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vatersein.de - Forum 23. Mai 2012, 05:42:11 *
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Autor Thema: Die Kinder als Faustpfand  (Gelesen 970 mal)
teuker
Rege dabei
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Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 139



« am: 26. Dezember 2002, 23:08:20 »

Den Umgang mit den Kindern als Druckmittel zu benutzen, ist so ziemlich das Übelste, was man den Kindern und dem "anderen" Elternteil antun kann - aber es geht fast noch ein bisschen schlimmer. Dann nämlich, wenn die Kinder als Faustpfand eingesetzt werden, nach dem Motto "ohne die Kinder kann sie eh nicht leben, also: wenn ich alle Kinder habe, kommt meine Frau auch bald zurück".  Dies ist nämlich einer der Gedankengänge (neben dem vorm Richter klar formulierten Unwillen, nur noch für Unterhaltszahlungen arbeiten zu gehen), die meinen Ex dazu bewogen haben, das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Kinder haben zu wollen. Vermutet hatte ich diese Motivation schon länger, vor knapp zwei Jahren hat er es dann zugegeben.

Seine Rechnung ist nicht aufgegangen  - und nun wirft er mir vor, dass ich ja den leichteren Weg gewählt hätte, als ich letztendlich auf das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Kinder verzichtete. Den leichteren Weg?

Ich finde nicht, dass einer der beiden Wege leichter oder schwerer ist - sicher ist es genauso schwer, als Alleinerziehende(r) drei Kinder aufzuziehen, wie als Unterhaltspflichtige das Geld für eben jene Kinder ranzuschaffen, aber eines weiß ich mit Sicherheit: ICH kann mir keinen Urlaub leisten, erst recht nicht gemeinsam mit den Kindern, ich habe auch weder Zeit noch Geld für Sauna-, Schwimmbad- oder Kinobesuche - aber ich habe Kinder, die trotz Scheidung zu mir stehen, die sogar Rücksicht auf meine finanzielle Situation nehmen, Wünsche zurückschrauben und mir klar sagen: "Ach, weißt Du, Mama - das soll uns der Papa kaufen, der hat schließlich mehr Geld als Du".

Den leichteren Weg habe ich sicher nicht gewählt - aber den aufrechteren - den Weg, der es mir ermöglicht, noch in den Spiegel zu sehen und zu wissen, dass ich mich nicht habe kleinkriegen lassen. Bei allem Trennungsschmerz ein gutes Gefühl!
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Gelassenheit setzt großzügiges Denken voraus.
 
(Ernst Ferstl, österreichischer Lehrer, Dichter und Aphoristiker)  
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Beiträge: 12.054



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« Antwort #1 am: 26. Dezember 2002, 23:40:40 »

Sicher, es kann ein Druckmittel sein, die Kinder zu sich zu nehmen um den anderen Partner damit zu bewegen, zurück zu kommen. Auch die Kinder werden das ihrige dazu beisteuern.

Aber heißt es nicht immer, ein Kind könne eine zerrüttete Partnerschaft/Ehe nicht retten. Viele Paare setzen ein Kind in die Welt, damit die Partnerschaft gefestigt wird. Soll ein Kind nicht eher das Ergebnis von Liebe sein statt des Wiedergewinnens einer Partnerschaft? Wie soll ein Kind Liebe erfahren, wenn die Streitpunkte weiter bestehen, nur für den Moment in den Hintergrund treten?

Wer immer sich in solcher Art verhält, handelt in vollem Maße unvernünftig. Die Kinder bei sich zu behalten sollte alleinig bestehen aus Liebe zu ihnen und dem Wissen, es mit ihnen schaffen zu können. Alle anderen Beweggründe beziehen entweder das Ego oder den verbliebenen Partner mit ein und sind daher ungeeignet.

Ich sage mal ganz ketzerisch: In Deutschland braucht man für alles eine Genehmigung (Holz im Wald sammeln, Angeln, Auto fahren,...) Nur Kinder in die Welt setzen, das darf jeder ungeachtet seiner Eignung, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Selbst bei erwieser Uneignung und Wegnahme von Kindern geht das 'Spiel' fröhlich weiter. So wachsen Kinder heran, die auf keine Vergangenheit zurückblicken können und auf die keine Zukunft wartet. Der 'normale' Mensch in seiner Arroganz und Verachtung sieht das nicht.

(Oh wei, bekomm ich jetzt 'ne Anzeige wegen Volksverhetzung ?)'
Gespeichert


Der 15. Senat des OLG Celle befindet vatersein.de in den Verfahren 15 UF 234/06 und 15 UF 235/06 als "professionell anmutend".
Meinen aufrichtigen Dank!
teuker
Rege dabei
***
Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 139



« Antwort #2 am: 26. Dezember 2002, 23:55:44 »

Nein, diese Anzeige bekommst du ganz sicher nicht - denn du hast Recht, mit dem, was du da schreibst.

Ich möchte mich jetzt nicht über die Erziehungsqualitäten meines Ex auslassen, denn das würde womöglich als typisch weibliches Geheule ausgelegt, aber es ist meiner Meinung nach bezeichnend, dass er bei jeder anstehenden Entscheidung die Verantwortung auf mich abwälzt - selbst wenn es nur um die Frage geht, ob die fast erwachsene Tochter beim Freund übernachten darf oder nicht. Komisch - früher durfte ich gar nichts entscheiden, hatte nichts zu sagen, wurde nicht ernst genommen - heute soll ich Entscheidungen treffen, damit er im Zweifelsfall die Schuld oder Verantwortung von sich schieben kann. Taktisch nicht unklug.

Egal: Kinder in irgendeiner Form als Waffe oder Druckmittel einzusetzen, ist das Verwerflichste überhaupt und ich persönlich bin froh, dass meine Kinder sich ihre eigene Meinung gebildet haben, ohne sich von Papa oder den Großeltern beeinflussen zu lassen.

Übrigens: eine Rückkehr in diese Ehe ausschließlich der Kinder wegen habe ich von vorn herein und mehrfach kategorisch abgelehnt.

Ich bin überzeugt davon, dass es den Kindern selbst in der Trennungssituation mental und psychisch deutlich besser geht, als es ihnen gehen würde, wäre ich noch mit ihrem Vater verheiratet.
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