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vatersein.de - Forum 25. Mai 2012, 20:51:27 *
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Autor Thema: Offener Brief an Anwälte für Familienrecht  (Gelesen 561 mal)
anacondagabi
Schon was gesagt
*
Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 18


« am: 25. September 2011, 13:47:33 »

Sehr geehrte Damen und Herren,
wir möchten mit dieser Bitte möglichst viele Anwälte aus Ihrem Tätigkeitsbereich erreichen, daher ergeht sie mittels offenen Brief. Diejenigen unter Ihnen, auf die unsere Bitte bzw. unsere Anregungen abzielen, werden sich instinktiv angesprochen fühlen. Alle anderen pflichten uns sicher bei und arbeiten längst nach den richtigen Prinzipien.
   Sie werden sich vielleicht fragen, woher wir denn eigentlich wissen, was richtig oder falsch ist. Nun, diesen Anspruch erheben wir gar nicht, auch wir haben die Weisheit nicht gepachtet. Jedoch verfügen wir über eine gewisse Lebenserfahrung, viel Menschenkenntnis und gehören zu den Individuen, die einen starken Gerechtigkeitssinn ihr Eigen nennen. Der Rest ergibt sich aus allgemeinen ethischen Grundsätzen, die friedliches  menschliches Zusammenleben erst möglich machen. Und aus Erfahrungen, die wir selbst schon mit Rechtsanwälten gemacht haben, die nicht ausschließlich positiv waren.
   Natürlich verkennen wir nicht, dass Ihre Aufgabe nicht immer leicht ist. Sie müssen im Spannungsfeld zwischen Mandanten, Gegenpartei und Gerichten arbeiten, taktisch denken, Gesetze, Urteile und Verordnungen im Kopf behalten und gleichzeitig sehen, dass  Sie eine gewisse Reputation erhalten, die ihre Kanzlei gut dastehen lässt. Trotzdem, alleine ein abgeschlossenes Jurastudium macht noch keinen guten Anwalt. Insoweit werden Sie uns sicher zustimmen.
   Was macht nun einen guten Anwalt aus? Der Gerechtigkeit und Fairness unterstützt, anstatt Paragraphen mit Gewalt zu verbiegen, aus welchen Beweggründen auch immer? Wir möchten Ihnen nun folgende Überlegungen auf den Weg geben; der Einfachheit halber in Stichpunkten:
•   bitte vergessen Sie nie: es geht hauptsächlich niemals um einen „toten“ Fall, um Ihren eigenen Geldbeutel, Ihren Ruf: sondern immer um Menschen. Um Familien, um deren Zukunft. Damit kann man nicht leichtfertig umgehen, um einen Fall vom Tisch zu bekommen oder einen Fall zu gewinnen. Niemals.
•   Mandanten können Sie anlügen. Da gibt es Münchhausens Nachfahren, die dies perfekt beherrschen. Glauben Sie niemals leichtfertig irgendwelche Geschichten, die Sie sofort als Munition gegen die andere Partei richten können.  Denn Lügen haben kurze Beine, und es könnte auch für Sie peinlich werden, wenn sich die Wahrheit herausstellt. Was sie oft genug tut.
•   Will ein Mandant einen bemitleidenswerten Zustand darstellen, so finden sich oft begnadete Schauspieler darunter. Zügeln Sie dennoch ihr Mitleid und Ihre nachfolgenden Handlungen so lange, bis Sie sich sicher sind, dass alles seine Richtigkeit hat. Manche gehen sogar zum Psychiater, um die Bosheit des Ex-Partners und die erlittenen Nervenschäden herauszustellen, um dann sofort wieder klar denken zu können, sobald es um das Ersinnen neuer Winkelzüge geht.
•   Was Bescheinigungen oder eidesstattliche Versicherungen angeht, die im Verfahren abgegeben werden, so sprechen Sie am besten selbst mit den „Zeugen“. Oft stellt sich heraus, dass zwar Papier geduldig ist, Aussagen aber „live“ schnell revidiert werden, oder die Zeugen regelrecht umfallen. Wenn sie gelogen haben. Sonst haben Sie einfach eine zusätzliche Bestätigung, dass alles seine Richtigkeit hat. Sind Bescheinigungen gleich von vorne herein widersprüchlich, so sollten Sie sich hüten, diese zu verwenden. Dies fiele auch auf Sie zurück.
•   Ex-Partner „beschießen“ sich aus den unterschiedlichsten Gründen. Leider erhält bei Darstellungen aber vieles ein falsches Gewicht im Verfahren, gerade wenn jeder einen Kreis von Sympathisanten um sich schart, der willenlos alles glaubt oder bestätigt, was das arme „Ehe-Opfer“ erzählt. Eigentlich muss man immer beide Seiten kennen, um sich wirklich ein Urteil bilden zu können. Und selbst da ist die Fehlerquote hoch, keiner war ja wirklich dabei, als die Ehe scheiterte. Aber auch hier gilt: nicht unkritisch einfach schießen. Denken.
•   Polemik ersetzt nicht fehlende Tatsachen. Dem ist wohl nichts hinzuzufügen, Sie werden wissen, was gemeint ist.
•   Kinder werden nur zu gerne als Munition zwischen den Fronten benutzt. Bitte prüfen Sie genau, ob ihr Mandant auch wirklich erziehungsfähig erscheint, bevor Sie leichtfertig dafür kämpfen, dass er das Sorgerecht oder das Aufenthaltsbestimmungsrecht erhält. Sich nur auf eine Stellungnahme des Jugendamts zu verlassen, wäre grob fahrlässig. Bei leisesten Zweifeln sollten Sie der Sache nachgehen, oder vor Gericht widerstandslos zulassen, dass entsprechende Gutachten eingeholt werden. Die hinterher zu prüfen sind, ob sie auch nachvollziehbar und schlüssig sind.
•   Nicht immer ist die Mutter der richtige Aufenthaltsort für Kinder. Da gibt es gewaltige Unterschiede, auch wenn das jede weit von sich weisen würde. Augen offen halten, meist ergeben sich Anzeichen, wenn die Kinder nur als Einnahmequelle behalten werden sollen. Auf Beeinflussung der Kinder achten, besonders wenn diese Aussagen treffen, die so nur von Erwachsenen formuliert werden.
•   Mandat niederlegen, wenn ein Mandant Ihnen falsche Tatsachen vorgespiegelt hat. Folgen Sie bitte Ihrem Gewissen und helfen Sie nicht, Unwahrheiten auch noch zu unterstützen. Dasselbe gilt, wenn der Mandant „vergessen“ hat, Ihnen von eigenen Untaten oder Details zu berichten, die für das Verfahren wichtig gewesen wären.
•   Der Mandant der Gegenpartei ist nicht automatisch der schlechtere Mensch, nur weil er nicht vor ihrem Schreibtisch sitzt. Vielleicht kann er sich auch schlechter ausdrücken oder ist nicht so kreativ beim Erfinden von Sachverhalten, so dass es ein Leichtes wäre, ihn und seinen Anwalt niederzumachen. Tun Sie es trotzdem nicht, bleiben Sie fair. Auch der eloquentere Mandant ist nicht automatisch der bessere Vater oder die bessere Mutter. Denn in der Theorie haben fast alle ihre Kinder furchtbar lieb, während die Praxis ganz anders aussieht.
•   Anstatt sich ständig schriftlich mit dem gegnerischen Anwalt zu duellieren, angefeuert durch die Mandanten, sollte man sich in vielen Fällen besser an den Besprechungstisch setzen und auch dem widerspenstigen Mandanten dazu raten; gerade dann, wenn es um das liebe Geld geht. Oft lassen sich so Missverständnisse vermeiden oder Vergleiche erzielen. Für Sie als Anwalt bringt das auch den Vorteil, dass Sie die Parteien schon außergerichtlich in Interaktion erlebt haben; das mag schon Aufschluss über Glaubwürdigkeit oder Aggressionspotential geben und Ihnen eine Hilfe für weiteres Vorgehen sein.
•   Übrigens brauchen Sie sich nicht zu wundern, falls Sie zusammen mit Ihrem Mandanten hochnäsig Besprechungstermine und Angebote zum Vergleich und Finden von Lösungen abgelehnt haben, wenn die Gegenseite dann später hierzu nicht mehr bereit ist. Akzeptiert man Angebote erst, wenn einem sämtliche Argumente ausgegangen sind, ist dies ein Armutszeugnis.
Bitte denken Sie daran, bei jeder einzelnen Handlung: der einfache Weg ist nicht immer der beste. Wir wünschen Ihnen viel Nervenkraft und Erfolg bei Ihrer schwierigen Aufgabe und hoffen für alle Menschen, die anwaltliche Vertretung im Familienrecht nötig haben, dass diese Zeilen wenigstens ein paar wenige Anwälte zum Nachdenken gebracht haben, die noch nicht ausschließlich nach solchen Prinzipien arbeiteten.

Ihre
anacondagabi
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« Antwort #1 am: 25. September 2011, 14:05:06 »

Hi Gabi,

na ja.. wäre ich Anwalt würde ich darüber auch mal herzlich lachen. Mehr aber auch nicht. Es sind doch zu allerst die Eltern selbst, die sich (befeuert durch Einflüsterer aus Familie und oftmals weiblichem Bekanntenkreis) auf den Weg machen um sich "das zu holen, was einem zusteht".

Anwälte sind Organe der Rechtspflege und halt das geeignete "Werkzeug" wenn es außergerichtlicht nicht mehr weitergeht. Und das ist doch der Punkt: Es gibt in vielen Fällen auch außergichtliche Lösungswege- und Möglichkeiten, die Dir ein guter (!) Anwalt für FamRecht auch aufzeigt. Denn DU als Auftragsgeber bestimmst die Marschrichtung, niemand sonst.

Da aber nur wenige Menschen in dieser Situation der Trennung die Fähigkeit haben, auch mal Kompromisse  einzugehen (was bei einer einvernehmlichen Regelung so ist) bietet sich der Scheidungsindustrie natürlich ein gefundenes Fressen.

Und mal ganz ehrlich: Wenn Du gutes Geld für einen Anwalt bezahlst, dann hat der Anwalt Deine Interessen umzusetzen- im Zweifelsfall mit aller Sach- und Fachkenntnis. Gruß Ingo 
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anacondagabi
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« Antwort #2 am: 25. September 2011, 14:09:29 »

Lieber Ingo,
leider hast Du vollinhaltlich recht. Nur würde ich gerne die 0,0001 Promille von Anwälten ein bisschen zum Nachdenken bringen, die vielleicht außer monetären Interessen noch rudimentär Gefühle oder ein Herz für Kinder besitzen. Wenn man gar nichts macht, passiert auch gar nichts.

Das, was Du beschreibst, ist leider gängige Praxis, ich weiß das.
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jenpa
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« Antwort #3 am: 25. September 2011, 17:36:45 »

Lieber Ingo,
leider hast Du vollinhaltlich recht. Nur würde ich gerne die 0,0001 Promille von Anwälten ein bisschen zum Nachdenken bringen, die vielleicht außer monetären Interessen noch rudimentär Gefühle oder ein Herz für Kinder besitzen. Wenn man gar nichts macht, passiert auch gar nichts.

Das, was Du beschreibst, ist leider gängige Praxis, ich weiß das.

Du schreibst selber,dies ist gängige Praxis.  Das wird immer so bleiben. Ansonsten bräuchten wir ja fast keine Rechtsanwälte mehr.
Und noch ein anderer Aspekt,wenn ich einen RA beauftrage, möchte ich auch das er FÜR MICH das beste
rausholt. Da sind mir die anderen erstmal egal.

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anacondagabi
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« Antwort #4 am: 25. September 2011, 17:46:17 »

Jaja, das ist schon klar. Bloß bin ich der Ansicht, dass es irgendwo auch um Gerechtigkeit und Menschlichkeit  geht, nicht nur um persönlichen Egoismus. Oder manchmal um die Frage, welcher Elternteil gänzlich ungeeignet zur Erziehung der Kinder ist, nicht wahr?
Ich finde, spätestens an diesem Punkt geht es nicht mehr um Gewinnen oder Verlieren um jeden Preis. Es geht vielmehr darum herauszufinden, was am Ende dieser Ehe tatsächlich als Quintessenz bleibt. Egal, wer nun jeweils der Aggressor oder ungeeignete Kindererzieher ist; ob nun Mama oder Papa ... die Beurteilung darf nicht aufgrund Vorspiegelung falscher Tatsachen oder Paragraphenreiterei erfolgen, sonst bleiben die Kinder auf der Strecke. Bei den Anwälten laufen viele Informationen zusammen.
Wenn ein Anwalt einfach nur, um seinen "Fall" zu gewinnen gewisse Werte opfert, sind die Leidtragenden doch immer die Kinder. Und das ist es, was ich nicht akzeptieren mag und daher ans Gewissen dieser Anwälte appeliere. 
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« Antwort #5 am: 25. September 2011, 17:55:42 »

Das hat nichts mit Egoismus zu tun. Ich glaube ihr seid nur verbittert,das es bei euch nicht geklappt hat. aber da können wir anderen nix dafür.
Und eines könnt ihr euch sicher sein, die RichterInnen sind nicht so dumm wie sie hier dargestellt werden.
Es mag hier und da auch Fehlentscheidungen geben ,diese sind aber nicht die Regel. Und jeder Partei bei Gericht,
wird Gehör geschenkt. Wenn man dann eben keine Argumente bringt,sonndern nur z.b. den anderen in ein schlechtes Licht rückt, hat man eben schlechte Karten.  Familiensachen heisst Lösungen finden mit denen alle leben können,besonders die Kinder um die es hier meistens geht.

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« Antwort #6 am: 25. September 2011, 18:02:16 »

Hmmmm... bist Du Richter oder Anwalt? Nix für ungut, aber ich sagte gar nicht, dass das in JEDEM Fall so ist... aber oft genug, leider. Nein verbittert bin ich nicht, denn es ging hier nicht um MEINE Kinder. Nur, was würdest Du sagen, wenn Du zum Beispiel ein Gutachten zur Erziehungsfähigkeit liest, das einer Frau grobe Mängel darin bescheinigt, sie aber trotzdem mit Blendung, Lug und Trug geschafft hat, das alleinige Sorgerecht zu bekommen? Mit dem Ergebnis, dass die Kinder jetzt regelmäßig in der Psychiatrie vorstellig werden? Nicht leicht, wenn man gleichzeitig den zugehörigen Vater kennt, einschließlich dessen Verantwortungsgefühl.
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« Antwort #7 am: 25. September 2011, 18:09:22 »

Hi Gabi,

da würde ich einfach mal sagen: Lies Dich im Forum ein und Du wirst noch weit krassere Schicksale lesen. Viele User beschreiben hier ihren Leidensweg mit dem oft zitierten "Familienunrecht". Dein Lebenspartner ist übrigens auch herzlich eingeladen, sich hier anzumelden. Denn, wie so oft, können es die "direkt" Betroffenen am Besten beschreiben - dafür müssen wir dann auch kein Buch kaufen ;) Gruß Ingo
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« Antwort #8 am: 25. September 2011, 18:10:25 »

Kein Elternteil ist perfekt. Ich nehme auch eine Hilfe zur Erziehung in Anspruch. Habe ich sogar selbst beantragt
Ja meine EX wirft mir auch erziehungsunfähigkeit vor und  ?  Keiner ist perfekt,ich tue was dagegen und das kann mir nicht zum Nachteil gereicht werden.

Schwer ist,sich Fehler einzugestehen und daran zu arbeiten diese abzustellen oder auf ein Minimum zu reduzieren. Kann ja sein das  die KM in eureren Fall  erziehungsunfähig ist. Aber sie tut wwas dafür. Eines
davon ist, das die Kinder regelmäßig in die Psychatrie gehen. Geht meine Tochter auch. aber das ist nicht alleine die Schuld der Mutter,auch dein LP hat seiniges dazu beigetragen.

Noch ist nix verloren,vielleicht kann er sich mit einbringen.

jenpa

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« Antwort #9 am: 25. September 2011, 18:25:31 »

Neenee, die Kinder gehen nicht etwa zur Psychiatrie, um was aufzuarbeiten.  Aber so schnell geht das nicht zu erklären, es steckt selbstverständlich ein Prozess dahinter, den beide Elternteile in Gang gesetzt haben. Aber ihr habt recht. vielleicht sollten hier wirklich nur direkt Betroffene posten ... vermutlich habe ich hier nichts verloren. Anscheinend meinen einige, ich sei eine "Neue", die den Umgang mit den Kindern des Partners nicht verkraftet oder sonst etwas.
Was ich wollte, war nach Lösungen suchen, nach Möglichkeiten, manche Menschen zum Nachdenken zu bewegen. Aber wenn ihr ohnehin schon alles ganz genau wisst, spare ich mir das.
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