Papa Nico,
ich denke die Beschreibung, die Andrea über ihren Ex abgegeben hat, trifft in weiten Teilen auch auf meinen Ex zu. Dass die Trennung für ihn der Hammer war, weiss ich. Wohl nicht die Trennung von mir, dafür sind vorher viel zu viele Dinge gelaufen bis hin zu der Tatsache, dass er der erste war, der schon Jahre vorher (noch bevor wir Kinder hatten) von Trennung gesprochen hat. Dass ich es irgendwann durchziehe hat er nie geglaubt. Er war sich meiner sicher, das hat er auch nachher des öfteren betont. Er hat dem Scheidungsantrag vor Gericht zweimal widersprochen, erst als ihm der Richter sagte, dass er die Ehe auch MIT seinem Einspruch scheiden würde und der Einspruch die Sache nur erheblich verteuern würde, hat er zugestimmt.
Nein, es ist wohl eher die Trennung von der Alltagssituation mit den Kindern. Bei Licht betrachtet hat er die Kinder nach der Trennung wesentlich häufiger, länger und vor allem intensiver gesehen als während der Ehe. Aber die Situation ist eben doch eine andere.
Das macht die Sache zwar erklärbar, aber noch nicht unbedingt verständlich. Trennungsschmerz und veränderte Alltagssituation hin oder her, aber müsste die Sehnsucht nach den Kindern nicht genug Kraft verleihen, darüber auch mal hinweg sehen zu können? Wie lange kann so etwas dauern? Auf diese Frage erwarte ich keine Antwort, die kann man nicht allgemeingültig sagen, ist mir klar. Schalter um und gut - solange wie eine Ehe dauerte, so lange dauert die Trennung - da reagiert sicher jeder anders.
Ich hatte auch schon die Idee, ob vielleicht gerade WEIL dieses letzte Treffen so harmonisch verlief - im Grunde das, was er sich schon einmal vorgestellt hatte - er jetzt wieder aus der Spur ist. Weil es halt, wenn überhaupt nicht mehr so wird, wie es war. Oder anders ausgedrückt, solche Treffen immer nur ein Ausnahmezustand sein werden, die mit der Normalität nichts mehr zu tun haben.
Sandgren -
:"ich lasse mich doch nicht fernsteuern,wann und ob ich meine kinder sehen will bestimme immer noch ich!"
Damit hast du wahrscheinlich genau den Nagel auf den Kopf getroffen. Aber er ist nicht nur von mir ferngesteuert. Auch von seiner Schwester und von seiner Anwältin. Lange Zeit gehörte auch die JA-Mitarbeiterin dazu. Er weiss das und leidet darunter.
sage den kindern wenn sie nach dem KV fragen bitte nicht "der papa ist krank",
selbst wenn es so ist finde ich es unpassend und wenig diplomatisch von kindgerecht ganz zu schweigen.
warum bist du nicht ehrlich und sagst ihnen das du es selbst nicht weist?
Ich kann ihnen im Moment ehrlich sagen, dass ich nicht weiss, warum er sich nicht rührt. Ich kann ihnen aber nicht ehrlich sagen, dass er nicht krank sei. Mit nur "ich weiss es nicht" geben sie sich nicht mehr zufrieden. Kindgerecht ist eine schwierige Sache. Damals habe ich beim JA um Rat gebeten, was und wie ich es meinen Kindern sagen sollte. Spontane Antwort: die Wahrheit ist immer das Beste. Als ich dann zu bedenken gab, dass mein jüngstes Kind ja erst sechs Jahre alt sei, und die älteste mit damals noch nicht ganz elf auch noch nicht alles versteht, kamen dann Bedenken. Kindgerecht - ein Pauschalbegriff - erklären konnte ihn mir keiner so recht.
Anfang Februar habe ich jetzt mal endlich einen Termin bei der Erziehungsberatungsstelle. Mal sehen, was die dazu sagen.
Ich danke euch auf jeden Fall für euer Verständnis und auch konstruktive Kritik (sandgren *winke*).
Jetzt warte ich halt mal ab - meistens erledigen sich die Probleme oft schneller von selbst als man denkt. Und: ich arbeite daran, auch Schwebezustände auszuhalten
Gruß AJA