem Weg zum Erwachsenwerden zur Seite zu stehen. Besonders auch bei der schwierigen Frage: WARUM will mich mein leiblicher Elternteil nicht?
Die allermeisten biologischen Elternteile übernehmen die Aufgaben der Elternschaft, die ihnen in diesem Gesellschaftssystem zugeteilt werden. Sie zahlen Unterhalt und im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit mitunter sogar sehr viel Unterhalt. Es wäre schön, wenn das zahlen von Unterhalt mal als kümmern anerkannt würde. Dieses Geld, was da nämlich jeden Monat überwiesen wird, fällt bei den meisten nicht vom Himmel sondern muss mit Arbeitszeit erarbeitet werden. Und im Gegensatz zum biologischen Elternteil ist für den Stiefelternteil diese sogenannte "soziale Vaterschaft" eine reine Spaßveranstaltung aus der er jederzeit ohne Verpflichtungen aussteigen kann, wenn er da keine Lust mehr dazu hat oder ihm die Mutter seines "sozialen" Kindes zu sehr auf den Zeiger geht. Insofern kann ich an der Freiwilligkeit des "sozialen" Vaters nichts Positives erkennen. Sie ist lediglich ein Ausdruck der Unverbindlichkeit. Diese "Vaterschaft" ist kündbar. Außerdem ist es nicht Aufgabe des "sozialen" Vaters sich mit der Frage weshalb es keinen Kontakt zum leiblichen Elternteil gibt auseinanderzusetzen. Das ist Aufgabe der Mutter.

Besonders dein letzter Satz kann für ein Kind bzw. einen Heranwachsenden zu einer schweren seelischen  Hypothek werden. Meine ebenso hilflosen wie gleichbleibenden Antwort an mein verschmähtes Kind waren "Das kann ich dir nicht sagen." (auch wenn ich zu wissen glaube, welche Motive der Abwesende haben könnte),
Ich bin fast sicher, du weißt sehr genau, weshalb es keinen Kontakt gibt. Und es ist wenig wahrscheinlich, dass euer Kind etwas dafür kann.

Beste Grüße,
Hoffmann


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« Antwort #19 am: 23. Februar 2013, 10:25:28 »

Ich bin fast sicher, du weißt sehr genau, weshalb es keinen Kontakt gibt.

Meine Wahrnehmung ist: Er WILL einfach nicht. So einfach ist das. Die Entfernung zwischen seiner und unserer Wohnung beträgt 7 km. Er hat sämtliche Kontaktdaten (Anschrift, Telefon, e-Mail, Schule ...) und weiß, dass ihm die Tür offen steht.

Fakt ist: Er kommt nicht durch diese Tür.

Unsere Tochter ist mittlerweise volljährig und hat sich damit arrangiert. Mit 14 ist sie aktiv auf ihren Vater zugegangen. Es hatte ein paar Kontakte gegeben. Das ist aber wieder eingeschlafen.

An dem Punkt endet unsere Macht als Betreuungselternteil. Egal, ob als Vater oder Mutter.
Selbstverständlich kann kein Kind etwas dafür, wenn ein Elternteil oder beide es nicht will bzw. wollen.

Aber das ist eben inzwischen offenbar nicht mehr gesellschaftlicher Konsens. Denn wäre es so, dann sollte die Gesellschaft ein Interesse daran haben, dass Kinder möglichst in dieser Konstellation aufwachsen dürfen. Und wenn dies nicht geht, dann sollte die Gesellschaft doch daran interessiert sein, dass Kinder in Familienverhältnissen aufwachsen, die dieser optimalen Situation am nächsten kommen. Das heißt sie sollten wenigstens bei einem leiblichen Elternteil aufwachsen, wenn es nicht bei beiden möglich ist. Und wenn das auch nicht möglich ist, dann sollten sie eben bei (Adoptiv-)Mutter und (Adoptiv-)Vater aufwachsen.

Und wie soll "die Gesellschaft" deine idyllischen Vorstellungen konkret in die Tat umsetzen? Wer als Mann oder Frau die Verbindlichkeit einer Ehe bzw. eingetragenen Lebenspartnerschaft auf sich nimmt und zusätzlich rechtlich die volle Verantwortung für ein minderjähriges Kind übernehmen will, sollte mpMn nicht daran gehindert werden, weil irgendwelchen Spießern seine/ihre sexuelle Orientierung nicht passt.

Und im Gegensatz zum biologischen Elternteil ist für den Stiefelternteil diese sogenannte "soziale Vaterschaft" eine reine Spaßveranstaltung aus der er jederzeit ohne Verpflichtungen aussteigen kann, wenn er da keine Lust mehr dazu hat oder ihm die Mutter seines "sozialen" Kindes zu sehr auf den Zeiger geht. Insofern kann ich an der Freiwilligkeit des "sozialen" Vaters nichts Positives erkennen. Sie ist lediglich ein Ausdruck der Unverbindlichkeit. Diese "Vaterschaft" ist kündbar.

Hier hast du gerade sehr schön erklärt, weshalb ich dafür bin, dass Kinder mit nur einem (Adoptiv-)Elternteil auch von dessen Partner/in adoptiert werden können. Um genau dieser zufälligen Unverbindlichkeit eine eigene Rechtsbeziehung zwischen Kind und annehmenden Elternteil entgegenzusetzen, die (analog zur leiblichen Elternschaft) nicht von den Unwägbarkeiten des Liebeslebens der Erwachsenen jederzeit unterbrochen werden kann.     

Dass du diese Verbindlichkeit gegenüber dem angenommenen Kind nur für heterosexuelle Erwachsene  befürwortest, nehme ich immer noch als Ausdruck deiner Abneigung gegen Schwule bzw. Lesben wahr.

Schönes Wochenende  Biggi
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« Antwort #20 am: 23. Februar 2013, 10:48:20 »

Also ich finde das eigentlich gar nicht so kompliziert.

Am besten ist es sicher, wenn ein Kind bei seinen leiblichen Eltern aufwächst.

Am unteren Ende steht sicher das Leben auf der Strasse.

Dazwischen gibt es diverse Abstufungen über deren Reihenfolge man unterschiedlicher Ansicht sein kann.
(OK, der VamV stellt sicher auch die obere Position der Liste in Frage aber Fanatiker und Extremisten lasse ich jetzt mal außen vor)

Relativ weit oben sind vermutlich noch, ein leiblicher Elternteil mit einem liebevollen Ersatzelternteil oder Betreuung durch nahe Verwandte, wenn beide Leiblichen nicht zur Verfügung stehen.

Generell finde ich aber, dass die "Ersatzverhältnisse" den natürlichen so weit wie möglich ähneln sollten, um das Kind nicht auch noch mit "exotischen" Verhältnissen zu konfrontieren und dadurch evtl. noch weiter in eine Außenseiterrolle zu bringen.

Dazu gehört aus meiner Sicht auch, das die "Ersatzeltern" möglichst die gleiche Hautfarbe haben sollten wie das Kind und eben möglichst verschiedenen Geschlechtern angehören sollten.

Und das hat absolut nichts damit zu tun, dass ich bestimmte Hautfarben oder sexuelle Neigungen ablehnen würde.

Die Gerichtsentscheidung finde ich jetzt nicht dramatisch, solange das Kind nicht zwangsweise einem leiblichen Elternteil entzogen wird, um es einem Homo-Pärchen zu übergeben.

Es könnte ja durchaus sein, dass ein bestimmtes Homo-Pärchen unter allen zur Verfügung stehenden Alternativen, die beste Option darstellt und das sollte dann auch nicht verboten sein aber wenn ich zu entscheiden hätte und die freie Auswahl zwischen mehreren geeigneten Ersatzeltern hätte, würde ich tendenziell ein Hetero-Paar bevorzugen.

Wenn ich jetzt noch das Vertrauen hätte, dass solche Entscheidungen stets nach obigen Kriterien getroffen werden, wäre eigentlich alles gut.

Leider habe ich dieses Vertrauen heute nicht mehr und befürchte, dass es mittlerweile genug verpfuschte Amtsinhaber gibt, die nur darauf warten, ihr eigenes ideologisches Lebensmodell anderen aufzuerlegen.

Deswegen in Kurzform:

Homo-Adoption zulassen: Ja.
Homo-Eltern als gleichgeeingnete oder gar bessere Option: Nein. Das sollte immer die große Ausnahme bleiben.
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« Antwort #21 am: 23. Februar 2013, 13:09:19 »

Insofern kann ich an der Freiwilligkeit des "sozialen" Vaters nichts Positives erkennen. Sie ist lediglich ein Ausdruck der Unverbindlichkeit. Diese "Vaterschaft" ist kündbar.

Kündbar ist die leibliche Vaterschaft auch. Sie kann nur noch auf Papier bestehen. Und wozu dieses gut ist, wissen wir alle.

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« Antwort #22 am: 23. Februar 2013, 13:42:49 »

Kündbar ist die leibliche Vaterschaft auch. Sie kann nur noch auf Papier bestehen. Und wozu dieses gut ist, wissen wir alle.

LG LBM
Hier liegt mE des Pudels Kern gleich zweifach:

Die mE unzutreffende Annahme

- die biologische Vaterschaft sei kündbar
- die Kündbarkeit, wenn es sie denn gäbe, beziehe sich nicht auch auf Mütter

W.
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« Antwort #23 am: 23. Februar 2013, 13:55:47 »

Wenn ein Vater meint, nicht mehr Vater sein zu wollen, dann kannst Du ihn mit nichts zwingen. Er hat diese Vaterschaft einfach "gekündigt", ohne dass man/frau/kind irgendwas dagegen tun kann.

Beweis mir das Gegenteil.

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« Antwort #24 am: 23. Februar 2013, 13:59:26 »

Wenn ein Zahlvater kündigt macht er sich strafbar und wird vom Staat mit aller Gewalt verfolgt.

Wenn eine Mutter kündigen will, gibt sie das Kind einfach ab.

Zum Vater, zur Adoption oder einfach in der Babyklappe.

Das ist weder theoretisch noch praktisch strafbar.
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