|
Titel: Forschungsprojekt Trennungsväter Beitrag von: DeepThought am 07. März 2003, 21:35:35 Auf der Startseite habe ich einen Artikel zur wissenschaftlichen Untersuchung der Trennungsväter aufgenommen. Ich kann jedem wirklich nur dringend empfehlen, den Forschungsbericht zu lesen.
Eine kleine Zusammenfassung gebe ich mal hier wieder. Es sieht zwar auf den ersten Blick wie ein Zahlenfriedhof aus, aber es steckt wirklich Musik drin. Nehmt euch die Zeit. 1. Der Forschungsbericht wurde durch einen ungenannten Gönner finanziert. Andere Finanzmittel konnten nicht aufgebracht werden. Dies allein sagt schon etwas über den Stellenwert von Trennungsvätern in Politik und Gesellschaft. 2. Es sind 46,2 % der Trennungsväter im Alter von 20 bis 29 Jahren und 38,7 % im Alter von 30 bis 39 Jahren. Also rund 85 % sind zwischen 20 und 40 Jahre alt. 3. 47 % sind einem Kind unterhaltsverpflichtet und 37,7 % gegenüber zwei Kindern. 4. 79,2 % zahlen regelmäßig und 11,5 % keinen Unterhalt. 58,1 % zahlen auch für die Ex. 5. 59,2 % sagen, der Trennungswunsch ging von der Ex aus. Zu 52,8 % wurde die Scheidung von der Ex eingereicht. 6. Bei 70,7 % wirkte sich die Trennung auf den Beruf aus und bei 75,7 % auf die Gesundheit. Hierbei haben 40,6 % vorübergehend und 33,6 % dauerhaft seelische Beschwerden. Wurde die Trennung durch die Ex initiiert, hatten 80,9 % seelische Beschwerden. Über 50 % der Väter ohne Kontakt zu ihren Kindern haben ständige körperliche oder seelische Beschwerden. 44,4 % der Väter mit niedrigem Einkommen wurde in Folge der Trennung gekündigt. Davon hatten 94,4 % die Unterhaltszahlungen eingestellt. 7. 37,1 % sehen ihre Kinder alle 14 Tage und 29,1 % gar nicht. Hierbei ist bei 33,4 % der Kontakt gleich nach der Trennung abgebrochen oder ein paar Monate danach bei 26,6 %. Nach drei Jahren und später brach der Kontakt bei 19,3 % ab. Das bedeutet, 60 % der Trennungskinder wachsen unmittelbar nach der Trennung ohne Kontakt zu ihrem Vater auf. Dabei hat zu 71,3 % die Ex den Kontakt unterbunden. Ohne Kontakt zu ihren Kindern sind massgeblich Väter der untersten Einkommensgruppe. 8. 90,4 % der Trennungsväter haben über ihre Gefühle gesprochen, davon 35,5 % mit einem Freund. Nur über 50 % gaben an, die Gespräche hätten geholfen. Ganze 66,6 % haben professionelle Hilfe in Anspruch genommen. 9. Mehr als 70 % erlebten nach dem Abschied von ihren Kindern Trauer oder waren fix und fertig und ohne Perspektive. 10. In 68,3 % der Fälle ist keine vernünftige Kommunikation mehr mit der Ex möglich. Am meisten wird sich um das Sorgerecht und Umgangsrecht gestritten. 11. Probleme beim Umgang gab es für 59 % der Väter nicht. 26 % gaben an, die Ex hält die Termine nicht ein. 83,6 % der Väter genießen die Zeit mit ihren Kindern und über 50 % sind nach dem Umgang niedergeschlagen oder ihnen fehlen die Kinder. Tja, so sehen die nüchternen Zahlen aus. Ich habe eine E-Mail an die Forschungsgruppe geschickt und auf einige für mich fehlende Apsekte hingewiesen. Wissenschaftliche Untersuchungen stellen immer einen Status fest. Ich kann nur hoffen, dass die Frage nach dem 'Warum?' im Abschlussbericht enthalten sein wird. Denn erst wenn diese Frage geklärt ist, offenbaren sich die Zusammenhänge. Ich lasse es nun lieber sein, eine eigene Schlussfolgerung zu ziehen. Das mache ich lieber morgen oder übermorgen, wenn ich wieder etwas beruhigt habe. Titel: Re: Forschungsprojekt Trennungsväter Beitrag von: teuker am 08. März 2003, 10:30:00 Worüber hast du dich denn so aufgeregt? Darüber, dass in dem Bericht nüchterne Zahlen belegen, was wir alle ohnehin wissen?
Weißt du, Statistiken sind immer so eine Sache, denn es liegt in der Natur der Sache, dass Sachverhalte vereinheitlicht werden müssen, wenn man vernünftige Befragungen durchführen und zu messbaren Ergebnissen gelangen möchte. Auch wenn sie auf den ersten Blick als objektiv erscheinen: Statistiken sind in den seltensten Fällen objektiv, denn allein anhand der Fragestellung können Ergebnisse einen anderen Stellenwert bekommen. Für mich persönlich ist das ein Grund, mich nicht über Zahlen zu ereifern. Dass Männer und Frauen unter der Trennung von ihren Kindern leiden, erscheint mir nur natürlich und offen gesagt ist es für mich gar nicht wichtig, ob nun 70% der Trennungsväter hinterher "fix und fertig waren" oder 10%. Tatsache ist und bleibt: eine Trennung hat immer emotionale, psychische, soziale und finanzielle Konsequenzen für ALLE Beteiligten. Diese Tatsache wird nicht schlimmer, weil ich sie nun in Zahlen ausgedrückt vor mir sehe. Deshalb kann ich mich, offen gesagt, auch über diese Statistik nicht wirklich aufregen. Eines jedoch wird durch diese Zahlen deutlich: die Folgen einer Trennung sind für viele Väter gleich und Probleme, die hier im Forum geschildert werden, reflektieren in der Regel keine Einzelfälle sondern stehen als Beispiel für viele, viele andere. Grund genug, um zur Solidarität aufzurufen! Lieben Gruß Gaby P.S. Ich erkläre hiermit meine Solidarität mit allen Trennungsvätern, auch wenn ich wieder einmal ein wenig enttäuscht bin, dass in dem ganzen Forschungsbericht offenbar keine einzige Trennungsmutter befragt wurde. :P Titel: Re: Forschungsprojekt Trennungsväter Beitrag von: DeepThought am 22. März 2003, 14:15:44 Ich ereifere mich über einige Punkte.
1. Die Finanzierung erfolgte privat. Soweit zum Stellenwert der Trennungsväter in unserer Gesellschaft. Das Trennungsmütter nicht einbezogen wurde, mag an der geringen Anzahl liegen. 2. Es ist schon erheblich, wie viel Prozent in welcher Form durch die Trennung seelisch oder körperlich in Mitleidenschaft gezogen sind Denn erst jetzt, durch die Zahlen, ist belegt, dass Väter wirklich leiden und in welcher Form, Dauer und Konsequenz. Vorher konnte alles als Lippenbekenntnis abgetan werden. 3. Es ist erschüttern, in welchem Umfange seitens der Ex-Frau der Umgang boykottiert wird bzw. Väter den Kontakt zu ihren Kindern verlieren. Auch erst jetzt ist das Gefühl, das alle hatten, in Zahlen ausgedrückt, beweisbar und begründbar. Ich hoffe nur, dass denen im Bundesministerium für alles Weibliche und Alte auf das Heftigste die Ohren klingeln. Eine Kopie dieser Vorstudie habe ich übrigens an das Jugendamt Kiel und an die Sachbearbeiterin, die für meine Kinder zuständig ist, geschickt. Vielleicht ist das auch eine Idee, die anderen hilft? Ich kann ja manchmal sooooo gemein sein. :P |