Hi @all!
Nun, dann will ich auch meine Geschichte hier mal im Ganzen erzählen... Ein paar Bruchstücke fliegen schon in diversen Threads herum, aber bevor ich jemandem zumute, diese zu sammeln, mach ich das selbst.

Also, ich bin 25 Jahre alt, lebe in Österreich und seit knapp acht Monaten eine "Zweitfrau".
Die Situation, in der sich mein Freund befand, als wir uns zusammenkamen, war nicht die einfachste.
Gekannt hab ich ihn schon länger und er hat auch immer wieder Bruchstücke erzählt (wir sind Arbeitskollegen), so von wegen daß seine Frau die Scheidung blockiert und daß er immer wieder nach Deutschland fährt, um seine kleine Tochter (sechs Jahre alt) zu sehen und noch einige andere Dinge, die ich damals oft kaum glauben konnte.
Im Jänner diesen Jahres war er auch wieder in D und im Februar habe ich mich von meinem damaligen Freund getrennt - Gott sei Dank hab ich mit ihm keine Kinder, er machte auch so genug Streß...
Kurz darauf waren mein Liebster und ich zusammen, jeder mit seiner Vergangenheit auf dem Rücken - er mit seiner Ex, die mittlerweile total durchgedreht war und den Umgang zu seiner Kleinen blockierte; und ich mit meinem Ex, der sich wie ein verwöhntes Kind aufführte, dem jemand sein Lieblingsspielzeug geklaut hat.
Acht Monate lang schaffte es die Ex meines Freundes, die Kleine von ihm zu isolieren, er durfte sie weder anrufen, noch sehen. Im Mai waren wir gemeinsam in D, es war ihr auch angekündigt worden, daß er seine Tochter für einige Tage sehen wollte (von mir wußte sie noch nichts), aber sie verweigerte jeden Kontakt und das Kind war nicht auffindbar. Nur einmal, als er bei seinem Ex-Schwiegervater anrief, hörte er die Kleine im Hintergrund, durfte aber nicht mit ihr sprechen, da seine Ex es ihrem Vater verboten hatte.
Tja und so vergingen die Monate, mal machte seine Noch-Ehefrau Streß und mal mein Exfreund...
Allein durch seine Erzählungen hatte ich seine Tochter schon liebgewonnen und ich wollte sie unbedingt kennenlernen.
Gegen einen Kontakt mit der Ex sträubte sich jedoch jede einzelne meiner Körperzellen.
Das ist für mich einfach keine Mutter, die einem Kind acht Monate lang jeden Kontakt zum Vater und den Großeltern verweigert, die (wie wir durch einen Anruf vom Kindergarten erfahren haben) die Kleine auch nicht mehr zum Kindergarten bringt, weil sie dort das Essensgeld für fast zwei Jahre schuldig ist und jedem Ärger aus dem Weg gehen will und die (trotzdem es von der Schule ausdrücklich empfohlen wurde) es nicht mal schafft, dafür zu unterschreiben, daß die Lütte eine Sprachtherapie bekommt, weil sie in der sprachlichen Entwicklung nicht ganz auf dem Niveau einer Schulanfängerin ist.
Auch für das, was sie sich sonst noch geleistet hat, fehlt mir jede Verständnis - Lügen, ständig lebt sie auf Kosten anderer, nächtelange Discotouren, die Kleine wurde immer wieder zu Verwandten abgeschoben wenn sie auf Tour wollte, und nicht zuletzt Betrug und Körperverletzung - aber sie hat es immer wieder geschafft, sich herauszuwinden und ungeschoren davonzukommen.
Ich muß sie nicht kennenlernen, ihr Verhalten spricht Bände...

Bei jeder neuen Dummheit der Ex haben wir immer wieder überlegt, wie wir es machen könnten, daß die Kleine zu uns käme.
Von ihrer Mutter konnte sie keine Zukunft erwarten - die ganze Familie arbeitslos, sie selbst war durch ihre Mutter von ihrem weggerissen worden, in ihren SMS von Rechtschreibung nicht mal 'ne Spur und kein bißchen Ausbildung...
Von Freunden war meinem Freund immer wieder erzählt worden, seine Ex wirke als ob sie dauernd betrunken sei oder Drogen nehmen würde, aber es ließ sich nichts beweisen.
Ihr Verhalten war so schädlich für die Kleine, aber trotzdem nicht schädlich genug, daß man etwas in der Hand gehabt hätte, um sie von ihrer Mutter weg zu uns zu bringen.
Schließlich, durch eine Zwangsgeldandrohung, schaffte es die Noch-Ehefrau schließlich, die fehlenden zwei Papiere für die Scheidung einzureichen und nachdem mein Freund auch gleich eine Umgangsklage eingereicht hatte, wurde für September ein Gerichtstermin festgelegt und uns wurde der Umgang mit der Kleinen erlaubt.
Schon im August überraschte die Ex dadurch, daß sie die Lütte zu ihrer Oma (der Mutter meines Freundes) brachte und dieser erlaubte, mit ihr eine Schultasche zu kaufen.
Auch die Tatsache, daß mein Freund nicht alleine nach D kommen würde, wurde toleriert, nur zur Einschulung der Kleinen durfte ich nicht kommen (was ich auch verstand, hätte sonst nur Streß gegeben).
Tja und so saß ich denn am 2.September alleine im Haus, durfte auf den Hund aufpassen und wartete darauf, daß die Familie mit der Kleinen zurückkam.
Ich war nervöser als beim letzten Besuch, wo ich immerhin die Mutter meines Freundes zum ersten Mal traf.

Und schließlich waren sie da - die Kleine hat sich am Anfang nicht mal getraut, mich anzusehen, obwohl sie normalerweise sehr viel fragt, wenn sie wen neuen kennenlernt...
Mein Freund hat mir später erzählt die Lütte wäre von ihrer Mutter anscheinend beeinflußt worden; sie hätte auch nicht zugelassen, daß das Mädchen von der Schule bis zum Haus der Ex mit ihrem Papa mitfährt, sondern sie mußte unbedingt mit ihr zu Fuß gehen, weil sie "etwas mit ihrer Tochter besprechen müsse" - was das wohl gewesen sein mag...?
Aber egal was ihr eingetrichtert worden war, nach einer halben Stunde und dem ersten gemeinsam gemalten Bild fiel mir dieses süße kleine Mädchen um den Hals und sagte, daß sie mich lieb habe... *schmelz*
Die zwei Wochenenden, die wir sie bei uns haben durften, waren wundervoll, aber auch sehr sehr traurig.
Immer wieder erzählte sie so nebenbei, daß ihre Mama sie haut und ihr sagt, daß sie lästig ist und daß sie immer früh schlafen gehen muß, weil Mama ja fortgehen will und noch andere Dinge, die mich total erschreckt haben, aber nichts davon ist ohne die Aussage des Kindes nachweisbar und ihr wißt ja, wie die Richter dazu stehen...
Auch ihr Verhalten zeigte viel von dem, was bei ihr zu Hause falsch lief.
Immer wieder waren wir mit Wutanfällen konfrontiert, wenn sie nicht bekam, was sie wollte, dann wieder verkroch sie sich total in sich selbst, war nicht mehr ansprechbar, schaukelte vor und zurück und sang vor sich hin, ohne irgendetwas von ihrer Umgebung wahrzunehmen - zeitweise hatte dieses Verhalten fast autistische Züge - und im nächsten Moment war sie wieder voll da, lustig und überdreht.
Sie war total ziellos und durcheinander.
Bei der Heimfahrt von einem Ausflug ans Meer fuhren wir am Haus ihrer Mutter vorbei und plötzlich fiel das Kind in sich zusammen und da war nicht mehr übrig, als eine Hülle. Sie selbst war weg.
Hört sich jetzt komisch an, aber es war richtig unheimlich...
Erst als wir am Haus vorbei waren, war sie wieder da und lustig wie zuvor.
Als sie wieder zu ihrer Mutter zurück mußte, saß das kleine Mädchen im Auto und versuchte, nicht zu weinen. Aber dann liefen ihr doch die Tränen über die Wangen...
Ich hab noch nie jemanden gesehen, der so todtraurig war.

Als der Wagen wegfuhr, habe ich auch geweint.
Während diesem Besuch war auch endlich der Gerichtstermin für die Scheidung und auch der Umgang wurde gerichtlich festgesetzt und mit einer Bußgelddrohung belegt.
Außerdem geht die Kleine jetzt zur Schule und somit hat die Ex keine Chance mehr, sie ungestraft so lange zu isolieren, wie sie es zuvor getan hat.
Wir sind auf jeden Fall darauf vorbereitet, daß "unser" Mädchen irgendwann bei uns vor der Tür steht, oder daß wir sie zu uns holen dürfen, weil die Ex die Nase voll hat und sich mit ihr nicht mehr ärgern will (die Kleine ist jetzt schon klüger als ihre Mutter).
Naja und durch dieses ganze Chaos bin ich auch hier im Forum gelandet.
Einerseits, um meinen Freund ein wenig besser verstehen zu können, weil mir als Österreicherin das deutsche Familien(un)recht bis jetzt total fremd war und andererseits auch, um ein wenig zu helfen, wenn ich kann...
Es ist erschreckend, was alles passiert, welche Ungerechtigkeit möglich ist und wie viele Kinder und Eltern unter der Dummheit, Habgier und Boshaftigkeit von anderen Menschen leiden müssen.
Der Kampf, der hier gekämpft wird, ist extrem wichtig und ich bin froh, daß es Menschen wie euch gibt, denen ihre Kinder wirklich am Herzen liegen.
Und ich danke Gott, daß ich meinen Liebsten und "unsere" Kleine habe.
Und dir, mein Schatz Danke für jeden unserer gemeinsamen Augenblicke! Du bist der wundervollste Mann auf der ganzen weiten Welt!
lg @all
und Danke fürs Zuhören!
vj