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Autor Thema: Neue Freundin und Kleinkind unter einen Hut bringen - vollkommen überfordert?  (Gelesen 3746 mal)
Becki30
Frischling

Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 3


« am: 27. Oktober 2011, 21:34:50 »

Hallo zusammen,

auch ich bin eine Zweitfrau... Und ich weiß nicht weiter! Vielleicht fasse ich meine Geschichte "kurz" zusammen!

Ich habe meinen Freund Ende letzten Jahres kennengelernt. Er war verheiratet, eine Tochter, knapp ein Jahr alt. Wir hatten Anfangs eine Art Freundschaft, ich konnte mich über meinen Job auskotzen, er sich über seine Beziehung oder wie er es nannte "das was davon übrig war". Es war eine Wellenlänge, als ob wir uns schon ewig kennen. Anfang des Jahres hat er sich nun getrennt, ist zu seiner Mutter gezogen und irgendwie hat's direkt danach so richtig zwischen uns gefunkt. Er sagte, dass ich zwar nicht der Grund für die Trennung war, aber schon eine Art Auslöser... Er wäre bis dahin bei seiner Frau geblieben wegen seinem Kind. Kein löbliches Verhalten, aber irgendwie vielleicht nachvollziehbar!?

Wir haben es dann langsam angehen lassen und auch erstmal für uns behalten, macht ja sonst auch einen ziemlich unglücklichen Eindruck. Und er hatte Angst, dass seine Frau ihm das Kind entzieht. Er sieht sie momentan 2-3 mal pro Woche für ein paar Stunden und er wollte das nicht auf's Spiel setzen. Ich auch nicht, er liebt den Zwerg abgöttisch, also war es ok für mich, dass wir es nicht an die große Glocke gehangen haben.

Aber ich wollte irgendwann mehr, immerhin liebe ich den Mann ja. Ich wollte dass er sich eine Wohnung sucht, damit das "heimliche Besuchen" aufhören kann, und ich wollte eben auch viel Zeit mit ihm verbringen. Seine Mutter wollte ihn hingegen mit allen Mitteln dazu bewegen, zu seiner Frau und seinem Kind zurückzugehen. Hat ihm erzählt, ein getrennter Vater sei ein schlechter Vater usw.! Ich hab versucht, in die andere Richtung zu rudern, hab geklammert, aus Angst, er lässt sich von seiner Mutter einlullen. War zickig, launisch, eifersüchtig, wenn ich das Gefühl hatte, er distanziert sich! Doof, ja...
Kurzum: Gezerre von ihr, Gezerre von mir, eben Druck von allen Seiten.  c

Vor einigen Wochen kam er urplötzlich jeden Tag her, hat hier geschlafen. Für mich alles super, ich hatte ihn ja gerne bei mir und ich betrachtete es als eine Art Fortschritt. 

Dann - vor zwei Wochen - der plötzliche Einbruch! Er sagte, er braucht ein bisschen Zeit. Er würde seine Tochter so sehr vermissen, er kann an nichts anderes mehr denken. Meinte, er könnte seine Probleme gut verstecken, aber innerlich geht er gerade kaputt. Wir trafen uns ein paar Tage später und er sagte mir nochmal, dass er sich im Moment nicht mehr zu helfen weiß, sich alles nur noch um das Kind dreht. Dass die Kleine anfängt zu sprechen, jetzt Papa zu ihm sagt und weint, wenn er sie bei seiner Mutter wieder abgibt und er darunter leidet wie Sau! Ansonsten wäre in seinem Kopf nur noch Leere. Er sagte mir, er weiß nicht wie es weitergeht, ob er mich noch liebt, gar nichts, nur Leere...

Für mich war das der totale Schock, kam alles so plötzlich! Ich verstand die Welt nicht mehr. Dachte, ICH bin doch diejenige, die für ihn da sein muss, wenn er Probleme hat! Stattdessen will er eine Weile Abstand??? 

Ich versuche nun, ihm ein bisschen Zeit zu geben. Er meldet sich hin und wieder, dann schreibt er mir, was er so macht und wie es ihm geht. Von seiner Tochter, seinem Sport. Ohne Liebesbekundungen, nur "Smalltalk". Aber dann ist es auch immer locker, wir albern ein bisschen rum, aber Probleme und wie es weitergeht, das klammert er komplett aus.

Nun zu dem Grund, wieso ich das hier alles schreibe... Ich bin wirklich inzwischen vollkommen ratlos. Ich weiß dass es ihm schlecht geht, weil er seine Tochter nicht mehr um sich hat. Ich weiß dass er viel weint, die Trennung vom Kind unterschätzt hat. Und dass es für ihn viel zu viel war die letzten Monate, das ganze Gezerre und Gerede.
Ich wäre nur gerade jetzt gerne für ihn da, mach mir Sorgen, nur er blockt mich völlig ab! Ich will ihn nicht verlieren, aber zu hören, dass er nicht weiß ob er mich liebt, ist ein Schlag ins Gesicht. Kann sowas passieren? Ich kann es nicht nachvollziehen, ich habe keine Kinder, ich weiß nicht wie es ist, sein Kind zu "verlieren"...
Und ich weiß beim besten Willen nicht wie ich mich verhalten soll. Macht sein Verhalten überhaupt Sinn? Soll ich ihm Zeit geben, sich mit der neuen Situation zurecht zu finden? Hoffen dass er sich seiner Gefühle wieder klar wird? Immerhin sagte er mir eine paar Tage vor der Auszeit noch, dass er mich liebt...

Ich hoffe wirklich, hier finde ich einen Papa, der annähernd verstehen kann wie er sich fühlt? Eine "Zweitfrau, die sowas schon hinter sich hat? Eben jemand der mir sagen, was ich von all dem halten soll!
Ich weiß es nicht mehr, alles prasselt auf mich ein, die einen sagen "Gib ihm Zeit, er hatte bisher keine Zeit sich zu sortieren und jetzt bricht alles über ihn ein, was er die letzten Monate in sich reingefressen hat". Die anderen sagen "Wenn er Zeit braucht, dann ist es ihm nicht ernst".
Aber die Situation ist eben eine besondere... Naja, und für mich eben eine beschissene (sorry!)...

schild_dankeschoen
« Letzte Änderung: 27. Oktober 2011, 21:44:23 von Becki30 » Gespeichert
Federwolke
Zeigt sich öfters
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Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 76


« Antwort #1 am: 27. Oktober 2011, 22:43:05 »

Liebe Becki,

ganz ehrlich, am liebsten würde ich Dich jetzt mal ganz fest drücken.
Aber erstmal kurz zu mir: mir kommt Deine Geschichte sehr bekannt vor. Wenn auch nicht alle Einzelheiten übereinstimmen, so habe ich doch teilweise ähnliches erlebt. Auch ich führte mit meinem jetzigen Partner anfangs eine rein platonische Freundschaft und kam nach der Trennung von seiner Frau mit ihm zusammen.

Diese "heimlichen" Treffen kenne ich, da auch die Familie meines Freundes anfangs natürlich nicht von der Trennung begeistert war, zumal gemeinsame, kleine Kinder im Spiel waren. Zudem wurde mir unterstellt der allereinzige Grund für das Scheitern der Ehe zu sein, weswegen der Druck auf meinen Freund stark wuchs. Nach seinem Auszug vermisste er natürlich seine Kinder schrecklich, zumal diese nun auch nicht mehr in nächster Nähe wohnten.

Bei meinem Freund allerdings kam die Erkenntnis, was er verloren hat, erst etwas später als bei Deinem Freund. Wir führten ein Jahr lang eine wunderbare (und irgendwie auch heimliche) Beziehung, wenngleich auch immer mit einer gewissen Angst, da mein Freund ebenso die Befürchtung hatte, dass er seine Kinder nicht mehr sehen dürfe.
Bei ihm kam dann aber - wie gesagt - nach ungefähr einem Jahr der totale Zusammenbruch. Ich will Dir wirklich keine Angst machen, aber realistisch sein. Es war für mich persönlich eine der schlimmsten Zeiten, die ich durchgemacht haben, ständig zwischen Hoffnung und Angst ihn zu verlieren.
Ich wusste, dass er mich liebte, aber ich wusste auch, dass in seinem Herz eine unendlich große Vaterliebe nach zwei kleinen Wesen weinte und sich nach ihnen sehnte und sie nicht nur "immer mal" sehen wollte, sondern immer, immer, immer. Jeden Abend, jeden Tag, jedes Wochenende, jede Stunde.

Den größten Fehler, liebe Becki, den ich damals gemacht habe, war zu klammern. Ich habe geklammert und ihn deswegen immer mehr von mir
weggetrieben. Ich hatte ein wunderwunderschönes Jahr mit ihm gehabt - und das sollte plötzlich vorbei sein?
Deswegen rate ich Dir wirklich eines, so weh das auch tut: Lass ihm alle Zeit, die er braucht!
Es stimmt, er hatte KEINE Gelegenheit alles zu verarbeiten, alles neu zu ordnen, wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Er braucht die Zeit für sich, wirklich. Und man kann Menschen mit seiner Liebe erdrücken und vieles kaputt machen. Das musste ich damals auch erst lernen. Man hört ja immer so ... mit Liebe wird alles gut. Nein.
In diesem Fall ist es nicht so. Niemand hakt mal so nebenher sein "altes" Leben ab und beginnt ein völlig neues.

Ich habe selbst auch noch keine Kinder, aber ich erahne, was es heißt ein kleines Kind zu lieben. Ich habe eine Schwester, die viele, viele Jahre jünger ist als ich. Ich habe sie damals gewickelt und gefüttert, ich habe mit ihr gespielt, sie nach ihren allerersten eigenen Schritten aufgefangen und ihr die Welt erklärt. Und ich fühle zu ihr eine Liebe, die weit über die Liebe normaler Geschwister hinaus geht, auch sie, mittlerweile schon ein Teenie, liebt mich abgöttisch. In allen schwierigen Zeiten, die ich bisher hatte, wenn ich wirklich nicht wusste, wie es weitergehen soll, war sie es, an die ich dachte und sie war es, weswegen ich immer dachte: es muss weitergehen, die Maus braucht Dich.
Und ich glaube, dass dieses Gefühl noch immer nicht das ist, was Eltern für ihre Kinder empfinden..

Um kurz meine Geschichte fertig zu erzählen, Becki.
Nachdem auch ich an den Punkt gekommen war zu erkennen, dass ich nicht ewig klammern kann und auch nicht beeinflussen kann, ob er zu seiner Frau zurück geht, wurde irgendwann ... ja, alles gut. Ich gab ihm viel Zeit zum Nachdenken und die nahm er sich auch. Letztlich entschied er sich für mich. UND seine Kinder. Denn wir gingen in die Offensive, zeigten uns öffentlich, sagten jedem, dass wir ein Paar sind und glücklich. Und dass er die Kinder regelmäßig haben möchte - und ich auch dabei sein sollte.
Aber es war ein sehr, sehr langer Prozess, bis er so weit war.

Becki, ich weiß, dass letzteres für Dich böse klingt, da Du ja noch nicht weißt, wie es für Dich ausgeht. Aber ich finde es gut, dass er JETZT diese Krise durchlebt und sich mit seinen Gefühlen auseinandersetzt. Besser, als wenn er alles verdrängen würde (wie es mein Freund vermutlich tat) und nach ein paar Monaten Beziehung mit Dir sagen würde - ups, war wohl doch nicht das richtige. Ich empfinde das als sehr fair von ihm. Er spielt kein doppeltes Spiel. Und er ist ehrlich Dir gegenüber was seine Gefühle anbelangt.
Lass ihm die Chance ehrlich bleiben zu dürfen!
Und gib ihm die Zeit, die er braucht.

Und noch was.
Glaub mir, ich sag das nicht leichtfertig, aber rechne auch damit, dass er zu Dir etwas sagen wird, was Du nicht hören möchtest. Auch ich rechnete damals felsenfest damit, dass wir keine Chance mehr haben würden.
Ich hatte sehr, sehr großes Glück.

Und ich wünsche es Dir auch!
Bleib tapfer und meld Dich hier, wenn Du ein paar Gedanken loswerden willst.
Ich erkenne mich sehr in Dir wieder......
Gespeichert
oldie
(Fast) Eigentumsrecht
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Geschlecht: Männlich
Beiträge: 6.779


Bonnie 2


« Antwort #2 am: 28. Oktober 2011, 00:08:13 »

Hi Becki
Herzlich Willkomen


Ich schreibe Dir mal aus einer Positon eines mal selbst Betroffenen. Die Angst, das eigene Kind zu verlieren, macht einen Vater genauso verrückt wie eine Mutter. Bleibt allerdings festzustellen, ob diese Angst begründet ist. DAS ist der schwierigste Teil am Anfang. M.E. hat Dein Freund mehrere und für ihn weitestgehend gleichermaßen bedeutende Probleme, die er Dir wahrscheinlich (noch) gar nicht verständlich machen konnte/kann. Sei es aus fehlender Erfahrung, noch nicht bewältigter Verarbeitung, noch nicht erfolgten Nachdenken, noch nicht erfolgter Planung. Und meine Worte Dir nicht gefallen. Versuche dennoch Gefallen daran zu finden.

Zuerst glaube ich nicht, dass er die Trennung bereits verarbeitet hat. Wie ist da Dein Wissensstand? Hast Du überhaupt wirklich Einblick? Falls ja, wieso glaubst Du, dass Du ihn hast? Ja - ist 'ne Provokation.

Davon abhängig gestaltet sich der Kontakt und die Bindung zum Kind, abhängig von seiner Persönlichkeit. Du bist da vordergründig nicht relevant - weder positiv noch negativ betrachtet. Kannst Du dem folgen? Gestattest Du, Dich auf den zweiten oder gar dritten Platz verweisen zu wissen? Selbstberständlich nicht immer, aber unvorbereitet und zu unpassendem Zeitpunkt.

Wieso glaubst Du an eure Beziehung? Gehst Du hier von Dir , von ihm, oder von euch aus? Woran machst Du das fest? Bist Du Dir sicher, kein Hafen bei stürmischer See zu sein?

Wenn Dein Freund halbwegs so tickt wie ich - lass die Leine lang, er kommt dann zurück. Weil er es will. Ansonsten musst Du Dir eventuell gefallen lassen, für ihn lediglich eine Zuflucht darzustellen. Diese Bewertung kann bei ihm später eintreten - nämlich dann, wenn er sich unter Druck gesetzt fühlt. Da kann schon leichter Druck ausschlaggebend sein. Sein absolut freiwilliger Wille ist ausschlaggebend. Das heisst nicht, ihn von nun an zu meiden. Keinesfalls. Du kennst ihn, versetze Dich in ihn, so wie Du ihn kennen gelernt hast. Und danach handel.

Konntest Du mir folgen?

Gruss oldie
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Wenige sind das, was sie vorgeben zu sein.
Und wenn ich es mir recht überlege - niemand.
Rachels Vater
Rege dabei
***
Beiträge: 224


« Antwort #3 am: 28. Oktober 2011, 10:32:36 »

Hallo,
auch von mir der Rat:
Lass ihm den Raum. Den braucht er jetzt.
Weil er ein Mann ist. Er kann seine Probleme nicht verbal so artikulieren. Und vermutlich kann er sie nicht mal klar erkennen.
Er braucht wirklich Zeit, sich in seiner Rolle als "verlorener" Vater, als nicht mehr verheirateter Mann (aber trotzdem gebunden) zu erkennen.

Wenn Du es richtig machen willst: Sei für ihn da. Wenn er danach fragt! Wenn er eine Schulter zum Anlehnen braucht, wenn er reden will. Wenn er Dich um Rat fragt, gib ihm den. Aber bemutter ihn nicht. Dränge ihn bloß nicht zu irgendwas. Wenn er mal wieder down ist, kannst Du mal vorschlagen "Laß uns ins Kino gehen". Oder "komm, ich lade dich jetzt aufn Bier ein". Aber dränge ihn zu keinen Zärtlichkeiten, zu keinem S*x, kein Kuscheln, kein bei Dir schlafen usw.

Er wird wiederkommen.

Das klingt hart?
Ja.

Du willst auch als Frau anerkannt werden? Verstehe ich. Aber er ist im MOment kein Mann. Er ist ein Mensch.
Mann kann er erst wieder werden, wenn seine Fronten, seine Feinde, seine Freund wieder deutlich sind.
Im Moment stochert er nur im Nebel.

Ich schreibe, wie ich in solcher Situation (und ich war in einer solchen) reagiert hätte.
Wird er von Dir zu sehr bedrängt, dann haut er ab. Ganz.

Sein Kind zu "verlieren" ist bombenhart. Auch für einen Vater.

Alles Gute!

RV
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Becki30
Frischling

Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 3


« Antwort #4 am: 28. Oktober 2011, 22:14:55 »

Hallo ihr Lieben,

vielen vielen Dank für die Antworten!!

Liebe Federwolke,
ich freu mich wirklich soo sehr, dass mir jemand berichtet, der meine Situation nachvollziehen kann.
Ich weiß, zumindest theoretisch, wie mein Freund sich fühlt. Nachdem er sich getrennt hat, kam er her, nahm mich in den Arm... und fing an zu weinen. Wegen seiner Tochter. Er hatte Angst, dass er sie nicht mehr sehen kann. Ich habe damals alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ihm Rückhalt zu geben. War beim Anwalt, habe mich beim Jugendamt schlau gemacht. Und er hat mein Engagement auch dankbar angenommen. Nur ändern konnte ich nicht viel. Wie auch?
Unsere "heile Welt" dauerte jetzt acht Monate. Ich hab mich oft gefragt, ob er tatsächlich so gut mit der Situation umgehen kann, wie er vorgibt. Schliesslich hat sich sogar seine Mutter gegen ihn gewendet, ist mit seiner Frau in den Urlaub gefahren, hat ihm ständig Druck gemacht. Er sagte immer, es ist ihm egal, aber kann es einem egal sein, wenn die eigene Mutter nicht hinter einem steht???
Heute sagt er, er vermisst seine Tochter, jede Minute, jede Sekunde, wenn er sie nicht bei sich hat. Und geht daran kaputt. Vielleicht weil er es solange verdrängt hat. Vielleicht weil sie jetzt anfängt zu sprechen und er merkt wie schnell sie wächst und sich verändert und Angst hat, zu viel von ihr zu verpassen, ich weiß es nicht... Ich sagte ihm, er soll sich überlegen, ob er zu seiner Frau zurückgehen möchte. Und das waren keine leeren Worte, ich hätte es verstanden und das einzige was ich in dem Moment wollte war dass er glücklich ist. Aber er will nicht, sagte, das würde genauso wenig Sinn machen, er liebt sie nunmal nicht mehr!

Was ich von dir gerne wissen würde: Wie hat dein Freund sich verhalten in der Zeit der Krise? Dass mein Freund Zeit braucht, ist für mich ok!! Ich möchte nur nicht, dass wir uns "auseinanderleben". Also dass es nie ein richtiges Ende findet (wenn es so kommen sollte), sondern der Kontakt einfach abstirbt... Ich weiß ja nicht, wie lange es dauern kann bis ein Vater sich mit einer solchen sch*** Situation arrangiert (so doof es auch klingt)?


Lieber Oldie,
mein Wissensstand ist dürftig, schliesslich kann ich nicht in ihn reingucken. Ich kann nur dem vertrauen, was er mir sagt.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass er mit seiner Ehe weitestgehend abgeschlossen hat. Er liebt sie nicht mehr und das glaube ich ihm. Ich glaube ihm auch, dass er Gefühle für mich hat. Das hat er mir gesagt und auch gezeigt. Er war immer derjenige, der an ein "Wir" geglaubt hat. Hätte er nur einen Hafen bei stürmischer See gesucht, hätte er es einfacher haben können. Deutlich einfacher. Ich habe ihm das Leben nicht immer einfacher gemacht mit all meinen Zickereien und Eifersüchteleien.
Und, wie gesagt, ich war in seinen Augen nicht der Grund für die Trennung. Aber vielleicht der Grund, warum er sich genau zu diesem Zeitpunkt getrennt hat und nicht erst viel später. In meinen Augen hat er ziemlich viel "für mich" aufgegeben und viel riskiert.

In einem muss ich dir leider zustimmen. Er hat sich nie wirklich Gedanken darüber gemacht, wie es nun weitergeht. Er hatte keinen Plan. Er hatte keine Erfahrung. Er hat aus dem Bauch heraus gehandelt...

Dass ich immer die zweite Geige spielen werde, ist mir dennoch bewusst. Aber wenn ich sehe, wie sehr er aufblüht in Gegenwart seiner Tochter und was für ein toller Papa er ist, fällt mir das nicht schwer. Ich mag seine Tochter sehr, auch wenn ich sie nicht sehr oft gesehen habe. Und sie scheint mich auch zu mögen! Sie ist die einzige, mit der ich den Mann sehr gerne teilen würde!


Lieber RV,
du hast recht, er kann sich nicht artikulieren, das hat er mir auch oft gesagt. Probleme frisst er am liebsten in sich rein, er sagte er kennt es nicht anders. Eine Schulter zum Anlehnen will er momentan nicht, nur seine Ruhe. Und er versucht sich abzulenken. Mit Freunden, die von dem allen nichts wissen und mit denen er nicht darüber sprechen muss. Wir sehen uns ja derzeit auch kaum bzw. gar nicht. Wir schreiben uns manchmal. Je nachdem wie ER möchte. 
Er hat diese Tage das allererste mal zugegeben, dass es ihm richtig besch*** geht mit der Situation. Dass er daran zweifelt, ein guter Vater zu sein. Ich habe versucht, ihm Mut zu machen und ich glaube es tat ihm gut das zu hören. Aber zu mehr ist er im Moment nicht bereit...

Danke nochmal!!!!

Gespeichert
Federwolke
Zeigt sich öfters
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Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 76


« Antwort #5 am: 29. Oktober 2011, 00:06:07 »

Hallo Becki, guten Abend.

Was ich von dir gerne wissen würde: Wie hat dein Freund sich verhalten in der Zeit der Krise? Dass mein Freund Zeit braucht, ist für mich ok!! Ich möchte nur nicht, dass wir uns "auseinanderleben". Also dass es nie ein richtiges Ende findet (wenn es so kommen sollte), sondern der Kontakt einfach abstirbt... Ich weiß ja nicht, wie lange es dauern kann bis ein Vater sich mit einer solchen sch*** Situation arrangiert (so doof es auch klingt).

Wenn ich in jeder Einzelheit schreiben würde, wie er sich damals verhalten hat, würde ich Dir - vermutlich - unendlich große Angst machen.
Wie ich ja bereits angedeutet hatte, war diese Phase eine sehr, sehr schwierige - auch in meinem eigenen Leben.
In ihm fuhr jeder einzelne Gedanke Karussell, glaube ich, er wusste weder aus noch ein und hat auch mir viele Male sehr weh getan, mich zurückgestoßen, hat mich bewusst verletzt, damit ich (so meine bis heute geheime Theorie) freiwillig gehe und er von einer Seite weniger Druck hatte.  Er rutschte damals in eine schreckliche Depression, hatte Tage, an denen er sehr klar sah und Tage, an denen er am liebsten von der nächstbesten Brücke gesprungen wäre.
Er mied wochenlang jeglichen Kontakt, um mir dann aus heiterem Himmel wieder unendlich lange Mails zu schicken, in denen er seine Gefühle versuchte einzuordnen.

Aber weißt Du, was er mir später, nachdem alles überstanden war, sagte?
Obwohl er wusste, dass er mir sehr, sehr weh tat, war er unendlich dankbar dafür, dass ich sein Fels in der Brandung blieb - aber eben auch klar Postion bezog, wenn er zu weit gegangen war und offen sagte: bis hierhin und nicht weiter!
Ich war für ihn da, wenn er mich brauchte, aber gab mich nicht selbst völlig auf.
Ich bitte deswegen auch Dich darum auf Dich aufzupassen und Dich nicht selbst zu vergessen oder gar zu vernachlässigen, nur um für ihn da zu sein. Deswegen auch keine Märtyrerszenarien durchspielen, auch wenn man dazu neigt in dieser Situation.
Du musst für Dich selbst einen Punkt festlegen, bis zu welchem Du gehen willst - und ab wann für Dich Schluss ist. Ich weiß, das ist leicht gesagt, aber wenn ich aus dieser Zeit etwas gelernt habe, dann das. Trotz aller Liebe zu ihm bist Du, Du, Du wichtig.

Wie schwierig es für Dich ist mit der Situation klar zu kommen und Du das Bedürfnis hast nicht nur passiver Zuschauer zu sein, merkt man ein wenig auch daran, dass Du anfängst Dich mit Anwälten, Jugendamt etc. zu unterhalten. Eigentlich - trotz aller Not! - ist das die Aufgabe Deines Freundes und nicht Deine. So sehr Du auch den Wunsch hast Ordnung in das Chaos zu bringen ... ich weiß nicht, ob DAS der richtige Weg ist.
Ich hab aber auch ähnliches gemacht... Ich hab damals den Psychologen meines Freundes angerufen, weil ich so sauer darüber war, dass dieser meinem Freund scheinbar dauernd einredete, dass er zu seiner Frau zurückzugehen hätte, unter allen Umständen. Ich war damals so verzweifelt, dass ich diesen Mann anrief und ihn bat damit aufzuhören! Eigentlich völlig verrückt, denn dieser Denkanstoß war für meinen Freund wohl doch nötig und wichtig. Denn letztlich führte es dazu, dass er damit zu der Erkenntnis kam, dass er das gar nicht will. Zurückgehen..

Ich und wir alle hier können keine Prognose abgeben, wie lange es dauern wird, bis er alles verarbeitet hat.
Leider, so gern ich es auch würde. Und ob er sich je damit "arrangiert" hängt von vielen Faktoren ab.
Abgesehen von den Treffen mit seiner Tochter, weißt Du denn, wie das Verhältnis zwischen Deinem Freund und seiner Noch-Frau ist?

Allerliebste nächtliche Grüße,
Federwolke




Gespeichert
Becki30
Frischling

Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 3


« Antwort #6 am: 29. Oktober 2011, 01:54:30 »

Hallo Federwolke,

nochmal vielen Dank als allererstes!

Schwierig ist für mich dieses ganze Wirrwarr, was du auch in irgendeiner Form beschreibst. Vor kurzem war noch alles "perfekt", zumindest war für mich klar, er liebt mich, ich liebe ihn. Punkt. Und dann aus heiterem Himmel distanziert er sich, braucht Zeit. Ein Schlag vor den Kopf. Ich habe ihm gesagt, er soll bitte bitte mit mir reden, denn ich verstand die Welt nicht mehr. Er sagte nur, er weiß nicht mehr wo ihm der Kopf steht, dass er hofft ich verstehe ihn wenigstens ein bisschen und ich soll mir keine Sorgen machen. Dann, drei Tage später, das Treffen bei mir, wo er mir sagte, er weiß nicht mehr, ob er mich liebt, fühlt nur noch innere Leere. Ich hab Rotz und Wasser geheult und er nahm mich nur in den Arm und streichelte meinen Kopf, völlig apathisch. So hatte ich ihn noch nie gesehen.
Zwei Tage später schrieb ich ihm noch eine Mail, weil ich einige Sachen noch loswerden wollte, z.B. dass ich bereit bin ihm Zeit zu geben, dass ich mir bewusst bin wieviel ich durch meine Zicken kaputt gemacht habe, aber dass ich ihn nicht aufgeben möchte.

Dann knapp eine Woche Funkstille. Und plötzlich abends eine Nachricht von ihm. Wir haben über eine Stunde geschrieben, über seine Tochter und was er mit ihr unternommen hat, seinen Sport, sein Auto, die Arbeit. Unverfänglich, "stinknormal", wie Freunde...
Am nächsten Abend schrieb er wieder, auch wieder smalltalk, keine Gefühlsbekundungen, nichts, ein bisschen rumalbern höchstens.
Danach wieder ein paar Tage überhaupt nichts.

Montag sprach er mit einer Arbeitskollegin (und meiner Freundin). Sagte dass es ihm ein wenig besser geht. Dass er weniger weint, sich besser ablenken kann wenn die Tochter nicht da ist. Dass er die Gedanken hatte, mit seiner Tochter abzuhauen, aber dass diese wieder weg sind. Und dass er mich irgendwie vermisst, mich aber momentan noch nicht wiedersehen möchte. Sie sollte mir aber schöne Grüße ausrichten. Für mich machte das alles keinen Sinn. Vermissen, aber nicht sehen wollen???
Ich schrieb ihm dann abends eine SMS, habe mich bedankt für die Grüße und sagte, es hat mit gefreut und dass ich hoffe dass es ihm gut geht. Er soll die Ohren steif halten.

Dienstag schrieb er wieder. Sagte mir, dass es ihm mal gut und mal schlecht geht, aber dass er sich einfach an die sch*** Situation gewöhnen muss und das für ihn gar nicht so leicht ist. Er sagte, er zweifelt alles an momentan und inzwischen zweifelt er sogar daran dass er ein guter Vater sei. Ich sagte, klar bist du das und du weißt das und ich denke, er fand es gut das zu hören. Danach wieder ein bisschen dies und das.
Zum Abschied fragte ich "bis bald !?" und er antwortete "!!! ;-)" Für mich vielversprechend, anscheinend will er sich ja wieder melden...
Aber... seitdem nichts mehr! Und ich frage mich, wie ich so ein Hin und Her deuten soll!

Die Beziehung zu seiner Frau? Die ist schwierig. Er hatte mir schon recht früh erzählt, dass die Beziehung eigentlich tot ist, sie nur noch streiten (wenn überhaupt), man aber wegen des Kindes noch unter einem Dach lebt. Als er sich dann trennte, eskalierte alles. Die beiden haben damals zusammen ein Haus gekauft, das wollte er nun aufgeben. Sie sagte, wenn sie ausziehen soll, nimmt sie die Kleine mit und dann kriegt er sie nicht mehr zu Gesicht.
Kurz darauf fing die Schlammschlacht über das Internet an. Sie postete täglich böse Dinge über ihn, dann wieder bettelte sie öffentlich, dass er zurückkommt. Er hat sich dann abgeschottet, wollte nicht mehr mit ihr reden. Der einzige Kontakt fand statt, wenn er sein Kind abgeholt hat. Ich hab ihm immer wieder gesagt, er muss das klären, so doof die Situation ist. Es sind finanzielle Dinge, es ist die Tochter usw. Sie muss ja auch wissen wie es weitergeht.
Bis heute sieht es so aus, dass sie sich nur über den Umgang mit dem Kind unterhalten haben (2 mal pro Woche plus jedes 2te Wochenende). Sie wohnt noch immer im Haus, er bei seiner Mutter. Viel geklärt hat er nicht. Er hat Angst, dass er sein Kind noch weniger sieht, wenn er weitere Schritte unternimmt und fügt sich...

Was den Anwalt und das Jugendamt angeht, da wollte ich ihn nur unterstützen. Wir haben vorher darüber gesprochen, ich habe es ihm angeboten, er hat es angenommen. Er sagte mir damals, er fühlt sich hilflos, hat noch nie wirklich auf eigenen Füßen gestanden (er ist 31) und er bräuchte eben hin und wieder einen Tritt in den Allerwertesten.

So, das waren wieder einmal viele Worte...
Würde mich sehr freuen, bald wieder was zu lesen  schild_gutenacht
Gespeichert
die Maja
Frischling

Beiträge: 5


« Antwort #7 am: 01. November 2011, 18:49:30 »

Hallo Becki,

habe gerade deine Geschichte gelesen und finde mich einfach in dir wieder!!!! Ich habe momentan ein ähnliches Schicksal, auch wenn es bei mir vielleicht nicht so eskaliert ist wie bei dir...

Aber es ist irgendwie gut zu wissen, dass ich nicht allein bin. Habe hier schon so einige Geschichten gelesen und anscheinend sind unsere beiden Männer auch nicht die einzigen, die die Situation mit Kind und Trennung nicht verkraften können. Ich

Dass er dir sagt, er weiß nicht ob er dich liebt, würde ich mir vielleicht nicht so zu Herzen nehmen. Mein Freund sagte mir anfangs auch, dass er nicht weiß ob er das mit der Beziehung so kann. Bei Gott, ich hätte ihm nie vorgeschlagen für sein Kind zurück zu gehen. Dann knallt's in der Beziehung wieder und die zweite Trennung ist zehnmal so schwer wie die erste, vor allem weil du der KM dann SCHON WIEDER vor den Kopf haust. Das bringt doch nichts! Zum zweiten, Kinder merken doch, wenn die Eltern sich nicht mehr lieben. Und Eltern sind halt ein Vorbild. Also besser getrennte Eltern als solche die sich den halben Tag die Köpfe einschlagen!!!

Das dein Freund mit einer Arbeitskollegin spricht, ist doch toll! So kriegst du wenigstens hin und wieder was mit. Ich habe leider keine wirklichen gemeinsamen Freunde, weil wir ja mit unserer Beziehung bisher nicht offensiv an die Öffentlichkeit gegangen sind und ich kenne seine Freunde kaum... Ich kann immer nur warten!

Federwolke, deinen Beitrag habe ich auch verschlungen!! Klar macht einem das Angst! Aber irgendwie auch Hoffnung, das richtige zu tun indem man nicht aufgibt. Einfach kann ja jeder! ;-)
Wie lange hat es denn bei dir gedauert, bis er wieder "er selber" war und sich mit der Situation zurecht gefunden hat??? Danke!
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