Siehst du Simon, das ist der Unterschied - du kennst nur "sone" und schliesst dabei auf ALLE - ich kenne halt auch solche und vermeide es, wo immer es möglich ist, Menschen, die ich noch nicht einmal kenne, in Schubladen zu stecken.
Ich kann Taccinas Freundin sehr gut verstehen, dass sie im Moment den Wald vor lautern Bäumen nicht sieht. Ich habe zum Zeitpunkt der Trennung selbst in einem Kuhdorf gewohnt und weiß, wie das ist, wenn man Bewerbungen schreibt in der Hoffnung nach acht Jahren Erziehungszeit wieder in seinem alten Job unterzukommen.
Und jetzt hau drauf - meinen bestehenden Job habe ich zum Ende der Erziehungszeit gekündigt, da er 100 km entfernt war, keine Möglichkeit einer Teilzeitstelle bestand, mein Jüngster zu dem Zeitpunkt 2 1/2 Jahre alt war und keine Kinderbetreuung in Sicht. Kindertagesstätte gab es nicht und der Kindergarten hat Kinder nicht vor dem 3. Geburtstag aufgenommen. Der Vater meiner Kinder hatte keine Lust auf Kinderbetreuung - er hätte die Chance gehabt mit reinem Wochenenddienst genauso viel zu verdienen wie in der fünf-Tage Woche. War aber nicht sein Ding - nicht, dass er nicht gerne nur zwei Tage pro Woche gearbeitet hätte, aber die restlichen fünf Tage mit den Kindern - ne...
Umziehen wäre keine Alternative gewesen, denn vom Dorf in die Millionenstadt - allein die Miete und die Kinderbetreuung hätte mein Gehalt komplett aufgefressen.
Nachdem es also mit Bewerbungen in meinem Job nicht geklappt hat bin ich runter bis zur "Hilfsarbeiterin", auch 400 € Jobs waren dabei. Jobs, sorry, wenn das jetzt arrogant klingt, unter meinem Niveau. Alles was ich zu hören bekam: Haben sie sowas schon mal gemacht? Hey, Leute, ich bin lernfähig und ich werde es doch wohl schaffen, einen falschen Schmuckstein auf eine Kette aufzufädeln. Nein, tut mir leid, in unserer Branche nehmen wir nur Leute mit Fachkenntnissen
Ich hätte fast alles gemacht, nur um einem Job zu bekommen. Keine Chance.
Und ich hatte ein Auto UND Internet. Ich hatte Selbstbewusstsein und wusste was zu tun ist.
Trotzdem hätte ich damals einfach nur heulen können, ob dieser an sich ausweglosen Situation.
Ich kann Taccinas Freundin auch verstehen, was ihr Kind angeht. Natürlich kann ein 10-jähriger morgens alleine aufstehen, sich selbst anziehen, seine Brotzeit richten und pünktlich das Haus verlassen. ICH hätte dabei aber keine Ruhe. Meine Kinder zähle ich zu den eher super selbstständigen. Sie machen sich ihr Pausenbrot selbst, obwohl ich da bin. Darum geht es auch gar nicht. Es gibt gewisse Zeiten, die ausschliesslich der Familie gehören. Gottseidank bin ich in der glücklichen Lage diese Zeiten einhalten zu können, ich verlasse erst nach meinen Kindern das Haus.
Sie schaffen es in den Ferien auch ohne mich, keine Frage. Aber da fehlt etwas. Ein großes Stück Geborgenheit.
Und nicht zuletzt - was ist wenn....
Eine frühere Kollegin meines Mannes war in einer ähnlichen Situation. Zwei Kinder, 8 und 10, Schichtdienst. Entweder von morgens um 6 bis 14 Uhr oder von 13 Uhr bis 21 Uhr. Eines Tages klingelte gegen 19 Uhr das Telefon, der Kleine sei nicht nach Hause gekommen. Später stellte sich heraus, dass er bei einem Freund war, ohne vorher seinem Bruder Bescheid zu geben, wie er es sonst immer getan hat. Die Frau hatte keine Chance ihren Arbeitsplatz zu verlassen. Und ich möchte nicht wissen, was passiert wäre, wenn etwas passiert wäre
Ich sehe es auch so, dass Taccinas Freundin es wohl nicht alleine schafft, aber ich finde es völlig deplaziert an dieser Stelle mit Allgemeinplätzen um sich zu schlagen.
Und was ich
absolut nicht leiden kann sind Menschen, die derart engstirnig und intolerant sind, dass sie keinerlei Verständnis dafür haben, dass es auch Menschen gibt, die eben anders gestrickt sind als sie selbst.
Ich habe fertig
Gruß AJA
sorry Deep, deine Ermahnung hat sich mit meinem Beitrag überschnitten
[Editiert am 14/12/2005 von AJA]