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vatersein.de - Forum 26. Mai 2012, 16:26:48 *
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Autor Thema: Und das in einer Österr. Zeitung !  (Gelesen 937 mal)
Aniram
Gast
« am: 27. Juli 2005, 10:45:52 »

Im Anschluss an einen Artikel über die Trennung von Boris Becker
und seiner Freundin, fand ich folgenden Hinweis:

Scheidung leicht gemacht
Beantragen Sie Ihre Scheidung einfach und bequem von zu Hause

http://www.scheidung-per-klick.de

Die Dame ist berechtigt in allen Amts- und Landgerichten in der
Bundesrepublik Deutschland aufzutreten und ihre
Tätigkeitsschwerpunkte sind

Familienrecht
Straßenverkehrsrecht
allgemeines Zivilrecht

Mit Angabe von Tel.Nummer, Adresse und Emailadresse. Ist recht
informativ aufgebaut, das muß man sagen.

Was mich stört - es klingt so nach der Leichtigkeit des Sein's. Eine
Scheidung ist doch kein neues Make Up, daß ich mir mal so nebenbei
online bestelle.

Nicht schlecht allerdings finde ich, daß sie einem gleich die Gelegenheit
gibt, sich eine Vorstellung über die Kosten zu machen.

Und dann hab ich da noch gefunden:

Paartherapie Wien
Beziehungskrise als Chance Hilfe zur Auflösung alter Muster

http://www.ichaktie.com

Hier erschließt sich scheinbar ein ganz neuer Wirtschaftszweig.


Gruß

Marina





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brille007
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« Antwort #1 am: 27. Juli 2005, 11:13:16 »

Hi Marina,
Zitat
Was mich stört - es klingt so nach der Leichtigkeit des Sein's. Eine
Scheidung ist doch kein neues Make Up, daß ich mir mal so nebenbei
online bestelle.

was stört Dich daran? Dieses Procedere funktioniert sicher nicht in allen Fällen, aber warum muss eine Scheidung immer eine Riesensache sein, bei der sich Anwälte und ihre Mandanten monate- oder gar jahrelang mit unsinnigen Forderungen bewerfen?
Diese Anwältin weist sogar explizit auf die Möglichkeit einer einvernehmlichen Scheidung und die damit verbundene Möglichkeit der Streitwert- und Kostenredizierung hin. Also auf die Möglichkeit, als eine Art Berater/Mediator für beide Parteien tätig zu werden und die anstehenden Fragen im Sinne beider Beteiligten zu lösen anstatt auf jedem Cent Unterhalt und jeder Minute Umgang herumzuprozessieren.
In jedem Fall scheint sie keine Anwältin von der Sorte zu sein, die ihre Mandanten in möglichst hohe Streitwerte treibt, sondern schnelle und einvernehmliche Lösungen sucht (mit der die Parteien danach auch viel besser leben können als mit per Urteil erstrittenen). Ja, ich finde, man kann eine Scheidung auch sehr emotionslos sehen und abwickeln; das Leben geht danach schliesslich weiter, und eine Scheidung ist "nur" die Beendigung eines Lebensabschnitts, aber nicht die Beerdigung eines Lebenstraums.

Grüssles aus'm Wilden Süden
Martin
(der sich sogar für die Online-Scheidung per Mausklick begeistern könnte)
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     Der einzige Mensch, den man ändern kann, ist der, den man heute morgen geduscht und angezogen hat
Aniram
Gast
« Antwort #2 am: 27. Juli 2005, 11:32:12 »

Hallo Martin !

Hmm... vielleicht hast Du recht und ich stosse mich auch nur an der
Bezeichnung.

Es erscheint mir so gedankenlos... so nach dem Motto:

"Ich will nicht mehr verheiratet sein, also klick ich mal hier und mal
dort und vorbei ist die Chose."

Grundsätzlich muss ich Dir aber rechtgeben und meine eigene
Scheidung verlief, auch wenn sie von mir beantragt worden war,
völlig ruhig und friedlich. Vielleicht auch deshalb, weil ich keine
Forderungen gestellt hatte.

Ich denke, meine Ansicht, daß eine Scheidung für mich auch eine
tatsächliche Trennung darstellt, ohne das ich den geschiedenen
Partner auch Jahre danach noch in schöner Regelmäßigkeit
versuche das Hemd ausziehen, habe ich bereits des öfteren
klargemacht.

Trotzdem haben mich Deine Worte nachdenklich gemacht und
vielleicht ist die Idee doch nicht so übel, gewöhnungsbedürftig
bleibt sie aber für mich.

LG

Marina
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brille007
Globaler Moderator
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Geschlecht: Männlich
Beiträge: 10.405



« Antwort #3 am: 27. Juli 2005, 12:18:43 »

Hi Marina,
Zitat
"Ich will nicht mehr verheiratet sein, also klick ich mal hier und mal
dort und vorbei ist die Chose."


Das ist jetzt vielleicht ein bisschen salopp ausgedrückt - aber hätte es nicht tatsächlich eine Menge Vorteile, wenn wir das Thema lockerer sehen könnten? Die meisten Menschen in unserem Kulturkreis haben beim Thema "Ehe" noch ein indifferentes "bis das der Tod Euch scheidet" im Hinterkopf; deshalb wird das Scheitern einer Ehe und die daraus resultierende Scheidung meist als private Katastrophe betrachtet nach dem Motto "Was mit grossen Emotionen begonnen hat, muss auch mit grossen Emotionen enden".

In anderen Ländern - Frankreich zum Beispiel - gilt eine Ehe gesellschaftlich schon länger nicht mehr als unauflöslicher Bund für's Leben, sondern eher als "Lebensabschnitts-Gemeinschaft" - was mit 25 toll ist, muss es mit 40 nicht mehr sein; Menschen entwickeln sich nun einmal weiter, durchaus auch in verschiedene Richtungen.

Auch bei uns steht die Realität nicht für ewiges Glück: Die Anzahl der Scheidungen plus die Zahl der Ehen, die wegen "sachlicher Gründe" (Kinder, Geld, gemeinsames Geschäft, Druck der Familie, Furcht vor Geschwätz etc.) aufrecht erhalten werden, liegt weit höher als die Zahl wirklich glücklicher Ehen. Warum also sollte man das Ganze nur mit grossem Brimborium beenden können anstatt leise und einvernehmlich?

Vielleicht sollten Familienanwälte - ähnlich wie die Zigarettenindustrie - dazu verpflichtet werden, auf ihren Websites und Briefbögen illustrierte Warnhinweise abzudrucken: zum Beispiel ein schickes Auto, ein hübsches Einfamilienhaus und ein Bild von einem Sandstrand mit Palmen. Text: "Wenn Ihr Euch vernünftig trennt, könnt Ihr Euch das irgendwann selbst leisten. Wenn nicht, leiste ich als Anwalt es mir von Eurem Geld."

Oder so ;-)

Grüssles aus'm Wilden Süden
Martin
(Befürworter eines Verbots weisser Brautkleider und ewiger Treueschwüre)
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     Der einzige Mensch, den man ändern kann, ist der, den man heute morgen geduscht und angezogen hat
Aniram
Gast
« Antwort #4 am: 27. Juli 2005, 12:44:34 »

Hallo Martin !

Gar keine Frage, vieles was Du sagst, hat Hand und Fuss... macht Sinn !

Was mich stört: Meiner Meinung nach bemühen sich viele Menschen
mittlerweile zuwenig um ihre Beziehungen.

Klar ist es ein wenig überzeichnet, wenn ich jetzt behaupte

- kaum ist man verheiratet, läßt man nach, bemüht man sich zuwenig
  um den anderen... weil - man hat ihn ja - was für ein Trugschluß, wie
  viele hier wissen.

- am Anfang einer Beziehung wird über Gott und die Welt, förmlich über
  jede Nichtigkeit geredet, später über fast nichts mehr - bis es oft zu spät ist.

- viele kochen danach ihre eigene Suppe und wundern sich, wenn das
  Zusammenleben nicht funktioniert, das wichtigste ist, man hat seinen eigenen
  Kopf durchgesetzt. Je nachdem, wer der Liebendere oder der Stärkere ist,
  einer bleibt meistens auf der Strecke.

Das hier wäre jetzt noch beliebig fortzusetzen.

Der Weg zum Anwalt ist kein leichter, sogar dann nicht, wenn man sicher
weiss, daß es das ist was man möchte.

Ich denke halt, wenn es einem so leicht gemacht wird, versucht man immer
weniger, gemeinsam einen Weg zu finden und das ist schade.

LG Marina



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brille007
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« Antwort #5 am: 27. Juli 2005, 13:30:27 »

Hi Marina,
Zitat

Ich denke halt, wenn es einem so leicht gemacht wird, versucht man immer

weniger, gemeinsam einen Weg zu finden und das ist schade.

Das kann schon sein - aber denk es einfach mal umgekehrt: Werden Ehen dadurch besser, dass man die Hürden für ihre Beendigung höher legt? Ein nahe liegender Vergleich: Würde ein Arbeitnehmer besser arbeiten, nur weil man ihm die Kündigung erschwert?

Ich bestreite nicht, dass viele Menschen heute wegen Nichtigkeiten auseinanderlaufen; im Zeitalter des Internet ist auch ein Seitensprung oft nur einen Mausklick weit entfernt. Aber das sind unsere aktuellen Lebensrealitäten; genau so, wie heute kaum mehr jemand bis zur Rente in der Firma bleibt, in der er 50 Jahre zuvor seine Lehre gemacht hat. Leben ist Bewegung. Und die Kiste mit der "Ehe bis zum Tod" stammt aus einer Zeit, als Ehen aufgrund der allgemein geringeren Lebenserwartungen im Durchschnitt sowieso nur 12 Jahre dauerten und Frauen überdies kaum die Möglichkeit zu wirtschaftlicher Selbständigkeit hatten. Aber das ist Schnee von vorgestern.

Meinetwegen kann jemand im Lauf seines Lebens doch auch fünf Mal hintereinander verheiratet sein. Es sollte nur nicht (mehr) passieren, dass ihm schon die erste Scheidung emotional und wirtschaftlich das Licht ausbläst. Beste Voraussetzung hierfür: Gleichwertige Verteilung von Erwerbstätigkeit und Kinderbetreuung von Anfang an.

Grüssles aus'm Wilden Süden
Martin
(Anhänger des Cochemer Modells und Fan einvernehmlicher Scheidungen)
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     Der einzige Mensch, den man ändern kann, ist der, den man heute morgen geduscht und angezogen hat
Aniram
Gast
« Antwort #6 am: 27. Juli 2005, 14:31:24 »

Lieber Martin.... Du mißverstehst mich völlig !!!

Ich kann mich nicht erinnern, irgendwo gesagt zu haben, daß bei einer Scheidung
die Hürden möglichst hoch gelegt werden sollen. Ganz im Gegenteil, hab ich für
dieses Hick-Hack wenig bis gar kein Verständnis.

Leider dauern heute Ehe meistens nicht mehr ein Leben lang. Aber ok, das ist
nun einmal so. Es gibt aber auch Beispiele, das es sehr wohl funktionieren kann.
Meine Eltern leben es mir (die mit nicht ganz 21 Jahren wieder geschieden war)
tagtäglich und nicht mit mildem Lächeln und Silberhaar, sondern in aller Leidenschaft
vor. Und glaub mir, auch bei ihnen hat es so manches Mal heftigst gekracht. Genau
darum geht es mir, es wird zu leicht aufgegeben.

Ich wollte damals, mit dem einer 18-Jährigen eigenen Idealismus, die wunderbare Ehe
meiner Eltern kopieren. Bedauerlicherweise hab ich mir damals dafür, den falschen
Partner ausgesucht. Selbst schuld sozusagen. Obwohl ich mich nie wieder langfristig
(hauptsächlich meines Sohnes wegen) gebunden habe, glaube ich immer noch an die Ehe,
die ein Leben lang halten kann. Und damit stehe ich doch nicht alleine da... das zeigen
doch auch die vielen Beispiele hier.

 
 
Zitat
und Frauen überdies kaum die Möglichkeit zu wirtschaftlicher Selbständigkeit hatten


Tja... und jetzt kommen die Männer kaum mehr auf die Beine. Wenn man das unter
Fortschritt versteht, dann weiss ich nicht.... (Ironie aus) Als Entwicklung zum Besseren,
kann ich das nicht sehen.

 
Zitat
Meinetwegen kann jemand im Lauf seines Lebens doch auch fünf Mal hintereinander verheiratet sein. Es sollte nur nicht (mehr) passieren, dass ihm schon die erste Scheidung emotional und wirtschaftlich das Licht ausbläst. Beste Voraussetzung hierfür: Gleichwertige Verteilung von Erwerbstätigkeit und Kinderbetreuung von Anfang an.


Ich bin ganz Deiner Meinung s.o.

Nur was hat das damit zu tun, daß ich mich mit dem Gedanken, eine Scheidung online
abzuwickeln, nicht anfreunden kann ?

Ich bin auch für eine einvernehmliche Scheidung und kostengünstiger ist die dann sowieso.
Und wie ich schon einmal anführte, man muss nicht bei jedem Sch****, den der Anwalt
vorschlägt, mitmachen. Ich habe es ja auch abgelehnt und der Anwalt ist nicht Hungers
gestorben.

Es wird einfach in meinen Augen zu leichtfertig geheiratet und ebenso leichtfertig
geschieden. Meine Befürchtung ist, daß die Möglichkeit einer Online-Scheidung diesen
Trend noch beschleunigt. Das es im Einzelfall eine praktische Sache sein kann, bestreite
ich nicht.

Nur, was kommt dann als nächstes... ich geh zum Hofer (Aldi) einkaufen und buche
in einem Aufwaschen, am Schalter links meinen Sommerurlaub und am Schalter rechts,
weil ich den mit jemand anders verbringen will, gleich die Scheidung ?

Das kann es doch nicht sein, meint

Marina
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brille007
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« Antwort #7 am: 27. Juli 2005, 15:20:42 »

Hi Marina,

ich sehe in Deinen Äusserungen sehr wohl das Bedauern darüber, dass Ehen kein Leben lang mehr dauern. Vermutlich schon allein deshalb, weil Du Dein eigenes Erwachsensein gleich damit begonnen hast, diese Illusion für Dich zu verwirklichen - und damit kurze Zeit später gescheitert bist. Das ist natürlich durchaus ein persönlicher Erfahrungshorizont, der das weitere Leben prägt.

Die Ehe Deiner Eltern ist dagegen offensichtlich eine der berühmten Ausnahmen - schön, dass es sie gibt, aber eben nicht die allgemeine Realität, die man zum Massstab für die Institution Ehe machen könnte. Denn unsere heutige Lebenswirklichkeit besagt schlicht, dass man zwei Menschen, die nicht mehr miteinander können (oder vielleicht gar nie wirklich zueinander gepasst haben) nicht beieinander halten kann; schon gar nicht unter Zwang oder damit, dass das Auseinandergehen möglichst schwierig oder teuer gemacht wird.

Meine eigene Scheidung ist ein Kapitel für sich; vor allem, weil meine Gattin glaubte, sie könne sich damit für den Rest ihres Lebens wirtschaftlich sanieren. Von den anderen Beziehungen und Trennungen in meinem Leben kann ich aber sagen, dass sie fast ausnahmslos friedlich über die Bühne gingen und ich teilweise bis heute freundschaftliche Kontakte zu diesen Frauen pflege. Einfach, weil es damals nicht wirklich Grund zum Streiten und Hassen gab.

Natürlich wird zu heute oft leicht aufgegeben, sicher auch Partnerschaften, die mit einem guten Mediator gerettet werden könnten. Aber das sollte ausschliesslich Sache der Beteiligten sein. Nicht vergessen: Wir leben in einer Zeit, in der Menschen sich auch wegen einer schlichten Erkältung arbeitsunfähig schreiben lassen (was sie komischerweise oft nicht daran hindert, abends oder am Wochenende in die Kneipe oder zum Sport auf die Piste zu gehen). Ist für mich persönlich ebenfalls unvorstellbar; als Selbständiger arbeite ich auch dann, wenn ich den Kopf beinahe unterm Arm trage. Aber ich bin nicht der Nabel der Welt, und meine Arbeitsmoral ist sicher nicht allgemeinverbindlich...

Deine "Aldi-Scheidung" wäre sicher nicht das Mittel der Wahl - aber einfach die Herausnahme des ganzen Procedere aus der juristischen Klaviatur des Strafrechts: Trennungswillige sollten zunächst mit Hilfe eines Mediators einvernehmliche Lösungen für alle anstehenden Fragen finden müssen (also Kompromisse, mit denen man anschliessend auch besser leben könnte als mit Gerichtsurteilen). Die eigentliche Scheidung wäre dann nur noch Formsache.

Und nicht vergessen: Zum Heiraten "damals" hat man ja auch keinen Anwalt gebraucht. Obwohl die juristische Tragweite einer Heirat kein bisschen geringer ist als die einer Scheidung...

Grüssles aus'm Wilden Süden
Martin
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     Der einzige Mensch, den man ändern kann, ist der, den man heute morgen geduscht und angezogen hat
Aniram
Gast
« Antwort #8 am: 27. Juli 2005, 15:43:27 »

Hallo Martin !

 
Zitat
ich sehe in Deinen Äusserungen sehr wohl das Bedauern darüber, dass Ehen kein Leben lang mehr dauern. Vermutlich schon allein deshalb, weil Du Dein eigenes Erwachsensein gleich damit begonnen hast, diese Illusion für Dich zu verwirklichen - und damit kurze Zeit später gescheitert bist. Das ist natürlich durchaus ein persönlicher Erfahrungshorizont, der das weitere Leben prägt.


Gar keine Frage. Mein Traum wurde (war ja selbst schuld, hätt' ich halt vorher
besser geschaut) zerstört und damit irgendwie auch mein Glaube an die Langlebigkeit.
Darum auch später mein Führen zweier Leben... weil ich meinem Sohn eben nicht antun
wollte, einem unter Umständen mehrfachen Wechsel von Bezugspersonen ausgesetzt
zu sein.
 
Zitat
Natürlich wird zu heute oft leicht aufgegeben, sicher auch Partnerschaften, die mit einem guten Mediator gerettet werden könnten.


Siehst Du... und hier liegt meine Befürchtung. Eine(r) ist stinksauer auf den/die andere(n),
einiges hat sich aufgestaut, vielleicht auch vieles und dann fällt einem so ein Link in die
Hand.

Dann noch ein paar Ratschläge von sogenannten "guten" Freunden, die noch ein Schäuferl
drauflegen und die Angelegenheit kann eskalieren, sprich die Scheidungsmaschinerie
beginnt zu laufen. Gerade junge Menschen, ohne das jetzt verallgemeinen zu wollen,
reagieren da womöglich sehr spontan und unüberlegt.

Ich erinnere mich noch gut daran, als ich bei dem alten Herrn in der Rechtsanwaltskanzlei
war. Er war DER Top-Anwalt von Österreich (war nicht notwendig, aber er war ein Kunde
meines Vaters, deshalb war ich dort). Er hat mir sehr aufmerksam zugehört, viel gefragt
und war nicht wie wild erpicht darauf, ein Mandat zu gewinnen. Dieses Gespräch hat gut
über 2 Stunden gedauert und ich kam mir vor, als würde ich bei einem gütigen, alten Opa
sitzen und mir meinen ganzen Kummer von der Seele reden.

Dieses Reden war gut und wichtig für mich, auch wenn es nichts mehr an meinem
Entschluss geändert hat.

Ich habe halt die Befürchtung, daß das bei dieser Art von Scheidung entfällt.

Wir zwei sehen das wohl zu unterschiedlich.

LG Marina
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« Antwort #9 am: 27. Juli 2005, 15:56:04 »

Hi Aniram,

deinem Posting entnehme ich, daß du (wie ich) in Österreich lebst. Aber vergleich mal die deutsche Scheidung mit einer österreichischen, alleine auch schon von den Kosten her, und vom Aufwand her sowieso, gibt es da gravierende Unterschiede. Alleine die Möglichkeit, daß einvernehmliche Scheidungen in Österreich möglich sind, hat mitnichten dazu geführt, daß die Scheidungsraten gestiegen sind - es ist schlicht die "Ex-und-Hopp"-Gesellschaft, die auch das Bild der Ehe geprägt hat. Die Scheidungsraten in Österreich sind nicht relevant höher oder niedriger als in Deutschland (prozentual gesehen, natürlich).

Die Problematiken im deutschen Familien"recht" liegen wie auch z.B. im Steuerrecht darin, daß alles wahnsinnig verkompliziert wurde und nur der den Vorteil hat, der sich möglichst schnell da reinfuchsen kann oder aber einen aggressiven Anwalt hat. Meiner Meinung nach sollten Gesetze vor allem von denen lesbar sein, die sie auch anwenden sollen, und nicht nur mit Hilfe eines bezahlten Anwaltes durchführbar oder auch erst geistig erfaßbar sein.

In Österreich gibt es das Instrument der einvernehmlichen Scheidung, und auch die schuldhafte Scheidung existiert, die 1977 in Deutschland abgeschafft wurde. Definitiv hat sich aber beides bewährt - von einem Anwaltszwang wurde hierzulande Abstand genommen, weil grade die Zustände in Deutschland ein deutliches Warnsignal waren und sind. Die Neigung des deutschen Staates, seine Ausgaben mit den abenteurlichsten Begründungen zu senken (z.B. Wiederaufleben von Unterhalt, die Billigkeitsprüfung, oder auch die Definition der Begriffe "eheprägend" und "Kindeswohl") nimmt allerdings Formen an, die immer mehr Menschen unzufrieden macht. Die einen gehen dann aus dem Staat heraus, wie ich, die anderen resignieren oder machen den leider viel zu häufigen Versuch, den Staat mit seinen Mitteln zu bezwingen.

Letztendlich ist die Ehe ein Auslaufmodell. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich gibt es mittlerweile mehr Scheidungen als Eheschließungen, und die Gesamtsumme der Ehen sinkt zwangsläufig, auch durch die Erfüllung "bis der Tod euch scheidet", sprich dem Aussterben der Langzeitehen. Eine Vereinfachung der Scheidung dürfte daran kaum noch etwas ändern.

Gruß, Xe
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« Antwort #10 am: 27. Juli 2005, 16:30:40 »

Nachschlag: schau mal hier.

Wundert einen da noch die schiefe Stimmungslage?

Gruß, Xe
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Aniram
Gast
« Antwort #11 am: 27. Juli 2005, 16:49:43 »

Hallo Xe !

Ja ich lebe in Wien, wie ich glaube mal gelesen zu haben, Du auch.
 
Zitat
alleine auch schon von den Kosten her, und vom Aufwand her sowieso, gibt es da gravierende Unterschiede


Stimmt... ich komme auch nach Monaten, aus dem Staunen nicht heraus. Ich habe
Vergleichbares, so wie ich es hier zuhauf lese, bei uns noch nicht ein einziges Mal
gehört. Soll nicht heißen, daß es das nicht auch geben wird, aber dann sind es
Einzelfälle.
 
Zitat
es ist schlicht die "Ex-und-Hopp"-Gesellschaft, die auch das Bild der Ehe geprägt hat.

Genau das kritisiere ich und die Maxime
 
Zitat
Scheidung leicht gemacht
Beantragen Sie Ihre Scheidung einfach und bequem von zu Hause


klingt für mich, als würde ich bei Quelle ein paar Hemden bestellen.
 
Zitat
In Österreich gibt es das Instrument der einvernehmlichen Scheidung, und auch die schuldhafte Scheidung existiert, die 1977 in Deutschland abgeschafft wurde.


Meines Wissens gibt es die bei uns auch nicht mehr und wenn doch, entsteht daraus
aber kein wirklicher Nachteil, zumindest ist mir keiner bekannt. Es ist im Scheidungsdekret
 festgehalten, aber das war es auch schon.

Scheidungen ohne Anwalt sind bei uns möglich. Unsere Damen und Herren Poliker wollen
diesen Umstand nun ändern - mit der lauwarmen und faulen Begründung, daß mit Anwalt
die einzelnen Partner besser geschützt sind. Was für ein Unsinn, wenn zwei sich einig sind,
bedarf es keines Schutzes. Ich vermute mal, das hier eher die Lobby der Anwälte
dahintersteckt, ist ja unter Umständen ein lukratives Geschäft.
 
Zitat
(z.B. Wiederaufleben von Unterhalt, die Billigkeitsprüfung, oder auch die Definition der Begriffe "eheprägend" und "Kindeswohl")  


Bei diesem Punkt versuche ich mich so weit wie möglich zurückzuhalten, einerseits, um
nicht jemanden ungerechtfertigt auf die Zehen zu treten (kommt ja immer auf den Einzelfall
an) und andererseits um Deep nicht das Leben schwer zu machen. Der würde aus dem
*Piep* nicht mehr herauskommen, wenn ich mal loslegen würde.
 
Zitat
Letztendlich ist die Ehe ein Auslaufmodell.  

Mag sein, daß sie das ist. Vielleicht auch gut so. Weil... witzigerweise benehmen und
bemühen sich die Menschen anders, wenn sie nicht die Sicherheit der Ehe haben.

Auf der anderen Seite ist das in Deutschland schon egal. Weil dort ist der Partner aufgrund
gemeinsamer Kinder oder anderer von Dir angeführter Gründe wie
 
Zitat
z.B. Wiederaufleben von Unterhalt, die Billigkeitsprüfung, oder auch die Definition der Begriffe "eheprägend"  

auch ohne Ehe oder trotz Scheidung, geknebelt bis an sein Lebensende.

Wie oft, denk ich mir hier beim Lesen, was bringt eine Scheidung und das Wort "Ex"
wird auch strapaziert, weil wirklich ex, ist es in den seltensten Fällen.

Was ich nur nicht verstehen kann... schämen sich diese Frauen nicht ? Wie schläft
und lebt man mit dem Wissen, den Expartner womöglich in den Ruin getrieben zu
haben oder damit, wie sehr es einen Vater kränkt, sein(e) Kind(er) nicht mehr
oder kaum sehen zu dürfen ? Das Gleiche gilt natürlich umgekehrt für Männer, die
ihren Exfrauen selbiges antun.

Und jetzt hör ich auf, bevor ich mich so richtig in Wut rede.

LG Marina


PS.: Es gibt allerdings auch Gründe, wie ich gestern von einem gehört habe, wo
       ich ein Verhindern des Zusammenkommens von Vater und Kindern in jedem Fall      
       unterschreiben würde. Dazu stehe ich dann aber auch und kann es begründen.
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Xe
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« Antwort #12 am: 27. Juli 2005, 18:24:47 »

Hi Aniram,

ja, ich bin Exilfriese und lebe in Wien.

Zitat

Stimmt... ich komme auch nach Monaten, aus dem Staunen nicht heraus. Ich habe
Vergleichbares, so wie ich es hier zuhauf lese, bei uns noch nicht ein einziges Mal
gehört. Soll nicht heißen, daß es das nicht auch geben wird, aber dann sind es
Einzelfälle.


Ein Herr Dr. Tews, Familienrechtler aus Linz, hat sich Ulis Fall mal angesehen und festgestellt, daß es Dinge gibt, die selbst jemanden mit seiner Berufserfahrung noch erstaunen können. Im Prinzip widerspricht das deutsche Familien"recht" jeglichem Menschenverstand - ein spanisches Gericht hat meines Wissens daiesbezüglich mal von "Unterhaltssklaverei" gesprochen.

Zitat

Genau das kritisiere ich und die Maxime.


Diese "Ex-und-Hopp"-Maxime ist unter anderem die Begründung für das Trennungsjahr, das in Deutschland einzuhalten ist, d.h. kann eine Scheidung außer bei Härtefällen oder Annullierung der Ehe vor einem Jahr nach Trennung nicht durchgeführt werden. Pikanterweise bekommt man aber mit Ablauf des Jahres, in dem die Trennung stattgefunden hat, bereits Steuerklasse I, als wäre man bereits geschieden.

Zitat

Scheidungen ohne Anwalt sind bei uns möglich. Unsere Damen und Herren Poliker wollen
diesen Umstand nun ändern - mit der lauwarmen und faulen Begründung, daß mit Anwalt
die einzelnen Partner besser geschützt sind. Was für ein Unsinn, wenn zwei sich einig sind,
bedarf es keines Schutzes. Ich vermute mal, das hier eher die Lobby der Anwälte
dahintersteckt, ist ja unter Umständen ein lukratives Geschäft.


Denke ich auch, denn vor allem stellt diese Begründung (die ich schon in anderer Form und bereits 2004 gehört habe) häufig die Frau als armes, schützenswertes Weibchen dar, daß vom bösen Mann leicht über den Tisch gezogen wird und daher unbedingt von Staatswegen beschützt werden muß. Die weiteren Konsequenzen dieses Denkansatzes erspare ich den Lesern hier aber.

Zitat

Der würde aus dem
*Piep* nicht mehr herauskommen, wenn ich mal loslegen würde.


*grins*
Nunja, eine wirkliche "Unbilligkeit" scheint es nicht zu geben, es gibt Fälle, in denen Ehegattenunterhalt zwar reduziert, aber nicht "unbillig" wurde, in denen die Unterhaltsberechtigte versucht hat, den Unterhaltsverpflichteten zu ermorden. Begründet wurde dieses relativ schwammig mit "Härte gegen das Kind" (!). Da fehlen selbst mir mit meiner großen Klappe die Worte.

Zitat

Was ich nur nicht verstehen kann... schämen sich diese Frauen nicht ? Wie schläft
und lebt man mit dem Wissen, den Expartner womöglich in den Ruin getrieben zu
haben oder damit, wie sehr es einen Vater kränkt, sein(e) Kind(er) nicht mehr
oder kaum sehen zu dürfen ? Das Gleiche gilt natürlich umgekehrt für Männer, die
ihren Exfrauen selbiges antun.


Naja, ich denke, bei Boshaftigkeit und deren Ausprägungen tun sich beide Geschlechter herzlich wenig, ich denke, derartige Schweinecharakter sind bei beiden Seiten gleichmäßig verteilt.

Ich denke, wenn man einem Menschen die Gelegenheit gibt, sich an einer für sich selber negativ besetzten Person zu "rächen", dann werden die meisten Menschen zu diesem Mittel greifen. Insbesondere wenn es so etwas aufwändiges und effektives ist wie die Rache durch löcherige Gesetze oder deren Ausführung.

Wichtig ist meiner Meinung nach immer, sich vor Augen zu halten, daß die Vermeintlichen Vorteile und Benachteiligungen nicht wirklich geschlechtsbezogen sind, sondern hausgemacht sind. Und welcher Mensch würde nicht einen bequemen Weg zu welchem Ziel auch immer ausschlagen...

Gruß, Xe
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Aniram
Gast
« Antwort #13 am: 27. Juli 2005, 19:21:28 »

Lieber Xe !

 
Zitat
...häufig die Frau als armes, schützenswertes Weibchen dar, daß vom bösen Mann leicht über den Tisch gezogen wird und daher unbedingt von Staatswegen beschützt werden muß


Ja ich weiss... wir armen Frauchen *ironisch guck*

 
Zitat
Nunja, eine wirkliche "Unbilligkeit" scheint es nicht zu geben, es gibt Fälle, in denen Ehegattenunterhalt zwar reduziert, aber nicht "unbillig" wurde


Ich kann es langsam nicht mehr hören. Jede Frau kann arbeiten gehen und sich selbst
erhalten. Zweitfrauen müssen es ja auch können oder impliziert das Wörtchen "zweit"
auch 2. Klasse ? Scheinbar ja. Manchmal kann sie vielleicht keine großen Sprünge machen,
aber das können andere auch nicht.

Gut... das Argument keine Arbeit zu bekommen, dieses Einwand muss man aufgrund des
desolaten Arbeitsmarktes unter Umständen gelten lassen. Es wird aber trotzdem zu
unterscheiden sein, wer nicht arbeiten will oder tatsächlich keine Arbeit findet. Ich lese
laufend davon, daß die Männer an die 40 Bewerbungen (?) pro Woche vorweisen müssen.
Was spricht dagegen, das auch von den Frauen zu fordern ? Das Argument der
Kinderbetreuung lasse ich nur im Extremfall gelten, was so vielen anderen Frauen abverlangt
 wird und gelingt, das kann von den "Anderen" egal ob jetzt geschieden oder aus einer getrennten
Lebenspartnerschaft, auch verlangt werden.

Es gibt genügend Dämchen in Deutschland, die nicht die Bohne daran denken zu arbeiten
und lieber vom Ex leben, wo ihnen der Staat doch diese herrliche Option offen läßt.

Hier liegt doch der Hund begraben. Ich habe es hier schon mehrfach angemerkt, daß sich
der Staat bei tatsächlicher Arbeitslosigkeit meiner Meinung nach, nicht so einfach aus
seiner Verantwortung stehlen kann oder er wird irgendwann das Ergebnis ausbaden müssen,
nämlich, daß immer weniger Kinder geboren werden. Wenn ich mir die diesbezüglichen Klagelieder
vor Augen halte, ist das , wenn auch aus verschiedenen Gründen, bereits eingetreten.

 
Zitat
Und welcher Mensch würde nicht einen bequemen Weg zu welchem Ziel auch immer ausschlagen...


ICH und genügend andere auch, wage ich mal keck zu behaupten. Es ist eine Sache des
Charakters. Ich bin bei Gott kein Engel und will mich hier auch nicht als solcher darstellen,
aber auch die billigste Rache hat irgendwo ein Ende.

Ich frag mich langsam, warum ich mich so ausfranse (Xe wird den Ausdruck als Fast-Wiener
mittlerweile bestimmt kennen), wo es mich doch gar nicht persönlich betrifft, aber mich macht
 diese Ungerechtigkeit krank.

Wieder mal frustrierte Grüße

Marina
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