In dem Gästebuch einer anderen Site, fand ich den Hinweis eines Vaters, es sei auch ohne Anwälte zu schaffen und er würde Ratsuchenden gern Tips geben. Auf meine Bitte hin, hat der Vater seine Geschichte uns zur Verfügung gestellt.
Die nachfolgende Geschichte ist im Original so vom Autor verfaßt worden. Wir haben lediglich die Textformatierung verändert, um ein für diese Seite ausgerichtetes Layout zu erreichen. Veränderungen darüber hinausgehend wurden von
www.vatersein.de nicht vorgenommen.
Es begann an einem grauen Herbsttag 1998, als ich von der Arbeit kam und einen nichts Gutes ahnend lassenden Brief auf dem Wohnzimmertisch fand.
Die Anwältin meiner Frau teilte mir die Scheidungsformalitäten mit, da unsere Ehe zerrüttet sei.
Ich fiel aus allen Wolken, da wir gerade bis eine Woche vorher alle zusammen einen schönen Urlaub hatten.
Dann ging alles ziemlich schnell. Meine Frau meinte, ich solle so schnell wie möglich aus unserer gemeinsamen Wohnung ausziehen, da sie den Mietvertrag unterschrieben hätte.
Also packte ich ein paar Klamotten zusammen und zog für die nächsten vier Wochen zu meinem Bruder. Allerdings wohnte er circa 70 km von meinem damaligen Wohnort entfernt.
Ich fand dann eine kleine Einraumwohnung, mehr war bei den auf mich zu kommenden Unterhaltsverpflichtungen, die meine nun Noch-Frau sofort rabiat einforderte, nicht drin.
Später einigten wir uns vor Gericht zu einem 14tägigem Umgangsrecht, das ich also meine damals 6 und 9 Jahre alten Töchter jedes 2. Wochenende sehen könne.
Das die Kinder natürlich bei der Kindesmutter wohnhaft bleiben war für alle (damals auch für mich) selbstverständlich.
Dazu muss ich sagen, das ich keinerlei Möbel oder sonstigen Hausrat für mich beanspruchte.
Die Kinder sollten in ihrer gewohnten Umgebung aufwachsen und auf nichts verzichten.
Die nächsten zwei Jahre waren für meine Kinder mit zwei Umzügen (von Ort zu Ort), ebenso vielen Schulwechseln und mindestens doppelt so vielen 'festen' Männerbekanntschaften meiner nun Ex-Frau verbunden.
Was nach diesen ersten zwei Umzügen von den einstigen Möbeln noch übrig war, kann man sich ja wohl vorstellen.
In dieser auch für die Kinder schweren Zeit hab ich aber immer versucht meinen Groll gegen die Ex-Frau im Beisein der Kinder nie spüren zu lassen.
Tipp: Rede niemals im Beisein der Kinder schlecht über die Mutter! Egal was vorgefallen ist! Die Mutter ist und bleibt immer die Mutter! Wenn die Mutter über den Vater schlecht redet registrieren die Kinder auch ganz genau, was gelogen und erfunden ist. Die Kinder merken mit der Zeit von ganz alleine, wo es ihnen besser geht. Ich für meinen Teil hab immer versucht, den Kindern ein schönes Wochenende zu bereiten. Die Kinder müssen sich unbedingt wohl fühlen!
Was aber nicht heißt, das immer nur Action angesagt war.
Das wäre auch finanziell überhaupt nicht möglich gewesen.
Auch das Vorleben des normalen Alltags ist für die Kinder wichtig!
Dazu gehört natürlich, das sich die Kinder an kleineren Arbeiten im Haushalt, wie Abwaschen, Staub wischen, beim Einkauf helfen usw. beteiligen.
Und ich habe ohne erhobenen Zeigefinger immer versucht, den Kindern als Vater ein Vorbild zu sein und wohl ein etwas anderes Leben vorgelebt als es die Mutter getan hat.
Tipp: Man muss den Kindern in jeder Beziehung Beständigkeit und Harmonie vorleben! Sie müssen das Gefühl haben, egal was passiert, Papa ist immer und jederzeit für mich da! Zum Beispiel bin ich nie noch mal umgezogen (nur einmal von der kleinen in eine größere Wohnung, aber im selben Aufgang, so das sich meine Adresse und Telefonnummer nicht geändert hat).
Auch gilt: keinerlei wechselne Damenbekanntschaften im Beisein der Kinder! Das irritiert!
In diese Zeit fiel auch das kennen lernen meiner jetzigen Ehefrau. Auch da habe ich nichts überstürzt, sondern stellte sie erst meinen Kindern vor als wir uns schon fast ein Jahr kannten und ein Zusammenziehen 'unvermeidlich' wurde.
Nach den oben erwähnten zwei Jahren lernte meine Ex-Frau ihren jetzigen Mann kennen. Kaum drei Monate später zog sie wieder mal um. Diesmal aber gleich knapp 400 km weg von meinem Wohnort. Ihr Mann hat dort seine Familie.
Damit waren natürlich die 14tägigen gemeinsamen Wochenenden mit meinen zwei Töchtern geplatzt wie eine Seifenblase.
Unsere Kontakte beschränkten sich nun ausschließlich auf Telefonate und auf die Ferien. Alles andere war finanziell überhaupt nicht mehr möglich.
Ab dieser Zeit kam immer mehr der Wunsch der Kinder durch, das sie lieber bei mir und meiner jetzigen Frau wohnen wollen.
Für mich war es unvorstellbar, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen. Wie sollte dies schließlich bei unserer Gesetzgebung möglich sein?
In den letzten Sommerferien, meine Kinder sind inzwischen 10 und 13 Jahre alt, fasste ich all meinen Mut zusammen. Ich stellte auf dem Familiengericht den Antrag auf Aufenthaltsbestimmungsrecht für meine beiden Kinder.
Jetzt kam natürlich auch das Jugendamt zu mir (2mal) und auch zur Ex-Frau (3mal).
Die Kinder wurden mehrmals befragt (warum, wieso, weshalb)!
Dazu muss ich sagen, das meine Beiden diese fast schon peinliche Ausfragerei mit Bravur bestanden haben und sich auch nicht von Seiten der Jugendämter reinquatschen lassen haben.
Diese Zeit war natürlich ein Spießrutenlauf für die Kinder, denn auch die Mutter wollte ihr 'angestammtes' Terrain nicht kampflos aufgeben.
Endlich, im Dezember 2002 war der Gerichtstermin!
Dazu muss gesagt werden, das irgendwelche Befindlichkeiten der Kindesmutter überhaupt nicht zur Debatte standen. Sondern einzig und allein die Aussagen bzw. die Wünsche der Kinder vom Gericht berücksichtigt wurden. Die Kinder wurden natürlich separat befragt und haben sich eindeutig für ein weiteres Leben beim Vater (also bei mir) entschieden.
Nachdem meine Ex-Frau inclusive ihrer Anwältin all ihre Felle davon schwimmen sahen, waren sie damit einverstanden, wenn ich meinen Antrag zurückziehe (der ja fast dem alleinigen Sorgerecht entspricht) das die beiden Kinder bei mir wohnen können. Auf dieser Basis hab ich selbstverständlich 'Größe' gezeigt und meinen Antrag auf Aufenthaltsbestimmungsrecht zurückgezogen. Hauptsächlich war mein 'Rückzieher' damit begründet, einer Vertagung (evtl. wieder um ein halbes Jahr oder länger) aus dem Wege zu gehen. Diesen Tipp gab mir übrigens der Richter in der Verhandlungspause.
Aber wir (meine Kinder und ich) hatten ja genau das was wir wollten!
Bis zur Verhandlung hatte niemand aus meinem Bekannten- und Verwandtenkreis einen müden Euro gewettet, das es so ausgehen würde.
Ich hab mir auch erst gar keinen Anwalt genommen, da ich mir schon vorher dachte, das ich ohne die klaren Aussagen der Kinder, in Zukunft bei mir leben zu wollen, selbst mit den besten Anwälten der Welt null Chancen gehabt hätte. Schließlich geht es ja bei einem solchen Prozess nicht um juristische Spitzfindigkeiten sondern um das Kindeswohl. Und dies hat das Gericht auch genau so gesehen.
Dies ist in groben Zügen das glückliche Ende eines langen Kampfes.