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Autor Thema: Geschichte einer Familie, die der Vater nicht verdient  (Gelesen 654 mal)
meitje
Frischling

Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 4


« am: 04. März 2005, 11:43:51 »

Hallo,
ich schreibe hier als verlassene Frau und Mutter. Mein Mann und ich hatten eigentlich eine gute Beziehung über 17Jahre (aus meiner Sicht). Wir hatten im letzten Jahr äußerlich viele Stressfaktoren (Hausbau, Arbeit, Geld). Ich war im 8.Monat mit unserem dritten Kind schwanger, als mein Mann sich einen Seitensprung über das Internet gesucht hat. Diesen hat er zu einer Affäre ausgebaut, die ich nach 5Wochen bemerkte. Er hat sich in diese Frau verliebt. Ich habe darunter sehr gelitten. Ich konnte es absolut nicht verstehen, war völlig außer mir, hatte Wutanfälle und Heulkrämpfe. Dann kam in der Schwangerschaft den ersten Nervenzusammenbruch und war 11Tage im Krankenhaus und bekam Beruhigungsmittel. Die Schwangerschaft war schon im Vorfeld gefährdet. Mein Mann hat sich während der Zeit um unsere anderen beiden Kinder (knapp 5 und knapp 2Jahre) gekümmert, da meine Schwiegereltern verreist waren. Kaum waren die wieder da, hat er meine Schwiegermutter vor die Wahl gestellt, sich um die Kinder zu kümmern oder er nimmt sie mit zu seiner Geliebten. Sie hat sich dann um die Kinder gekümmert, bis ich aus dem Krankenhaus kam (Entlassung auf eigenen Wunsch). Er kam dann wieder nach Hause und verschwand zwischenzeitlich zu seiner Geliebten. Es ging mir dann zum Ende der Schwangerschaft sehr schlecht.  Ich habe stark Gewicht verloren, das Kind zeige zeitweise Entwicklungsverzörerungen und meine Blutwerte waren sehr schlecht. Ich musste alle zwei Tage zur Kontrolle ins Krankenhaus, immer mit der Option auf Notkaiserschnitt.  Das Kind wurde dann aber normal geboren, hatte aber eine Infektion und musste auf die Intensivstation. Plötzlich wollte mein Mann zurück. Da ich ihn immernoch liebe wollte ich uns eine Chance geben. Wir haben viel geredet und ich dachte er ist zur Vernunft gekommen. Er meinte, wäre wohl doch alles nur sexuell gewesen und er würde mich noch lieben. Das war aber ein Irrtum.  Er beendete die Beziehung zu der anderen Frau nicht und ist 4Wochen nach der Geburt unseres Sohnes zu ihr gezogen, weil ich dieses hin und her nicht ertragen konnte. Ich hatte trotzdem noch Hoffnung er würde wieder zur Vernunft kommen. Leider ist er es nicht. Wir sind jetzt seit 3,5Monaten getrennt. Er holt die beiden "großen" mehr oder weniger regelmäßig alle 2Wochen einmal über Nacht. Mit dem Baby hat er keinen weiteren Kontakt. Ich selbst komme mit der Trennung garnicht zurecht. Ich bin wieder zusammengebrochen und habe seitdem schwere Depressionen. Ich bin in psychologischer Behandlung und bekomme  Antidepressiver und Beruhigungsmittel. Die Kinder leiden auch unter der ganzen Situation. Meine Ärztin hat das Jugendamt eingeschaltet, da ich nicht mehr in der Lage  bin drei kleine Kinder zu versorgen und eigentlich in eine Klinik sollte. Das hätte für die Kinder aber im schlimmsten Fall Pflegefamilie bedeutet. Ich habe jetzt eine Einzelfallhelferin. Mir wurde bereits mehrfach geraten darüber nachzudenken, den Kontakt für mich und die Kinder zum Vater für eine Weile einzustellen. Da es mir und auch den Kindern an bzw. nach den Umgangstagen besonders schlecht geht. Mein Mann ist in keinster Weise gemein oder schlecht zu den Kindern. Es liegt einfach an der ganzen Situation. Außerdem würde ich damit wohl meine Schwiegermutter auch noch gegen mich aufbringen. Sie ist die einzig wirkliche Unterstützung, die ich habe, da wir nebeneinander wohnen. Ich fahre jetzt zur Kur und hoffe, daß es danach besser wird. Wenn nicht, weiß ich nicht mehr was ich tun soll. Dazu kommt auch, daß mein Mann nicht genug Unterhalt zahlt. Mein Anwalt hat mehr als das doppelte berechnet, als wie er zahlt. Wir haben aber noch Schulden, da wir ja ein Haus bauen wollten. Er hat wirklich nicht allzuviel Geld. Aber ich komme so einfach nicht zurecht. Ich liebe ihn immernoch, will ihn immernoch zurück. Ich will ihm nicht schaden, aber es geht nicht mehr. Er hat unser ganzes Leben und die Familie zerstört.
Ich weiss nicht was ich tun soll.  
meitje
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Papa Nico
Nicht wegzudenken
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Geschlecht: Männlich
Beiträge: 763



« Antwort #1 am: 04. März 2005, 12:16:25 »

Hallo meitje
und Willkommen hier!

Dass Trennung immer ein schwerer Schlag vor allem für den Verlassenen ist, dass steht sicher zweifelsfrei fest. Was sicher in deinem Fall hinzukommt, ist die Schwangerschaft. Puuh, das macht es schon sehr schwierig.

Dein Mann hat sich eine Affaire geleistet. Es steht nun so da, ändern kann man das leider nicht. Und trotzdem liebst du ihn, es ist auch irgendwo verständlich. Vielen, die hier eine Geschichte hinterlassen, trauern ihren Partnern nach, weil es immer noch Liebe ist, die die Gefühlswelt beherrscht. Es macht auch wenig Sinn, diese Trauer zu verdrängen, oft holen einen diese Dinge wieder schnell ein und dann wirken sie sich unterbewußt massiv aus. Deshalb kann ich dir nur den Tip geben, diese Gefühle rauszulassen. Reden und Weinen gehört dazu!

Viel hast du von deinen Eltern nicht geschrieben... Wie stehen sie dazu? Ich glaube doch, dass sie die ersten Personen sind, die dir zur Seite stehen und dir helfen. Gehe auf sie zu. Um Hilfe bitten ist nicht schlimm - du kannst es brauchen. Eine Entlastung bezüglich der Kinder würde dir gut tun, damit du mit der Trennung umgehen lernst und deine Gefühle ausleben kannst. Ich denke, bei drei Kindern ist man oftmals sehr blockiert. Ich kenn das, habe auch drei Zwerge!

Ob du deinen Mann wieder zurück haben willst, entscheidest du selbst. Vielleicht helfen dir aber ein paar Fragen, die ich von kritischer Seite stellen will. Die Liebe und Sehnsucht ist das eine - das Vertrauen und die gegenseitige Umgangsweise das andere! Kannst du denn deinem Mann noch vertrauen? Hat er dich nicht schon zweimal belogen? Denkst du, dass du damit abschließen könntest? (Ich könnte es nach dieser Zeit sicher nicht, weil ich nicht täglich bangen wollte, ob es wieder einen Rückfall gäbe..) Könntest du dir vorstellen, dass er sich grundlegend in seiner Einstellung ändert?

Thema Umgang:
Er nimmt sich offensichtlich die Kinder, wie es ihm passt. Hier solltet ihr vorerst eine Regelung finden - am besten schriftlich. Du musst auch wissen, wann du Zeit für dich hast - das brauchst du jetzt!

Thema Unterhalt:
Solange noch nichts klar ist, solltest du das Gespräch zu ihm suchen. Es wäre auch möglich, dass dein Anwalt ihn mal anschreibt, ohne dabei die Fronten aufzubauen. Dränge ihn aber schon mit einfachen Argumenten (Zahlen deiner Haushaltsrechnung), dass du eine Absicherung für die Kids und auch dich brauchst. Wenn du dabei betonst, dass es dir nicht um Abzocke geht, wird er sicher einlenken.

Alles andere beim nächsten Mal!

Halte den Kopf hoch, auch wenn's schwer fällt.

Ich schenk dir ein Lächeln  

Nico
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Der eine wartet, daß die Zeit sich wandelt.
Der andere packt sie kräftig an - Und handelt.
(Dante)
meitje
Frischling

Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 4


« Antwort #2 am: 05. März 2005, 09:50:34 »

Hallo Papa Nico,
er will garnicht zurück. Er ist sehr zufrieden mit seinem neuen Leben und der neuen Frau.  Die Gefühle sind nur von meiner Seite. Die Frage ob ich ihm jemals wieder vertrauen könnte, kann ich nicht beantworten. Er hat sich im Wesen komplett geändert. Ich verstehe sein ganzes Verhalten nicht. Aber ich würde es schon allein wegen der Kinder nocheinmal mit ihn versuchen.
Auf der einen Seite will er die Kinder, auf der anderen scheinen sie ihm egal. Er macht mir Vorwürfe wie ich mit den Kindern umgehe. Nur was soll ich tun? Ich bin völlig überlastet.  Bitte ich ihn um Hilfe, weil es mir sehr schlecht geht, schiebt er seine Arbeit vor.
Dazu kommt der finanzielle Ärger. Ich war wirklich sehr entgegenkommend. Habe nicht auf den  vollen Unterhalt bestanden, weil ich weiss er kann nicht soviel zahlen.  Würde ich auf mein Recht bestehen hätte es für ihn heftige Folgen. Ich habe jede Puffermöglichkeit genutzt die ich bekommen habe. Habe von meinem wenigen Geld auch noch einen Teil der Schulden gezahlt. Obwohl ich selbst noch einige Anschaffungen machen müsste.
Aber das alles sieht er nicht.
Ich soll mich entlich wie eine liebende Mutter benehmen und mein Leben selbst in die Hand nehmen.  Ja super, er haut alles kaputt und ich soll aus dem Schutt was neues bauen. Und das ich psyschisch zusammenbreche, liegt nur daran, daß ich mich gehen lasse. Danke auch!
Unterstützung von Freunden und Familie habe ich fast garnicht. Die einzige Hilfe ist meine Schwiegermutter und die hält doch letztlich zu ihrem Sohn. Sie findet was er tut schlecht, aber es ist ihr Sohn.
Nein, ich werde wohl auch zu einer solch bösen Exfrau werden, die ihrem Mann die Kinder entzieht und ihn nurnoch zahlen lässt. Ich leide sehr unter der Trennung, komme damit nicht klar und muss für meine Kinder da sein.  Ich schätze ich werde in eine andere Stadt ziehen, weg von allen Erinnerungen, weg von den Verletzungen und alles weitere nurnoch über Gerichte laufen lassen. Hier gibt es nichts was mich noch hält.  Andernfalls werde ich wohl über Monate und Jahre immer mit einem Bein in der Psychatrie stehen. Das ist sicher nicht im Sinne der Kinder. Soviel zum gemeinsamen Traum vom Leben und der Familie.
frustriert und hilflos
meitje
Gespeichert
Papa Nico
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Geschlecht: Männlich
Beiträge: 763



« Antwort #3 am: 05. März 2005, 14:19:52 »

Hallo meitje!

Denkst du, dass es Sinn machen würde, wenn du nur der Kinder wegen mit ihm zusammen bleibst? Denkst du, dass eine Beziehung aus Zwang bestehen kann? Denkst du, dass die Kinder nicht merken würden, dass etwas nicht stimmt? Denkst du, dass deine Kinder unter den Konflikten zwischen euch nicht auch leiden?

Nur er will es nicht mehr mit dir versuchen! Die Trauer, so verständlich wie sie ist, wird dich aber auf lange Sicht nicht weiterbringen. Sie wird dir nur die Kraft rauben, deine neue Zukunft anzupacken.

Zitat
Er macht mir Vorwürfe wie ich mit den Kindern umgehe. Nur was soll ich tun? Ich bin völlig überlastet. Bitte ich ihn um Hilfe, weil es mir sehr schlecht geht, schiebt er seine Arbeit vor.
Suche dir besser jemanden anderen!!! Renne ihm nicht hinterher. Du machst dich einerseits fertig und vor ihm zu Affen, andererseits rennst du nur vor Wände, erreichen wirst du nichts!

Zitat
Nein, ich werde wohl auch zu einer solch bösen Exfrau werden, die ihrem Mann die Kinder entzieht und ihn nurnoch zahlen lässt. Ich leide sehr unter der Trennung, komme damit nicht klar und muss für meine Kinder da sein. Ich schätze ich werde in eine andere Stadt ziehen, weg von allen Erinnerungen, weg von den Verletzungen und alles weitere nurnoch über Gerichte laufen lassen.
Das solltest nun nicht so negativ sehen. Nein, du wirst nicht zu einer solchen!!! Dafür bist du hier und hast sicher schon einige Story's gelesen. Ich denke, dass ist dich der Weg, den du gehen willst!!!

"Stelle dich deiner Zukunft, die ich kaputt gemacht habe!" Ja, so ein Ausspruch ist schon ziemlich daneben. Es gehört sicher ein dickes Fell dazu, dass man solche Aussagen einfach so wegsteckt! Jetzt glaube ich, dass noch alles viel zu neu und frisch ist, du nimmst dich dieser Dinge sofort an. Es wird aber Tage in deiner Zukunft geben, an denen du nur noch über solche Dinge lachst, wie bekloppt der Mensch ist, der so etwas sagen kann.

Mir hat damals ein Zitat weitergeholfen, was ich dir mitgeben will: Versuche nicht die Vergangenheit zu ändern, sondern die Zukunft zu gestalten

Du findest deinen neuen Weg, da bin ich sicher! Es soll auch nicht das Problem sein, wenn du dich an Freunde wendest - auch hier!

Viel Kraft und liebe Grüße
Nico
Gespeichert

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