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vatersein.de - Forum 21. November 2017, 20:05:11 *
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Autor Thema: Grundsatzdiskussion: Bedingungsloses Grundeinkommen [..die spinnen die Schweizer]  (Gelesen 16297 mal)
Loge
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aka Clochard


« am: 08. Juni 2016, 08:52:19 »

Hi,

am 05.06.2016 fand in der Schweiz eine Volksabstimmung statt. Das schweizer Volk durfte sich fü oder gegen ein bdingungsloses Grundeinkommen entscheiden. Das bedingungsloses Grundeinkommen sollte für jeden Erwachsenen SFr 2500.- und für jedes Kind Sfr 650.- betragen. Nur 22% der schweizer Bürger stimmten für und 77,9% stimmten gegen das bedingungslose Grundeinkommen.

Ich finde es immer wieder befremdlich wie sich die Menschen selbst im Wege stehen. In Zeiten des größten Wohlstandes, einer hohen Industrialisierung und Automatisation, einer immer größere werdende Schere zwischen Arm und Reich und hoher Arbeitslosenzahlen lehnen genau die Bürger eine bedingungslose Grundsicherung ab.

bb
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Mrs_Mima
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« Antwort #1 am: 08. Juni 2016, 09:25:24 »

und wer denkst du, hätte das finanzieren sollen?

Mima
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MontyPython
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« Antwort #2 am: 08. Juni 2016, 09:34:09 »

Mima, da gubt es durchaus realistische Finanzierungskonzepte. Überleg mal wieviel in D alleine in der Verwaltung wegfallen würde, wenn nicht jeder ALG II-Antrag aufwändig manuell geprüft werden müsste...  Anscheinend war die Angst vor dem Unbekannten dann doch zu groß, denn die Idee an sich wird mittlererweile auch von vielen Wirtschaftsfachleuten sehr positiv bewertet!
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Mux
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« Antwort #3 am: 08. Juni 2016, 09:58:29 »

Die spinnen, die Schweizer...aber zum Glück nur 22 %  rofl2

Das Problem ist ein umgekehrtes: Die Sozialleistungen müssen überflüssig werden und nicht ausgeweitet. Ein Ideal wäre für mich: Alle in Arbeit; die Arbeit wird vernünftig bezahlt, so dass man gut davon leben kann und sich mit der sonstigen Lebensführung vereinbaren lässt (flexible Arbeitszeit, Teilzeit etc.).

Wer sich den Bundeshaushalt anschaut und sich den Anteil der Transferleistungen vergegenwärtigt, versteht, warum die Arbeitssituation so ist, wie sie ist. Die wenigen (Idioten), die noch einer regulären Arbeit nachgehen, müssen die Transferleistungen erbringen. Daher wird bei denen das letzte Quentchen rausgequetscht, was geht. Der Druck steigt immer mehr, die meisten, die einer einigermaßen anspruchvolleren Arbeit in Vollzeit nachgehen, müssen die Arbeit erledigen, die in vergangenen Zeiten zwei o. drei Leute erledigt haben...irgendwoher muss das Geld ja kommen, übrigens: Nein, es kommt nicht aus der Bundesdruckerei.

LG,
Mux






 
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Mux
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« Antwort #4 am: 08. Juni 2016, 10:04:50 »

Überleg mal wieviel in D alleine in der Verwaltung wegfallen würde, wenn nicht jeder ALG II-Antrag aufwändig manuell geprüft werden müsste...

Erstmal hast Du keine Ahnung von der Verwaltung. Die fällt nie weg, sondern wächst immer weiter... rofl2

Und mal angenommen doch, wären die alle arbeitslos...wo ist da ein Vorteil?
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MontyPython
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« Antwort #5 am: 08. Juni 2016, 11:08:33 »

Und mal angenommen doch, wären die alle arbeitslos...wo ist da ein Vorteil?

Das Konzept ist natürlich nicht mal eben kurz erklärt, aber die beiden Grundgedanken sind:

1. Bedingungsloses Grundeinkommen z.B. 2500€ plus X € pro Kind für jeden, dafür Null Komma Nix an Transferleistungen, d.h. kein ALG, kein Kindergeld, kein Ehegattensplitting, kein Mietzuschuss,... Du bekommst dein Grundeinkommen und damit ist alles abgedeckt. Keine weiteren Ansprüche möglich und dementsprechend nix zu verwalten. Der vorhandene Etat für die aktuellen Sozialleistungen wird dafür freigestellt.

2. Menschen wollen arbeiten! Es ist davon auszugehen, dass sich die wenigsten auf diesem Grundeinkommen ausruhen würden, aber solche Pappnasen gibt's jetzt auch schon. Im Gegenteil, es wird mit verstärkten Engagement in sozialen Bereichen gerechnet. Und wer mehr verdienen will, muss natürlich weiterhin einen vernünftigen Job suchen, das wird ja nicht verboten. Und auch das Interesse, mehr Geld zu verdienen, wird ja nicht nachlassen.

Das ist natürlich ein mutiges Konzept, aber durchaus realistisch!
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Loge
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aka Clochard


« Antwort #6 am: 08. Juni 2016, 12:17:07 »

Hi,

die Staatsform der Schweiz ist die direkte Demokratie und kein Staat der Welt hat so weitreichende Volksrechte. So gibt es in der Schweiz viele Entscheidungen durch das Volk selbst, eben die durch die Volksabstimmung getroffenen. Bei einer Volksanstimmung müssen keine Argumente ausgetauscht werden sondern nur über die Entscheidung, hier bedingungsloses Grundeinkommen, ja oder nein abgestimmt werden.

Das bedingungslose Grundeinkommen soll jedem schweizer Staatsbürger die Anteilnahme am sozialen Leben ermöglichen. Wer mehr Geld möchte muss arbeiten.

Nun begreife ich nicht wie Staatsbürger denen ein Teil ihres Einkommens bedingslos gesichert werden soll dieses ablehnen.

Menschen eben.

Wie das bedingungslose Grundeinkommen realisiert werden wird ist nicht Sache der Bürger sondern Sache der Politik.

Und wen es interessiert gibt es viele Info im Net dazu.


@ Muc und Mima, sag mal würdet ihr beiden bei einer Abstimmung ob ihr einen Teil eures Gehaltes als gesichertes Grundeinkommen ausbezahlt bekommen würdet, also etwas bei Erwerbsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit, weil ihr eine Mama seid..., mit Nein stimmen, ehrlich?

Gruß
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midnightwish
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« Antwort #7 am: 08. Juni 2016, 12:25:25 »

Naja,

weil es auch ein gewisses Risiko in sich birgt.

Im Schweizer Modell ist mit eingeplant, dass alle Unternehmen einen finanziellen Teil für das Grundeinkommen beisteuern und auch die Steuern an sich steigen.

Damit ist es auch erste Sicht für Arbeitnehmer erstmal uninteressant. Sie müssen zum einen mehr Steuern zahlen und die Unternehmen werden an Lohnerhöhungen bzw. am Lohn überhaupt sparen.

Gut, man hat ein Grundeinkommen. Wenn ma ndarüber hinaus etwas verdient, dann zahlt man darauf noch meh Steuern und bekommt für seine Arbeit auch nicht mehr so viel wie bisher. Für jeden normal verdiendenen AN woh lerstmal ein Nullsummenspiel und kein Vorteil
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Ein gebrochenes Versprechen ist ein gesprochenes Verbrechen
United
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« Antwort #8 am: 08. Juni 2016, 12:30:03 »

Moin,

das Thema "Bedingungsloses Grundeinkommen" ist viel zu komplex, um es als unfinanzierbare Spinnerei abzutun.

Ein Ideal wäre für mich: Alle in Arbeit; die Arbeit wird vernünftig bezahlt, so dass man gut davon leben kann und sich mit der sonstigen Lebensführung vereinbaren lässt (flexible Arbeitszeit, Teilzeit etc.).
Natürlich wäre das ideal. Das BGE bezieht sich aber nicht nur auf die, die nicht arbeiten wollen (weil es sich nicht lohnt), denn die haben es im Grunde ja schon heute.
Es geht hier auch um eine Umfinanzierung der Kosten für die, die nicht arbeiten können/sollen (z.B. Kranke/Renter).

Das ist natürlich ein mutiges Konzept, aber durchaus realistisch!
2.500 EUR (oder wie in der Schweiz 2.500 SFr) sind eben nicht realistisch und ich denke, die große Ablehnung resultiert vor allem auch aus der veranschlagten Höhe.

Nichts desto trotz halte ich die Diskussion über ein "BGE" oder auch "Solidarisches Bürgergeld" für wichtig und sinnvoll.

<Hier> ein paar befürwortende Politiker-Ansichten zu diesem Thema.

Gruß
United
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Susi64
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« Antwort #9 am: 08. Juni 2016, 13:28:38 »

Hallo,

ich denke, dass das Bürgergeld auch daran scheitert, dass viele hart arbeitende Menschen letzlich auch nicht mehr als 1000 Euro haben und die sich dann fragen wieso es "alle" ohne Gegenleistung bekommen sollen.
Weiterhin will der Mensch etwas leisten und sein Geld nicht geschenkt bekommen. Es würden sich sicher auch einige finden, die in sozialen Einrichtungen täglich ein paar Stunden 4-6 für das Geld 1000 Euro oder natürlich noch besser 2500 Euro arbeiten würden. Selbst sogenannte 1-Euro-Jobber arbeiten gerne für das Geld solange sie sich dabei nicht ausgenutzt fühlen. ("Kettenverträge" mit immer anderen Personen).

Außerdem hängt unsere Wirtschaftsweise von der Nachfrage und dem technologischen Fortschritt (ich sage dazu bewusst nicht Wachstum) ab.
Es gibt nämlich genügend Bedarf nach Arbeitskräften im sozialen Bereich, da die Arbeitskräfte aber bezahlt werden müssen (Bedarf = zahlungskräftige Nachfrage!) gibt es keinen Bedarf.
In der Nachkriegszeit sind Auto und Haushaltsgeräte zu Massenprodukten geworden, die Erfindungen der Vorkriegszeit wurden in Produkte umgesetzt, die jeder haben wollte und durch die ständig steigenden Einkommen auch haben konnte.
Heute wird aber Wachstum selten durch neue Produkte erzeugt, sondern durch alte Produkte deren Herstellungskosten durch Lohndumping gedrückt wurden. Outsourcing ist letzlich nichts anderes.

Letzlich gibt es genügend Geld und Arbeit, nur kommen beide nicht richtig zusammen. Dieses Problem wird aber vom bedingungslosen Grundeinkommen nicht gelöst.
Vorstellbar wäre auch eine negative Einkommenssteuer, d.h. Einkommen bis ?? zahlen keine Steuern sondern ihr Einkommen wird auf ?? aufgestockt.

Ein bedingungslosen Grundeinkommen kann es nur bei einer Wirtschaftsweise geben. Nur habe ich keine Vorstellung wie man obige Funktionsweise revolutionieren kann, so dass Geld und Arbeit zusammen kommen.

VG Susi

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Loge
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aka Clochard


« Antwort #10 am: 09. Juni 2016, 08:29:31 »

Hi,

für mich existiert das Grundgehalt, Bürgergeld (dieses Wort ist so schlimm, meine Bürger meine Schäfchen :-)) in unterschiedlichsten Formen schon längst, ist aber immer an Bedingungen geknüpft.

Warum das Grundgehalt abgelehnt wurde liegt vielleicht nur daran, dass in der Schweiz die Arbeitnehmer durchschnittlich 6.118 CHF monatlich (~5.900 Euro monatlich – Stand April 2015) erhalten. Nirgendwo auf der Welt werden im Durchschnitt höhere Gehälter gezahlt! Im direkten Vergleich schließt Deutschland sehr viel schlechter ab, hier liegen die Durchschnittslöhne liegen bei nur knapp 3.500 Euro monatlich.

Und vielleicht liegt es daran, dass dieses bedingungslose Grundgehalt bei dem Lebensstandard in der Schweiz kaum zum überleben reicht.

Gruß
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oldie
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Bonnie 2


« Antwort #11 am: 09. Juni 2016, 09:47:37 »

Moin

Was beim einem BGE oft nicht beachtet wird, ist dass der Druck, auf einen mieserabel bezahlten Job angewiesen zu sein, schwindet. Das bedeutet auch im Umkehrschluss: unterbezahlte Arbeiten wie zum Beispiel im Pflegedienst, an der Kasse, Reinigungskräfte, Sicherheitsdienste usw. müssten finanziell aufgewertet werden und Arbeit so bezahlt werden, wie sie benötigt wird. Das würde vermutlich so einiges durcheinander wirbeln. Vielleicht würde es sich dann mal rechnen, auch derzeit miese Arbeiten zu tätigen.

Gruss oldie
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Wenige sind das, was sie vorgeben zu sein.
Und wenn ich es mir recht überlege - niemand.
Inselreif
Gast
« Antwort #12 am: 09. Juni 2016, 10:26:15 »

Hi oldie,

dieser Schuss kann kräftig nach hinten losgehen. Irgendwo muss das Geld herkommen und es ist ja nicht so, dass diese Arbeiten alle aus Raffgier des Unternehmers so schlecht bezahlt sind. Das heisst, die Produktpreise steigen.

Dann müssen zum einen die Kunden entscheiden, ob es ihnen das Geld wert ist. Was am Ende dazu führen kann, dass die gut bezahlten Jobs wieder wegfallen. Die Angestellten unserer Behördenkantine z.B. haben eine Zeit lang Mindestlohn bekommen - jetzt bekommen sie gar nichts mehr, weil mit dem Preisanstieg die Kundschaft wegblieb.

Zum anderen geht es zu Lasten der Sozialsysteme. Viele Jobs sind ja so schlecht bezahlt, weil Krankenkassen, Kommunen usw. einfach nicht mehr Geld haben. Was das unter den Rahmenbedingungen des BGE heisst, kann ich nicht beurteilen aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich ein Gleichgewicht halten lässt.

Man könnte natürlich überlegen, dank BGE zu Hause zu bleiben und Kinder und Alte kostengünstig selbst zu pflegen 

Gruss von der Insel
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oldie
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Bonnie 2


« Antwort #13 am: 09. Juni 2016, 10:44:34 »

Moin Inselreif

Ich höre bei Dir ganz deutlich heraus, dass auch Du die ungerechte Bezahlung vieler Tätigkeiten erkennst. 
Allerdings geht bei mir der Schuss nach vorne los. Ich finde, dass es Zeit wird, Arbeit entsprechend ihrer Bedeutung und ihrer Notwendigkeit zu bewerten, auch wenn dann die Preise steigen. Andererseits gibt es genug außerordentlich gut bezahlte Arbeit, die diese Bezahlung nicht wert ist, ja eher als Schweige- oder Küppelgeld verstanden werden müsste. Da könnte es dann vielleicht Einsparpotential geben.

Gerechtigkeit hat ihren Preis.

Gruss oldie
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United
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« Antwort #14 am: 09. Juni 2016, 10:47:40 »

Moin,

ich habe mir mal die Homepage der Initiatoren angeschaut.

Und vielleicht liegt es daran, dass dieses bedingungslose Grundgehalt bei dem Lebensstandard in der Schweiz kaum zum überleben reicht.
In der Tat muß ich mich hinsichtlich der Vermutung, die Höhe (2.500 SFr) wäre der Ablehnungsgrund, eher revidieren.
Der sozialrechtliche Grundbetrag für einen Alleinstehenden in bspw. Zürich liegt bei 1.200 SFr, hinzu kommen bis zu 1.300 SFr für Miete (Quelle). D.h. der Betrag liegt am Existenzminimum.

Vielleicht würde es sich dann mal rechnen, auch derzeit miese Arbeiten zu tätigen.
Genau dieser Arbeitsanreiz-Aspekt wird durch die Initiatoren in meinen Augen vernachlässigt.

Die Finanzierungsidee (<hier> eine grafische Darstellung) kappt die Löhne der Privatwirtschaft (AG zahlt BGE-Abgabe anstelle Lohn, AN erhält gekappten Lohn plus BGE).

Unmittelbare Gewinner wären also in erster Linie die Sozialleistungsbezieher (aufgrund der Bedingungslosigkeit).
Niedriglöhner wären zunächst ebenfalls Gewinner ... de facto haben sie aber das gleiche Einkommen wie ein "Nur-BGE-Empfänger".

Insofern lässt sich dieses Gegenargument nicht von der Hand weisen (Quelle):
Zitat
Warum soll jemand eine mehrjährige Lehre absolvieren, wenn die Kollegen gleichzeitig in der Badi liegen und am Ende des Monats trotzdem gleich viel Geld auf dem Konto haben? Warum soll jemand eine Teilzeitstelle annehmen, wenn er damit weniger als das Grundeinkommen verdient? Und wer macht überhaupt noch einen Job, bei dem er trotz Vollzeitpensum nur ein paar Hunderter mehr verdient, als wenn er sich voll und ganz seinen Hobbies widmet?

Wenn keiner mehr die Arbeit macht, müssten die Löhne steigen, was unmittelbar zu erhöhten Kosten führt (vgl. die Insel-Argumente).

Meine Meinung: Ein Modell sollte so gestrickt sein, daß sich bereits der erste EUR Hinzuverdienst lohnt.
Das ist beispielsweise beim Modell des "Solidarischen Bürgergeldes" der Fall.
Allerdings ist in dortigen Beispielrechnungen das Bürgergeld ab 1.600 EUR aufgezehrt, der Erwerbsanreiz sinkt.

Fakt ist aber: Irgendwer muss am Ende weniger haben als zuvor. "Mehr Geld für alle" ist und bleibt Utopie.

Gruß
United
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« Antwort #15 am: 09. Juni 2016, 15:01:56 »

Zitat
Warum soll jemand eine mehrjährige Lehre absolvieren, wenn die Kollegen gleichzeitig in der Badi liegen und am Ende des Monats trotzdem gleich viel Geld auf dem Konto haben?

Weil der überwiegende Teil der Bevölkerung arbeiten will. Die Mehrheit findet es eher bemitleidenswert, wenn jemand den ganzen Tag im sozialen Netz abhängt...
 
Zitat
Warum soll jemand eine Teilzeitstelle annehmen, wenn er damit weniger als das Grundeinkommen verdient? Und wer macht überhaupt noch einen Job, bei dem er trotz Vollzeitpensum nur ein paar Hunderter mehr verdient, als wenn er sich voll und ganz seinen Hobbies widmet?

Das funktioniert natürlich nur, wenn du dein Gehalt zusätzlich zum BGE bekommst. Nochmal: das BGE bekommt ausnahmslos jeder. Wenn ich dann zusätzlich arbeite, geht der Verdienst  on top. Das wird dann wegen der erhöhten Abgaben sicher weniger sein als jetzt, aber es würde sich natürlich trotzdem lohnen. Selbst der Mindestlohn von lächerlichen 8,50 € würde dann Sinn machen.

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Mrs_Mima
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« Antwort #16 am: 09. Juni 2016, 15:16:04 »

ja, aber überlegt doch mal an (m)einem Beispiel:
ich (mit 3 kids, 17, 6 und 2) gehe 30h/Woche für 1900 brutto arbeiten.
Ich renne mir tagtäglich die Hacken ab (Arbeit/Kinder/Wohnung/Einkauf/Wäscheberge....)
Mit UHV und Kindergeld hab ich mit den kids ca 2400€ zur Verfügung.

Glaubt hier wirklich jemand, dass ich mich, wenn mein bedingungsloses Grundeinkommen +-2500 betragen würde, ich mehr als irgendwelchen ehrenamtlichen Kram machen würde?
Oder ich bekomme JEDEN cent on top ausgezahlt.
Denn mit 60% Steuern (oder so) wäre es mir das nicht wert.

Obwohl ich meinen Job liebe.

Mima
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oldie
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Bonnie 2


« Antwort #17 am: 09. Juni 2016, 17:42:47 »

Moin

Glaubt hier wirklich jemand, dass ich mich, wenn mein bedingungsloses Grundeinkommen +-2500 betragen würde, ich mehr als irgendwelchen ehrenamtlichen Kram machen würde?
Denn mit 60% Steuern (oder so) wäre es mir das nicht wert.
Ich. Ich glaube es. Oder Du liebst Deinen Job wohl doch eher nicht.  

Ich möchte sagen, dass sich jeder etwas genauer überlegen würde, mit einem doch eher geringen Einkommen (gemeint ist das BGE, oder auch das von @united beschriebene "Solidarischen Bürgergeld" etc.) nur seinen Hobbys nachzugehen, welche dann eher minimalistisch finanzierbar wären. Ohne Frage, auch solche wird es geben. Nur möchte ich vermutlich mit denen auch nicht zusammen arbeiten wollen. Die finden auch heute Wege, zu Lasten von Mitarbeitern sich zu drücken und ihre Nische zu finden.

Gruss oldie
« Letzte Änderung: 09. Juni 2016, 19:06:12 von oldie » Gespeichert

Wenige sind das, was sie vorgeben zu sein.
Und wenn ich es mir recht überlege - niemand.
gardo
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« Antwort #18 am: 09. Juni 2016, 21:32:54 »

Wahre Worte, oldie! thumbup
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Bitumen
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« Antwort #19 am: 09. Juni 2016, 22:04:47 »

Ich bin ein Befürworter eines BGE allerdings befürchte ich, dass ein Großteil davon durch steigende Preise, Mieten, etc abgeschöpft werden würde (Inflation), da es sich ja um eine generelle "Lohnerhöhung "  für alle handeln würde. Die Idee ist gut, die Ausgestaltung müsste gut durchdacht werden.

Auch ich glaube, dass nicht wesentlich mehr Menschen dies ausnutzen würden als dies heute schon der Fall ist, ich gehe sogar davon aus, dass die Gesellschaft sich deutlich weiterentwickeln würde, Krankheitsraten deutlich rückläufig wären, viele Probleme mit dem Nachwuchs bei freiwilliger Feuerwehr, ehrenamtlichen Tätigkeiten gelöst würden.

Wir werden etwas in der Richtung benötigen, da es künftig nicht mehr genug Arbeit für Menschen geben wird. Die Wertschöpfung wird immer mehr durch Computer, Digitalisierung und Roboter erfolgen, weit stärker und schneller als wir dies bisher erlebt haben, aber dies bedeutet nur, dass wir uns auch in gesellschaftlicher Hinsicht weiterentwickeln müssen, Steuern eben nicht mehr am Menschen festgemacht werden dürfen, soder z.B. an Wertschöpfung, Kapitalbesteuerung etc

Ich würde weiterarbeiten....im gleichen Job, hätte vielleicht 2 Kinder mehr 

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Beim Umgang mit PLS-Patienten gilt es immer zu berücksichtigen, dass Realität, Fakten und Logik in der Welt des Betroffenen keinerlei Bedeutung haben. Auch können die meisten PLS-Patienten nicht mit Kritik umgehen, das gilt für jede Form der Kritik, also gerade auch positive oder konstruktive Kritik
Debugged
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« Antwort #20 am: 09. Juni 2016, 23:23:34 »

.irgendwoher muss das Geld ja kommen, übrigens: Nein, es kommt nicht aus der Bundesdruckerei.

Noch nicht, aber die EZB wird ja wohl bald das Helikoptergeld über uns abwerfen, wenn man Herrn Draghi Glauben schenken darf.

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Selten in der Geschichte hatten so viele so wenigen so viel zu verdanken. (Winston Churchill)
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Bonnie 2


« Antwort #21 am: 09. Juni 2016, 23:43:05 »

Moin

..., aber die EZB wird ja wohl bald das Helikoptergeld über uns abwerfen ...
Tut sie bereits schon lange. Das sowohl Du als auch ich nichts davon spüren mag daran liegen, dass unserer beider Finanzinstitute diesen Segen der Null-Zins-Politik nicht an uns weiterreichen. Stell Dir mal vor: Haus-, Auto, Konsumgutfinanzierung mit lediglich einer marginalen Bearbeitungsgebühr (Kosten des Hauses). Sei ehrlich, ohne Zins zu effektiv 5% ist da nichts drin. Frage: Warum? Und das seit Jahren. Aus Geld (oder Null Einsatz an tatsächlich notwendiger Basis) wird Geld geschöpft - heute sogar hoch drei.

Wer ist der Hr. Draghi? Unter Kritik der letzte Absatz gefällt mir symptomatisch in Bezug auf das gesamte Gewerbe.

Gruss oldie

PS: Beim Kauf meines letzten Fernsehers vor ca. 3 Jahren wurde ich - strenger Barkäufer - angebettelt, doch einer Null-Zins-Finanzierung zuzustimmen. Nach einigem Hin und Her willigte ich ein. Für einen Preisnachlass von 200€ erhielt ich eine um 2 Jahre verlängerte Garantie für 150€. D.h.: ich kaufte das Ding für 50€ weniger, bekam dafür eine um 2 Jahre verlängerte Garantie. Mein Preis: persönliche Daten an den Verkäufer und die involvierte Bank. Aus heutiger Sicht sage ich: nie wieder. DIESER Preis war zu hoch - behauptet jedenfalls mein Briefkasten. Nettes Fazit nebenbei: ein falscher Eintrag einer Handelskette zu meiner Kreditwürdigkeit dürfte über meine hierbei nachgewiesene Zahlungsfähigkeit abgeschwächt werden - bei diesen Krähen wie Schufa und das ganze andere Gesocks.
« Letzte Änderung: 10. Juni 2016, 00:24:38 von oldie » Gespeichert

Wenige sind das, was sie vorgeben zu sein.
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« Antwort #22 am: 10. Juni 2016, 08:41:25 »

Moin,

Nochmal: das BGE bekommt ausnahmslos jeder. Wenn ich dann zusätzlich arbeite, geht der Verdienst on top.
@Monty: Ich denke, Du hast weder meinen Beitrag korrekt gelesen, noch das, was die Schweizer Initiatoren vorhatten ...

Nochmal: Die Idee des BGE finde ich gut und die Diskussion darüber richtig.

Aber: Mit dem Versprechen "alle haben mehr" lassen sich vielleicht Wahlen gewinnen, volkswirtschaftlich sinnvolle Lösungen aber eher nicht umsetzen.

Die Finanzierungsidee der Schweizer war eben nicht, daß jeglicher Verdienst "on top" geht, sondern daß beim arbeitenden Teil der Bevölkerung ein Teil des Lohnes "ersetzt" wird.

Weil der überwiegende Teil der Bevölkerung arbeiten will. Die Mehrheit findet es eher bemitleidenswert, wenn jemand den ganzen Tag im sozialen Netz abhängt...
... und genau dieser überwiegende Teil der Bevölkerung will nicht dem unterwiegenden Teil sein Hobbyleben bedingungslos finanzieren.

Das hat das Abstimmungsergebnis deutlich gezeigt.
... und daß die Schweizer mit diesem Ergebnis bewiesen haben, daß sie sich ihre Mündigkeit offensichtlich verdient haben (weil sie sich mit dem Thema beschäftigen, über das sie abstimmen), verdient großen Respekt.

Der deutsche Wähler tendiert eher dazu, ein Kreuz in regelmäßigen Abständen auf Basis von irgendwelchen toll lautenden Versprechungen zu setzen, um sich dann vier Jahre lang zu beschweren, daß alles schlechter wird (was tatsächlich nicht der Fall ist).
Bei uns gewinnt der, der die besseren (gerne auch: einfacheren) Parolen hat, nicht der, der das beste Konzept vorweist.

"Alle haben mehr" funktioniert nur in einigen theoretisch Ansätzen. Nicht in realen Volkswirtschaften. Jedenfalls nicht langfristig ...

Gruß
United
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« Antwort #23 am: 10. Juni 2016, 11:02:09 »


Menschen wollen arbeiten! Es ist davon auszugehen, dass sich die wenigsten auf diesem Grundeinkommen ausruhen würden


Ich muss heftig lachen. Vor allem die, die unter 2500€ verdienen werden begeistert arbeiten gehen während daheim welche rumsitzen und mehr Geld dafür bekommen. Oder werden die dann auf 2500 aufgestockt? Wie denn, so ganz ohne Verwaltung?
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« Antwort #24 am: 10. Juni 2016, 11:21:18 »

Ich glaube, da schreiben wir gerade herrlich aneinander vorbei...

In der Tat habe ich das Schweizer Modell nur überflogen, weil sich die BGE-Modelle alle ähneln. Das Gehalt kommt natürlich nicht zu 100% zum BGE dazu, da werden wesentlich höhere Abgaben fällig als jetzt. Trotzdem bleibt es grundsätzlich dabei, dass das persönliche Eimkommen höher wäre, wenn ich einer bezahlten Arbeit nachgehe.

Vor allem die, die unter 2500€ verdienen werden begeistert arbeiten gehen während daheim welche rumsitzen und mehr Geld dafür bekommen. Oder werden die dann auf 2500 aufgestockt? Wie denn, so ganz ohne Verwaltung?

Nein, ich verstehe die meisten BGE-Modelle wie folgt: ausnahmslos jeder bekommt x.000 €, wer arbeitet, verdient sein Gehalt, muss darauf relativ hohe Abgaben bezahlen und hat am Ende das BGE plus z.B. 50% seines Gehaltes. Dieses Plus haben Menschen, dir nicht arbeiten, eben nicht.

Und ganz ohne Verwaltung geht's natürlich nicht, aber dass es weniger aufwändig ist, einen festen Betrag an alle zu verwalten als unser jetziges Monsterwerk an ALG-Regeln und Sozialgesetzen ist ja wohl klar...
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