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Themen => Unterhaltsrecht => Thema gestartet von: Schildkroete am 19. November 2018, 14:25:11



Titel: Konkrete Unterhaltsberechnung
Beitrag von: Schildkroete am 19. November 2018, 14:25:11
Hallo,
ich würde gerne mal meine Unterhaltsberechnung anhand von (natürlich rein fiktiven) Zahlen durchspielen. Ich wäre froh, wenn die Unterhaltsexperten mal drüber schauen könnten, ob ein Fehler in der Berechnung vorliegt.  

Beispiel KEIN WECHSELMODELL, Kinder leben >50% bei Mutter

4.100 € Nettogehalt Mann (inkl. aufs Jahr verteilter Bonus und Steuerrückerstattung; nach Wechsel auf St.Kl. 1)
-150 € berufsbedingte Aufwendungen (Pauschale, konkrete Nachweise erforderlich?)
-100 € Hortkosten älterer Sohn
-160 € Riester
---------
3.690 € bereinigtes Nettogehalt

-382 € KU Kind 1, 8 Jahre (Stufe 5 479€ abzgl. 97€ hälftiges Kindergeld)
-321 € KU Kind 2, 3 Jahre (Stufe 5 418€ abzgl. 97€ hälftiges Kindergeld)
----------
2.987 €bereinigtes Nettogehalt Mann für Berechnung Trennungsunterhalt

700 € Nettoeinkommen Frau
-50 € berufsbedinge Aufwendungen (Fahrtkosten zur Arbeit)
-----------
650 €bereinigtes Nettogehalt Frau für Berechnung Trennungsunterhalt

2.337 € Differenz der Nettoeinkommen (2.987€ abzgl. 650€)

1.002 € Trennungsunterhalt (2.337 € * 3/7)

Beim Kindesunterhalt würde man in der Düsseldorfer Tabelle normalerweise in Stufe 6 landen, da aber inkl. Ehefrau drei Unterhaltsberechtigte vorhanden sind, wurde Stufe 5 angewandt. Ist das korrekt?

Ist die Berechnung weitestgehend korrekt oder liegen hier Fehler vor? Vorab danke!

Meine Unterhaltsberechnung zum Wechselmodell folgt.


Titel: Re: Konkrete Unterhaltsberechnung
Beitrag von: Kasper am 19. November 2018, 14:33:46
Moin,

jemand anderes wird noch drüber schauen. Mein Einwand wäre, dass die HORT Kosten für den älteren Sohn nach dem KU Abzug zu tätigen sind. Weiterhin bezieht sich das Nettogehalt auf welche Steuerklasse? Wenn 3, dann sollte man schnell eine Stuerklassenänderung auf 4(1) vornehmen.
Berufsbedingte Aufwendungen richten sich nach den Unterhaltsleitlinien des zuständigne OLG.

Gruß
Kasper


Titel: Re: Konkrete Unterhaltsberechnung
Beitrag von: Schildkroete am 19. November 2018, 15:00:06
Hallo Kasper,

danke für die Antwort. Das war schon der Wert nach Wechsel in Steuerklasse 1.

Was die Pauschale betrifft, anbei die Passage aus der Leitlinie meines OLG's:

"Bei Vorliegen entsprechender Anhaltspunkte kann eine Pauschale von 5 % des Nettoeinkommens (maximal 150,-- €) abgesetzt werden. Diese Pauschale wird vom Nettoeinkommen vor Abzug von Schulden und besonderen Belastungen abgezogen. Die Pauschale erfasst alle berufsbedingten Aufwendungen einschließlich der Fahrtkosten. Übersteigen die berufsbedingten Aufwendungen diese Pauschale, so sind sie im Einzelnen darzulegen."

"Entsprechende Anhaltspunkte" interpretiere ich so, dass nicht konkret der exakte Betrag nachgewiesen werden muss. Hoffe ich liege nicht falsch


Titel: Re: Konkrete Unterhaltsberechnung
Beitrag von: Susi64 am 19. November 2018, 17:54:48
Hallo,

wenn Du berufsbedingte Aufwendungen hast und diese nicht konkret nachweist, dann kannst Du die Pauschale nehmen.
In den meisten Fällen sind aber die konkreten Aufwendungen höher als die Pauschale. Diese können in Abzug gebracht werden, wenn Du sie konkret nachweist, also Entfernung von Wohnung zum Arbeitsplatz (googlemaps), dabei gilt die doppelte Fahrtstrecke (also hin und zurück).
Also z.B. Arbeitsweg einfach 20km, insgesamt 40km. Die ersten 30km mit 30 Cent, die übrigen 10km mit 20 Cent. Für 220 Arbeitstage im Jahr ergibt das
(30*0,3 + 10*0,2)*220 = 2420 Euro : 12 = 201 Euro pro Monat.

VG Susi


Titel: Re: Konkrete Unterhaltsberechnung
Beitrag von: Schildkroete am 19. November 2018, 21:00:23
Hallo Susi,  
danke für deine Antwort.
Ist der Rest deiner Meinung  nach richtig?
VG Schildkröte


Titel: Re: Konkrete Unterhaltsberechnung
Beitrag von: Susi64 am 20. November 2018, 10:33:41
Hallo,

Du hast zu zahlen TU und KU, Hortkosten wäre Mehrbedarf und nach Einkommen der Eltern zu quoteln.

Deshalb zunächst:

4.100 € Netto
-150 € berufsbedingte Aufwendungen
-160 € Riester
----------------
3.790 € bereinigtes Netto

3 unterhaltsberechtigte Personen, deshalb eine Stufe runter = Stufe 5
-382 € Kind 8 Jahre
-321 € Kind 3 Jahre
----------------
3.087 Euro bereinigtes Netto für  TU

davon 1/7 = 441 €
3.087 - 441 = 2646 €

Ehefrau

700 €
-50 € berufsbedingte Aufwendungen
-------
650 € bereinigtes Netto

davon 1/7 = 93 Euro
650 - 93 = 557 €

Addieren: 2646 € + 557 € = 3203 € davon steht jedem die Hälfte zu = 1601 €

Du zahlst deshalb an die Ehefrau 1601-557 € = 1044 € Trennungsunterhalt

Damit hast Du 1601 € + 441 € = 2042€, Deine Frau 1044 € + 557€ + 93 € = 1694 Euro und KU ist 703 Euro.

Die Hortkosten wären, dann nach Einkommen zu quoteln, wobei der TU Einkommen der KM ist.

VG Susi


Titel: Re: Konkrete Unterhaltsberechnung
Beitrag von: Schildkroete am 20. November 2018, 20:34:47
Hallo Susi64,
wow,  vielen lieben Dank für die Arbeit, die du dir gemacht hast. Dann war meine Berechnung nicht ganz richtig,  aber immerhin lag ich nah dran :-)
Neben den unten aufgeführten Zahlen hätte meine Frau noch zusätzlich das Kindergeld in Höhe von 388 €. Ist ja auch ein nicht zu verachtenden Sümmchen.
Viele Grüße, Schildkröte


Titel: Re: Konkrete Unterhaltsberechnung
Beitrag von: Susi64 am 20. November 2018, 21:48:14
Hallo,

das KG wird zur Hälfte Dir angerechnet, dadurch sinkt der KU auf den sogenannten Zahlbetrag.
Ansonsten ist unterhaltsrechtlich Kindergeld Einkommen des Kindes und wird nicht bei der Unterhaltsberechnung berücksichtigt.
Auch wenn ich verstehe, dass Du natürlich siehst wieviel Du zahlen musst, dann ist aber trotzdem so, dass das KG nicht Einkommen der KM ist und die KM mit 2 Kindern auch höhere Ausgaben als Du hast.
Geld ist immer eine Streitfrage und 2 Haushalt kosten deutlich mehr als einer.
Wichtig für Dich ist eher die Frage wie es mit dem nachehelichen Unterhalts weitergehen soll. Ich denke nicht, dass Du bis zum Ende Deines Lebens 1000 Euro an die KM zahlen willst. Überlege Dir wie ein Stufenmodell mit Abschmelzen des KU aussehen könnte. Die Zahlung des TU ist ein beliebter Grund die Scheidung hinauszuzögern.

VG Susi


Titel: Re: Konkrete Unterhaltsberechnung
Beitrag von: Schildkroete am 21. November 2018, 08:34:19
Hallo Susi,
danke für die Antwort.
Was den TU betrifft, so muss (oder besser gesagt will) ich im Rahmen der Scheidung eine Begrenzung des nachehelichen Unterhalts fordern. Aber entscheidet das nicht ohnehin allein der Richter, wie lange und wie hoch der nacheheliche Unterhalt ist? Oder muss ich Vorschläge anbieten?
Mir hat mal ein RA gesagt, dass er in meinem Fall tippt, dass ein Richter für jedes Jahr Ehe ein Jahr nachehelichen Unterhalt gewährt, also ca. 9-10 Jahre. Über die Höhe hatten wir aber nicht gesprochen. Schmilzt ein TU in der Regel ab?
Vorab danke.


Titel: Re: Konkrete Unterhaltsberechnung
Beitrag von: Schildkroete am 21. November 2018, 09:25:01
Hallo Susi64 und andere Unterhaltsexperten,

anbei meine Berechnung bei einem WECHSELMODELL. Hier bin ich mir aber deutlich unsicherer was die Korrektheit der Berechnung betrifft...

4.100 € Nettogehalt Mann (inkl. aufs Jahr verteilter Bonus und Steuerrückerstattung; nach Wechsel auf St.Kl. 1)
-150 € berufsbedingte Aufwendungen (Pauschale, konkrete Nachweise erforderlich?)
-160 € Riester
---------
3.790 € bereinigtes Nettogehalt Mann


700 € Nettoeinkommen Frau
-50 € berufsbedinge Aufwendungen (Fahrtkosten zur Arbeit)
-----------
650 €bereinigtes Nettogehalt Frau


4.440 gemeinsames bereinigtes Netto (3.790€ + 650€)

-543 € KU Kind 1, 8 Jahre (Stufe 7, weil 3 Unterhaltsberechtigte eine Abstufung von 8 auf 7)
-474 € KU Kind 2, 3 Jahre (Stufe 7, weil 3 Unterhaltsberechtigte eine Abstufung von 8 auf 7)
-200 € zzgl. Mehrkosten aufgrund Wechselmodell (einfach mal 200 € unterstellt, keine Ahnung ob das ok ist)
----------
-1.217 € Gesamtbedarf Kinder


-1.217 € Unterhaltsanteil Vater am Bedarf (da Einkommen der Frau unter dem Selbstbedarf von 1.080 Euro liegt)
+194 € hälftiges Kindergeld
------------
1.023 € korrigierter Unterhaltsanteil Vater am Bedarf

512 € zu zahlender KU an Mutter (1.023/2)

###############

3.279 € bereinigtes Netto Mann für TU (3.790 abzgl. 512 € KU)
-468 € Erwerbsbonus von 1/7
---------
2.810 €

650 € bereinigtes Netto Frau
-93 €  Erwerbsbonus von 1/7
---------
557 €

3.367 € gemeinsames Netto (2.810+557)

-1.127 € zu zahlender TU ((3.367 € / 2) abzgl. 557 €)


2.152 € verbleibendes Geld Mann (+3.791 -512 -1.127)
2.676 € verbleibendes Geld Frau (650+512+1127+2*194)

Hortkosten, Kitakosten, Sportvereine etc. würde dann gequotelt werden. Ist die Berechnung richtig?

Nur zum Quoteln habe ich noch eine Frage. Ist mein relevantes Netto das nach Zahlung von TU oder vor Zahlung? und bei der Frau würde auf ihr Einkommen von 650€ noch der TU von 1.127 hinzugerechnet?

Wenn die Berechnung korrekt ist, dann ist die Differenz im Vgl. zum Nicht-Wechselmodell nur gering.

Wäre super wenn mir jemand ein Feedback geben könnte.

VG Schildkröte


Titel: Re: Konkrete Unterhaltsberechnung
Beitrag von: Susi64 am 21. November 2018, 12:01:15
Hallo,

aus meiner Sicht stimmt die Rechnung. Es gibt viele Fragen, die beim Wechselmodell noch nicht wirklich geklärt sind.

Mehrbedarf gehört zum Unterhalt der Kinder und müsste deshalb vor dem TU bestimmt werden. Praktisch heißt das, dass Du den gesamten Mehrbedarf zu tragen hast und dann erst der TU berechnet wird.
Das hatte ich bei meiner Rechnung leider nicht berücksichtigt.
Damit entfällt auch die Frage wie zu quoteln wäre.

Was ich nicht weiss ist, ob beim Wechselmodell auch herauf bzw. herunter gestuft wird.

VG Susi


Titel: Re: Konkrete Unterhaltsberechnung
Beitrag von: sturkopp am 21. November 2018, 12:41:18
Moin,


Was ich nicht weiss ist, ob beim Wechselmodell auch herauf bzw. herunter gestuft wird.


Warum sollte gestuft werden? Geht von der Logic her auch nicht, Vater hat 3 Pers. Unterhalt zu leisten, bei der Mutter sind es nur 2 Personen.


Titel: Re: Konkrete Unterhaltsberechnung
Beitrag von: Schildkroete am 21. November 2018, 13:02:14
Hallo zusammen,

vielen Dank für eure Hilfe.

Hallo,
Mehrbedarf gehört zum Unterhalt der Kinder und müsste deshalb vor dem TU bestimmt werden. Praktisch heißt das, dass Du den gesamten Mehrbedarf zu tragen hast und dann erst der TU berechnet wird.
Das hatte ich bei meiner Rechnung leider nicht berücksichtigt.
Damit entfällt auch die Frage wie zu quoteln wäre.
VG Susi
Bezieht sich die Aussage jetzt nur auf die Berechnung bei einem Wechselmodell oder generell?

Also was die Hortkosten betrifft habe ich noch nicht ganz den Durchblick, wie ich diese berücksichtigen soll.

Vorab danke.



Titel: Re: Konkrete Unterhaltsberechnung
Beitrag von: sturkopp am 21. November 2018, 13:10:21
Moin,

die WM-berechnung kann nicht richtig sein.
Da KM in dieser Rechnung unter Leistungsfähigkeit liegt würde ihr Entgelt nicht berücksichtigt werden.

Ein Versuch wäre es folgend vorzugehen:

1. KU für Kindesvater alleine zu bestimmen (ohne Mehrbedarf aber gestuft)
2. TU bestimmen
3. KU für Kindesmutter alleine zu bestimmen (Einkommen incl. TU, keine Stufe, evtl. Mangelfall beachten)
4. beide KU gegeneinander stellen und den Ausgleichsbetrag errechnen.

5. Mehrbedarf errechnen und evtl. quoteln. (beachten das ein SB von 1300,-€ gilt)